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Katarina Witt gewann innerhalb von fünf Jahren vier Weltmeistertitel © imago

Die Bewerbungschefin wirbt bei der Versammlung der Olympischen Komitees für "München 2018" und verdient sich ein Lob des OBs.

München/Belgrad - Katarina Witt hatte ein Heimspiel, keine Frage.

In Sarajevo gewann sie 1984 ihr erstes olympisches Gold im Eiskunstlaufen, und so ist sie in den souveränen Staaten, die einst Jugoslawien bildeten, auch heute noch ein Star.

Drei Tage lang warb Witt in Serbiens Hauptstadt Belgrad für "München 2018", in den Zeitungen und Fernsehsendungen war sie ein Hauptthema, doch vor allem war sie bei der 39. Generalversammlung der europäischen Nationalen Olympischen Komitees allgegenwärtig.

Wenn München am 6. Juli 2011 in der Tat den Zuschlag erhält, ist das nicht zuletzt das Verdienst von Katarina Witt.

Ude lobt die Bewerbungschefin

Ihre Mitstreiter sind voll des Lobes über die zweimalige Olympiasiegerin, die den sperrigen Titel "Vorsitzende des Kuratoriums" trägt, sich international aber einfach "chair" nennt, im übertragenen Sinne die Kurzform für Präsidentin.

In der Tat ist sie das freundliche "Gesicht" von "München 2018". "Sie macht das hervorragend", betonte der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude.

Die Bewerbung sei "ein nationales Anliegen mit internationaler Wirkung", und das, sagte er schmunzelnd, "kann man nicht besser personifizieren als mit einer Sächsin, die international bekannt ist."

Hoeneß liegt falsch

In Bayern waren sie am Anfang skeptisch. Katarina Witt? Eine Sächsin? Au weia! Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, hat sie als Fehlbesetzung bezeichnet. Eine Fehleinschätzung.

Unter dem Personal, das die Bewerber München, das südkoreanische Pyeongchang und das französische Annecy nun auch in Belgrad bei der Selbstdarstellung aufgeboten haben, ist Katarina Witt der einzige Profi im Umgang mit der Öffentlichkeit.

Sie bezirzt Publikum und Jury wie einst auf dem Eis. Und sie wird, nicht unwichtig, von den IOC-lern und der olympischen Familie offenbar als standesgemäßes Mitglied wahrgenommen.

Endspurt eingeläutet

Mit ihren Präsentationen, wie sie in Belgrad nun zum dritten Mal gezeigt wurden, werden sich die drei Bewerber bis April nicht mehr offziell auf großer Bühne zeigen können.

Dann beginnt schon der Endspurt. Zuvor muss am 11. Januar 2011 das große Bid Book beim IOC abgegeben werden, Anfang März kommt die IOC-Evaluierungskomission in München vorbei.

"Es ist noch ein langer Weg", sagt Witt, und Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB), betont: "Es ist noch zu früh, von Entscheidungsfindung zu sprechen."

München favorisiert

Gefühlt hat München derzeit die beste Ausgangsposition der drei Bewerber.

Dank des Einsatzes von Katarina Witt, über die der Münchner OB Ude respektvoll berichtet: "Sie engagiert sich mit einem fast preußischem Pflichtbewusstsein, sie steigt sogar mir auf die Zehen, was ich noch alles zu tun habe."

Und dann ist da auch DOSB-Präsident Thomas Bach. Er erweckte in Belgrad den Eindruck, als habe er eine fast spitzbübische Freude daran, die Spiele nach München zu holen.

Bach ist auch Vizepräsident des IOC. Wenn also einer weiß, was die Mitglieder des IOC wollen, dann er. Und er hat offenbar den Eindruck, dass die Münchner Bewerbung im Vorteil ist.

Annecy nur Außenseiter

Das französische Annecy wirkte auch in Belgrad, der dritten Station der Bewerbungstour nach Acapulco (Vollversammlung aller 208 NOKs) und Guangzhou in China (Treffen asiatischer NOKs bei den Asien-Spielen), wie ein Verlegenheitskandidat.

Es läuft wohl auf einen Zweikampf zwischen München und Pyeongchang hinaus. München bietet der olympischen Familie ein "Festival der Freundschaft" an, es setzt auf Leidenschaft und Emotionen.

Pyeongchang wiederholt ständig seine "Neuen Horizonte", es lockt mit einem ungesättigten asiatischen Wintersportmarkt und will dazu alles bieten, was sich mit Geld herbeischaffen lässt.

"Müssen uns nicht verstecken"

"Wir brauchen uns nicht zu verstecken", sagte Bach in Belgrad diplomatisch. München konzentriert sich auf sich selbst, Pyeongchang, das wurde auch diesmal deutlich, schaut doch einigermaßen irritiert auf seinen deutschen Kontrahenten.

Die Südkoreaner geben sich geläutert, sie lassen wissen, dass sie nach den zwei gescheiterten Bewerbungen hintereinander nun verstanden haben, was das IOC will und sie fordern es beinahe auf, ihm nun Olympia zu geben.

Pyeongchang aber ist sich seiner Sache so unsicher, dass es mittlerweile abkupfert und Elemente und Ideen der Münchner in seine eigene Präsentation einfließen lässt. Eine Katarina Witt hat aber nur München.

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