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DOSB-Präsident Thomas Bach will IOC-Mitglied Gunilla Lindberg von München überzeugen © getty

Mit Blick auf die der Olympia-Vergabe 2018 spricht sich DOSB-Chef Bach mit philosophisch anmutenden Argumenten für München aus.

München - In der olympischen Welt des gekonnten Nichtssagens war die Äußerung von Thomas Bach nichts Geringeres als eine Kampfansage.

Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), beschwört einen vorübergehenden Kurswechsel bei der Vergabe Olympischer Spiele - im Sinne der Münchener Bewerbung für 2018.

Es sei eine "gute Zeit" für die olympische Bewegung "die Batterien wieder aufzuladen", findet der IOC-Vizepräsident.

"Nachdem wir zur richtigen Zeit in die neuen Regionen gegangen sind", sei für 2018 die Wahl Münchens als Ausrichter der Winterspiele die richtige, sagte er.

Kämpferischer Gruß an Pyeongchang

Zum Abschluss des Besuchs der IOC-Evaluierungskommission in München und bei dessen Partnern Garmisch-Partenkirchen und Königssee schickte Bach damit einen kämpferischen Gruß an den südkoreanischen Hauptgegner Pyeongchang.

Und eben auch an die Mitglieder des IOC, von denen am 6. Juli im südafrikanischen Durban zunächst 103 über den Olympia-Gastgeber 2018 abstimmen dürfen.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Der IOC-Vize, dem nach wie vor Ambitionen auf das Präsidenten-Amt nachgesagt werden, hat nach außen eindeutig Position für "München 2018" bezogen und den anderen Mitgliedern des IOC mit Nachdruck empfohlen: Erschließung neuer Märkte ja, aber nicht 2018.

München als sicherer Hafen

Als Bach bei der Abschlusspressekonferenz am Freitag von einer ein wenig verdatterten südkoreanischen Journalistin gefragt wurde, wie er das denn meine mit dem Aufladen der Batterien, wurde der DOSB-Präsident beinahe philosophisch:

"Es ist wie der Lauf des Lebens. Sie können immer zu neuen Ufern aufbrechen - Sie müssen aber ab und zu auch ankommen."

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu M nchen 2018 "]

Die Winterspiele 2014 sind an das russische Sotschi vergeben worden, die Sommerspiele 2016 an Rio de Janeiro.

Richtige Entscheidungen zur richtigen Zeit seien das gewesen, sagte Bach. Dann aber soll Olympia vorübergehend in einen sicheren Hafen einlaufen.

Südkorea momentan vorn

Im Grunde spricht nichts gegen Pyeongchang, und zum jetztigen Zeitpunkt sieht das womöglich die Mehrheit der IOC-Mitglieder so.

In Südkorea werden die Sportstätten nicht schlechter sein als in München, in "GAP" und am Königssee. Und was nicht zu passen droht, wird mit Geld passend gemacht werden.

Geld hat auch die Münchner Bewerbung zu bieten, nicht zuletzt wird nun das ohnehin seit Jahrzehnten bestehende Entwicklungshilfeprogramm des Außenministeriums und des DOSB für finanzschwache NOKs aufgestockt, bis 2018 stehen 40 Millionen Dollar sowie 100 Stipendien an den Unis in Leipzig und Köln bereit.

"No risk, but fun"

Gefühlt hat "München 2018" geringe Chancen gegen die Südkoreaner - Bach und seine Mitstreiter setzen im viermonatigen Endspurt deshalb voll auf die Karte Emotion.

Die Münchner Bewerbung, sagte Bach, biete "no risk, but fun", also: kein Risiko, aber viel Spaß. Seine versteckte Botschaft: Sotschi 2014 und Rio de Janeiro 2016 sind problematische Gastgeber, sie könnten die Marke Olympia beschädigen.

In Deutschland, laut IOC-Mitglied Gunilla Lindberg eine "große Wintersportnation" und darin geübt, "große Wintersportereignisse auszurichten", kann sich Olympia nach Meinung von Bach guten Gewissens wiederbeleben.

"Wir wollen nicht in der Mitte des Rennens führen, sondern am Ende gewinnen", sagte Bach voller Entschlossenheit.

Noch vier Monate

Zunächst mal wird am 10. Juli die Evaluierungskommission ihren Bericht vorlegen, am 17. und 18. Mai sind die Bewerber München, Pyeongchang und Annecy zu einer technischen Präsentation beim IOC geladen.

Bis dahin will "München 2018" dann auch die letzten Störfeuer ausgetreten haben. Ein Bürgerbegehren der Olympia-Befürworter ist angelaufen, und auch im Grundstücksstreit in Garmisch-Partenkirchen zeichnet sich eine zeitnahe Lösung ab.

Bleiben einstweilen noch vier Monate Zeit, um die IOC-Mitglieder davon zu überzeugen, dass sie es in München besser haben werden als anderswo.

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