vergrößernverkleinern
Die Gegner wollen mit einem Bürgerbegehren Olympia 2018 verhindern © getty

Nächste Runde im Olympiastreit: Die Gegner gehen mit einem Bürgerbegehren in Garmisch-Partenkirchen wieder in die Offensive.

Garmisch-Partenkirchen - Die Olympia-Gegner machen ernst, der Ton wird rauer.

Im Streit um die Winterspiele 2018 hat das Netzwerk "NOlympia" dem Team um Münchens Frontfrau Katarina Witt einen empfindlichen Wirkungstreffer versetzt - sechs Tage, bevor die IOC-Prüfer der Evaluierungskommission sich ein eigenes Bild vor Ort machen.

Mit einem Bürgerbegehren in der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen soll die Rechtswirksamkeit sämtlicher von der Gemeinde bereits unterzeichneten Verträge in Bezug auf die Spiele 2018 geprüft werden, um am Ende olympische Wettbewerbe in Garmisch zu verhindern.

IOC soll ins Grübeln kommen

Zwar wäre dieser Prozess bis zur IOC-Entscheidung am 6. Juli in Durban noch längst nicht abgeschlossen.

Doch die Olympia-Gegner setzen nach Aussage ihres Sprechers Ludwig Hartmann darauf, dass "das IOC einem Bewerber, dessen Bevölkerung auf diesem Weg gegen Olympia vorgeht, gar nicht erst den Zuschlag gibt".

Befürworter kritisieren Schritt

Die Antwort aus München konnte den Frust über die aktuelle Entwicklung nur unzureichend verbergen.

"Ein Bürgerbegehren zu initiieren, nur um ein Gutachten in Auftrag zu geben, zeigt einmal mehr, dass den Initiatoren der Mut zur Auseinandersetzung mit Sachargumenten fehlt", heißt es da.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

"Wir haben volles Vertrauen, dass die Bürger von Garmisch-Partenkirchen dieses Spiel durchschauen."

"Bürger müssen gehört werden"

Das hofft "NOlympia" auch, allerdings in ganz anderem Kontext.

"Die Bürger müssen zu diesem eminent wichtigen Thema endlich mal gehört werden", sagt Hartmann. Die Einwohner von Garmisch können per Internet abstimmen, auf der Homepage von "NOlympia" steht das Antragsformular bereit. Für ein Bürgerbegehren werden laut Hartmann "gut 2000 Unterschriften" benötigt.

Sollten diese "innerhalb der nächsten drei bis vier Wochen" vorliegen, muss die Gemeinde entscheiden, ob sie das Bürgerbegehren zulässt oder nicht.

Ude verärgert

"Ich bin fassungslos", sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) im Gespräch mit der "tz". "Ich empfinde es als kurios, so viele Jahre abzuwarten und jetzt plötzlich zu sagen: April, April."

Dem hält Hartmann entgegen, man habe ja erst handeln können, nachdem die Bürger über die Fakten informiert waren: "Und das waren sie erst, als am 11. Januar das Bid Book auf dem Tisch lag."

Falls die Gemeinde dem Bürgerbegehren zustimmt, werden alle Einwohner zur Wahlurne gebeten, um abzustimmen, ob "die zulässigen Maßnahmen" zum Garmischer Ausstieg ergriffen werden sollten.

Hartmann: Olympia zu groß

Bei einer absoluten Mehrheit wäre die Gemeinde ein Jahr lang an das Ergebnis der Abstimmung gebunden. Falls die Politiker das Bürgerbegehren ablehnen, "würden wir es auf juristischem Wege einklagen", sagt Hartmann.

Olympia sei für Garmisch-Partenkirchen einfach eine Nummer zu groß, so argumentieren die Gegner der Winterspiele.

"Die Ski-WM hat gerade noch gepasst", sagt Hartmann, "aber Olympia wäre zu viel. Garmisch ist eine kleine Gemeinde, da kann man nicht mal eben ein paar Maisfelder mit einer Halfpipe bebauen. Die Bauern brauchen das Land als Weidefläche für ihre Tiere und als Futterwiesen - und zwar immer."

"Bevölkerung wünscht sich Olympia"

Gerade durch die Ski-WM sehen sich die Münchner Bewerber aber bestärkt.

"Wir sind nach der erfolgreichen Ski-WM mehr denn je überzeugt, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland wünscht", heißt es in dem Statement.

Aus repräsentativen Umfragen kenne man die klaren Mehrheiten auch in Garmisch-Partenkirchen: "Annähernd zwei Drittel der Bevölkerung steht dort hinter der Bewerbung um die Winterspiele 2018."

"Das", sagt Hartmann, "traue ich mich zu bezweifeln".

Gegner befürchten "Ausverkauf der Heimat"

Einen "Ausverkauf der Heimat", wie Hartmann es nennt, lehnen die Mitglieder von "NOlympia" strikt ab - und glauben die Mehrheit der Garmischer Bürger dabei auf ihrer Seite: "Eine Allgemeinheit für die große Privatveranstaltung Olympia, die für den Ort keinerlei nachhaltigen Wert haben wird, gibt es in Garmisch nicht."

Das wolle man, so Hartmann, in der kommenden Woche auch den Mitgliedern der IOC-Evaluierungskommission bei deren Besuch vor Ort klar vor Augen führen: "Es gibt in Garmisch keine Pro-Olympia-Stimmung."

"München 2018" sieht das ganz anders.

Olympische und Paralympische Spiele in Bayern böten "eine einmalige Chance für einen nachhaltigen positiven Entwicklungs-Schub für die Region".

Über die Rechtmäßigkeit der Vorgehensweise in Garmisch will man sich in München nicht äußern: "Es ist nicht unsere Sache zu bewerten, ob dieses Bürgerbegehren zulässig ist. Das müssen die zuständigen Behörden prüfen, sobald die notwendigen Unterschriften vorhanden sind."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel