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Katarina Witt ist Präsentations-Chefin der Bwerbung Münchens für Olympia 2018 © getty

Der Besuch der IOC-Kommission für Münchens Olympiabewerbung soll perfekt ablaufen. Selbst die Gegner sind mit von der Partie.

Garmisch-Partenkirchen - Selbst die Bundeskanzlerin will mit "Eva" flirten.

"Eva", das sind jene elf Damen und Herren der sogenannten Evaluierungskommission, die bis zum kommenden Freitag im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) überprüft, ob München und seine Partner Garmisch-Partenkirchen und Königssee denn als Gastgeber für die Olympischen Spiele 2018 taugen.

"Eva" wird deshalb nach allen Regeln der Kunst bezirzt. Zimmer und Besprechungsräume sind im feudalen Hotel Bayerischer Hof reserviert, Polizeieskorten für Besichtigungen organisiert - und am Donnerstagabend kommt es zu einem Staatsempfang mit Angela Merkel.

"Flirt" umstritten

Dabei ist die Wirkung des obligatorischen Flirts mit "Eva" umstritten. Vor allem die Vergabe von Winterspielen widersprach in der Vergangenheit häufig dem Bericht der Inspektoren.

Bestnoten der elfköpfigen Gruppe bedeuten nicht viel - das suggeriert sogar Thomas Bach, IOC-Vize und Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB).

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die SPORT1 News)

Der Bericht der Kommission, sagte er vor dem Inspektions-Beginn am Dienstag, sei ein "ganz wichtiger Baustein" bei der Wahl eines Gastgebers, "aber nicht alleine entscheidend". Er ergänzte, dass jedes abstimmende IOC-Mitglied "eigene Entscheidungen anstellen kann und muss."

Bestechungs-Beispiel Utah

Bach weiß, wovon er spricht. Zwei Mal war er selbst Vorsitzender einer "Eva", für Winter-Olympia 2002 und Sommer-Olympia 2004. Im ersten Fall gewann Salt Lake City, das auch die Inspektoren um Bach auf Rang eins gesetzt hatten.

Die Bewerber aus der Mormonen-Metropole im US-Bundesstaat Utah halfen damals trotz bester Noten mit massiver Bestechung nach. Vor der Entscheidung zur Wahl 2004 setzte die Kommission unter Bach die schwedische Hauptstadt Stockholm auf Rang eins und Athen auf Rang drei - Athen gewann.

"Viele Interessen" würden bei der Entscheidung eben eine Rolle spielen, sagte Bach am Montag.

Ungewöhnliches Treffen

Die "Eva" für das französische Annecy, das südkoreanische Pyeongchang - beide bereits besucht - und München wird von einer 63 Jahre alten Schwedin geleitet: Gunilla Lindberg, IOC-Mitglied, achtet vor allem auf die Bedingungen für die Sportler.

Der wichtigste Mann an ihrer Seite ist Gilbert Felli. Der hauptamtliche IOC-Direktor überprüft die im sogenannten Bid Book genannten finanziellen und politischen Garantien.

Für Dienstag hat "München 2018" zudem einen ungewöhnlichen Programmpunkt für die IOC-Gesandten organisiert: Die "Eva" trifft dann auf Vertreter der Olympia-Gegner von "NOlympia".

Entscheidung rückt näher

Dieses Treffen wird womöglich auch die 163 Journalisten aus aller Welt interessieren, die über die Inspektoren-Reise berichten wollen.

Ehe die elf Kommissare am Dienstag mit den Besichtigungen, Präsentationen und Fragerunden beginnen, sprach Bach vor den Medienvertretern noch einmal davon, dass das IOC am 6. Juli bei der Wahl in Durban vor einer "Grundsatzentscheidung" stehe.

Die Mitglieder müssten dann entscheiden, ob sie mit einem Zuschlag für Pyeongchang wieder eine neue Region erschließen wollen, "oder ob es nicht an der Zeit ist, Kraft zu tanken" und mit München die "Seele" von Olympia wiederzuentdecken.

"Vielversprechende Gespräche"

Bei einer Pressekonferenz der Münchner Bewerber um die gewohnt charmante Kuratoriumsvorsitzende Katarina Witt gab es zumindest schon mal Positives vom Tauziehen um benötigte Grundstücke in Garmisch-Partenkirchen zu berichten.

Wie der noch amtierende bayerische Staatskanzleichef Siegfried Schneider mitteilte, werden mit dem Eigentümer des Grundstücks im Zielbereich der Ski-Rennstrecke Kandahar wieder "vielversprechende" Gespräche geführt.

Der Besitzer hatte seine Fläche für die vor einer Woche zu Ende gegangene Ski-WM bereitgestellt, dies für mögliche Olympische und Paralympische Spiele aber ausgeschlossen.

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