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Mit einem Lächeln: Katarina Witt präsentiert das Bid Book auf dem Münchner Rathausplatz © getty

Der Olympiabewerber für 2018 gibt am Dienstag das Bid Book beim IOC ab. Nun steht bis zur Vergabe am 6. Juli viel Lobbyarbeit an.

Aus München berichtet Maik Rosner

München - Es fiel zwar unangenehm nasser Schnee auf dem Münchner Rathausplatz, doch selbst das werteten die Olympia-Macher als gutes Omen.

Katarina Witt und Thomas Bach strahlten um die Wette, als sie das 396 starke Bid Book in ihren Händen vor die zahlreichen Kameras hielten.

Aufbruchstimmung sollte erzeugt werden, nachdem die Olympiabewerbung um die Winterspiele 2018 schon mehrfach in die Negativschlagzeilen geraten war.

Am Dienstag werden die Bewerbungsunterlagen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne abgegeben.

"Jetzt geht es los"

"Jetzt geht es wirklich los. Es beginnt die heiße Phase der Bewerbung", sagte Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und zugleich IOC-Vizepräsident.

Der Funktionär glaubt fest an die Münchner Bewerbung, trotz der starken Konkurrenz aus Pyeongchang in Südkorea. Annecy aus Frankreich gilt als krasser Außenseiter.

"Wir haben eine wirklich hervorragende Chance, zu gewinnen", sagte Bach demonstrativ optimistisch.

Witt erinnert an WM-Stimmung

Die ehemalige Eiskunstläuferin Witt, Vorsitzende des Kuratoriums der Bewerbungsgesellschaft, hatte bereits vor dem Weißwurstfrühstück in den Botticellistuben des Ratskellers die Gelegenheit genutzt, Aufbruchstimmung mit dem Verweis auf die Fußball-WM 2006 zu erzeugen.

"Die ganze Welt hat uns umarmt, wir haben die Welt umarmt. Und wir möchten dasselbe mit den Olympischen Spielen 2018 tun", sagte die 45-Jährige.

"Fakten geschaffen"

Für die Olympia-Macher ist die Abgabe der Bewerbungsunterlagen ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur angestrebten Ausrichtung in sieben Jahren.

"Durch das Bid Book haben wir Fakten geschaffen. Es ist eine Bewerbung von Athleten für Athleten. Wir haben ein hervorragendes Angebot", warb Bach.

Allerdings müsse man sich auch auf überraschende Fragen der Evaluierungskommission einstellen.

"Da kann es sein, dass ein Mitglied in 60 Minuten von München nach Garmisch fahren will", erklärte Bach, in der Vergangenheit selbst als Vorsitzender einer Evaluierungskommission tätig.

Vom 1. bis 4. März werden die IOC-Prüfer in München erwartet und möglicherweise auch die veranschlagten Fahrtzeiten zwischen den Sportstätten messen.

Bunte Bilder als Vorteil

Ein Pluspunkt sei es bis dahin, dass man sich auf diversen Großveranstaltungen präsentieren könne.

"Das ist sicher ein Vorteil, dass wir solche Großereignisse nicht nur organisieren können, sondern auch feiern", sagte Bach mit Blick auf die Ski-WM im Februar in Garmisch, aber auch auf den zurückliegenden Ski-Weltcup im Münchner Olympiapark.

Neben den bunten Bildern fröhlich feiernder Menschenmassen sorgen auch gute Nachrichten vom Grundstücksstreit in Garmisch-Partenkirchen für Auftrieb.

Annäherung bei Grundstücken

Am Freitagnachmittag war ein kleiner Durchbruch gelungen. Zunächst nur für die Ski-WM im Februar, allerdings mit dem ausdrücklichen Zusatz, auch für Olympia 2018 verhandlungsbereit zu sein.

Eine umstrittene 20 mal 40 Meter große Wiese im Zielbereich der Kandahar-Abfahrt wurde von dem Eigner für die WM und nachfolgende Weltcups freigegeben, die im Raum stehende Enteignung ist damit vom Tisch.

Siegfried Schneider, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Verhandlungsführer in den Gesprächen mit den Grundstückseigentümern, hofft auf einen raschen Abschluss auch für Olympia.

"Wir sind noch nicht am Ziel, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir uns einigen", sagte Schneider. "Diese oder nächste Woche" wolle man versuchen, "das unter Dach und Fach zu bringen".

Drei Milliarden Euro Kosten

Zudem wurde am Montag ein weiterer Sponsor vorgestellt, der die Olympiabewerbung mit zwei Millionen Euro unterstützen soll.

Bis zu drei Milliarden Euro würde Olympia nach konservativen Schätzungen kosten. Geplant sind neben der Eröffnungs- und Schlussfeier die Eiswettbewerbe in München

Bevor die Evaluierungskommission des IOC vom 1. bis zum 4. März in München zur Prüfung erwartet wird und am 6. Juli die Entscheidung um die Vergabe im südafrikanischen Durban fällt, werden die Macher der deutschen Olympiabewerbung nun viel Lobbyarbeit leisten müssen.

Für weltweite Medienpräsenz muss genauso gesorgt werden wie für das Umgarnen der Funktionäre und Verbände. Witt soll dabei eine wichtige Rolle spielen.

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