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Skispringen am Gudiberg? Die Partenkirchner Grundstücksbesitzer wehren sich © getty

Dutzende Grundstücksbesitzer fordern Bayern auf, die München-2018-Bewerbung zu stoppen - sonst gingen sie zum IOC.

Garmisch-Partenkirchen - Der seit Monaten schwelende Streit um Flächen für die Winterspiele 2018 hat eine neue Dimension erreicht.

59 Grundbesitzer aus Garmisch-Partenkirchen haben der bayerischen Staatsregierung jetzt sogar ein Ultimatum gestellt - mit der Forderung, die Bewerbung um Olympia 2018 bis zum 22. Dezember zurückzuziehen.

Ansonsten wollen die renitenten Bauern einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) direkt mitteilen, dass ihre Grundstücke definitiv nicht zur Verfügung stehen.

Damit wollen sie die Planungen und letztendlich die Bewerbung zu Fall bringen.

Alternativlösungen in Planung

Die Bewerbungsgesellschaft und die bayerische Staatskanzlei sind aber trotz der erneuten Störfeuer aus Garmisch vom Erfolg ihrer Mission weiterhin voll überzeugt. "Die noch offenen Grundstücksfragen lassen sich klären und gefährden die Bewerbung nicht", sagte Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider bei einer Kabinettssitzung am Dienstag.

Er machte zudem deutlich, "dass nur wenige Grundstücke relevant für die geltende Planung sind. Hier haben wir nach wie vor Gesprächsinteresse. Ich werde mich deshalb weiter im Interesse einer bestmöglichen Bewerbung um eine Verständigung bemühen.

Sollte keine Einigung möglich sein, werden entsprechende Ersatzlösungen bereitstehen."

Schwank: Rückzug steht nicht zur Diskussion

Die Grünen hoffen nicht, dass Schneider dazu "auch Enteignungen zählt", wie der klimapolitische Sprecher Ludwig Hartmann erklärte.

Durch den Brief der Garmischer Grundbesitzer an die Regierung sieht sich Hartmann bestätigt, "dass für Winterspiele in dieser Größenordnung die Fläche in Garmisch zu klein ist".

Bernhard Schwank, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft München 2018, stellte dagegen klar, "dass wir die Bewerbung natürlich nicht zurückziehen werden. Wir haben eine sehr gute Bewerbung.

Sollten sich die Betroffenen entscheiden, ihre Flächen nicht abzugeben, dann werden wir Alternativen in Anspruch nehmen", sagte er dem SID. Schwank setzt aber weiterhin auf einen Dialog und "auf eine tragfähige Lösung". Er appelliere deshalb an die Eigentümer, "im Gespräch zu bleiben".

Bewerbung von Bevölkerung gestützt

Dass Ludwig Seitz, Anwalt der Garmischer Grundbesitzer, das IOC kontaktieren will, sieht Schwank gelassen: "Wir sind mit dem IOC in einem ständigen Austausch. Das IOC ist über den Fortgang unserer Bewerbung bestens informiert. Das IOC kennt das bei einer Bewerbung ohnehin, dass es immer ein pro und contra gibt."

DOSB-Präsident Thomas Bach, zugleich IOC-Vize, hatte zuletzt schon betont, dass es "neben der Sache" liegen würde, Szenarien für ein Scheitern der Bewerbung herbeizureden.

Zumal die Bewerbung für Olympa 2018 laut Schneider "die breite Unterstützung der bayerischen Bevölkerung hat. Bayern steht hinter dieser Bewerbung.

Die beteiligten Gemeinden, der Landkreis Berchtesgadener Land, der Münchner Stadtrat und der Bayerische Landtag haben dieser Bewerbung Rückenwind gegeben."

Zielbereich der Kandahar-Abfahrt steht noch in Frage

Laut Schwank geht es bei der Kontroverse derzeit noch "um eine Handvoll Grundstücke". Es sei kein Geheimnis, "dass eines davon auch Sportflächen betrifft".

Gemeint ist ein Grundstück im Zielbereich der Kandahar-Abfahrt. Zudem soll es sich um Flächen in der Nähe des Skistadions am Gudiberg und am Hausberg in Garmisch-Partenkirchen handeln.

"Sämtliche Grundstücke liegen innerhalb des Sicherheitszauns, den das IOC rund um die Olympiaanlagen verlangt. Ohne diese Grundstücke ist eine Olympia-Bewerbung unmöglich", sagte der Münchner Rechtsanwalt Seitz der SZ.

Witt: "Ich bin dennoch guter Dinge"

Dies sieht allerdings auch Katarina Witt, Kuratoriums-Vorsitzende von München 2018, naturgemäß ganz anders.

"Es ist natürlich bedauerlich, dass wir noch nicht alle hundertprozentig von der Bewerbung überzeugen konnten. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Ich bin dennoch guter Dinge", sagte Witt am Dienstag in Berlin: "Ich bin jemand, der immer positiv in die Zukunft schaut und ich denke, dass wir auch diese Probleme bewältigen werden."

Eine Reise nach Garmisch-Partenkirchen, um selbst mit den Grundbesitzern zu diskutieren, schloss die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von 1984 und 1988 aus: "Da geht es nicht so sehr um Emotionen. Das Thema ist auf der jetzigen politischen Ebene gut bei der Staatskanzlei aufgehoben."

Abgabefrist am 11. Januar 2011

Das IOC vergibt Olympia 2018 am 6. Juli 2011 in Durban.

Neben München bewerben sich Annecy in Frankreich und Pyeongchang aus Südkorea um Olympia 2018.

Bis zum 11. Januar muss die Bewerbungs-Gesellschaft dem IOC das so genannte Bid Book als entscheidendes Bewerbungsdokument vorlegen.

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