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Christian Ude ist seit September 1993 Münchner Oberbürgermeister © getty

Deutschlands Olympia-Bewerber gehen optimistisch in die wichtige Präsentation in London. Frankreichs Vertreter droht Schiffbruch.

London - Der Tag vor der enorm wichtigen Präsentation von München 2018 vor IOC-Mitgliedern in London begann für Münchens Oberbürgermeister Christian Ude überraschend heiter.

Das Stadtoberhaupt erhielt vor dem Tagungshotel an der Westminster Bridge eine Verlautbarung der Olympia-Gegner von Annency 2018 in die Hand gedrückt.

"Ich habe dann ein Foto von dem Plakat NO Olympia Games in Annecy gemacht", erzählte Ude belustigt.

Annecy ließ umgehend wissen, man nehme das alles nicht so ernst.

Staatspräsident Nicolas Sarkozy persönlich werde am 6. Juli bei der IOC-Entscheidung über die Olympiastadt 2018 im südafrikanischen Durban erscheinen.

Schiffbruch a la Chicago droht

Vieles spricht dafür, dass Sarkozy und Annecy ähnlich Schiffbruch erleiden werden wie Chicago mit US-Präsident Barack Obama 2009 beim Bemühen um die Sommerspiele 2016 (Rio de Janeiro).

Und wenig deutet darauf hin, dass Sarkozy so erfolgreich werden könnte wie Russlands Präsident Wladimir Putin zwei Jahre zuvor bei Sotschis erfolgreichem Anlauf auf die Winterspiele 2014.

Kein Gedanke an 2022

In London wird am Donnerstag zur Präsentation von München 2018 und seinen Mitbewerbern Pyeongchang/Südkorea und Annecy der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zur deutschen Delegation gehören.

"Wir glauben einfach an den Erfolg unserer Kandidatur und befassen uns nicht mit einer möglichen weiteren Bewerbung für die nächsten Spiele 2022", sagt Ude. Er geht davon aus, dass auch das Bürgerbegehren am 8. Mai in Garmisch-Partenkirchen positiv ausfällt.

Starke Opposition in Annecy

Drei Monate vor der Vergabe in Durban/Südafrika wird nun auch die Kandidatur von Münchens Rivalen Annecy durch eine starke Opposition bedroht. In der 60.000-Einwohner-Stadt, die laut der Initiative Anti-Olympia vor dem Bankrott stehen soll, wurden in einer täglich wachsenden Liste bisher 13.140 Unterschriften gegen die Spiele gesammelt.

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu M nchen 2018 "]

Angestrebt wird ein Referendum, ähnlich wie es am 8. Mai hinsichtlich der Münchner Bewerbung in Garmisch-Partenkirchen stattfinden soll. Dort haben Olympia-Befürworter und Olympiagegner in der 26.000-Einwohner-Stadt mit jeweils über 1700 eingereichten Unterschriften die Voraussetzungen für einen Bürgerentscheid geschaffen.

Beim leichten Wahl-Favoriten Pyeongchang/Südkorea gibt es offiziell über 90 Prozent Zustimmung für die Spiele 2018.

Bevölkerung mit Vorbehalten

Die Olympiagegner in Annecy behaupten, nur 51 Prozent der Bevölkerung seien für Spiele in Annecy, die vor allem der Bürgermeister gewollt habe. Dies sei die niedrigste Rate an Zustimmung, seit solche Zahlen bei Bewertungen veröffentlicht werden.

"Die Bevölkerung wurde nie gefragt. Die Realität ist, dass viele Einwohner Olympia nicht wollen. Wir möchten nun gehört werden", sagt Khaled Dehgan, Präsident der Umweltschutz-Organisation NGO.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

"Niemand trägt wirkliche Verantwortung"

Nach dem Rücktritt von Edgar Grospiron im Dezember sei Charles Beigbeder Chef des Bewerbungskomitees geworden, der weder Hochsavoyen kenne noch Ahnung vom olympischen Sport habe. Frankreichs IOC-Mitglieder Jean-Claude Killy und Guy Drut hätten dies öffentlich scharf kritisiert.

Auch Sportministerin Chantal Jouanno wird zitiert: "Es scheint, dass niemand wirkliche Verantwortung trägt für diese Bewerbung. Diese Kampagne braucht viel mehr Energie."

Stadtratsmitglied Phillippe Metral Boffod kündigte an: "Tausende in Annecy haben genug von dieser Show und dem finanziellen Missmanagement der Bewerbung. Wir sind stärker denn je gegen dieses Projekt und haben in den kommenden Wochen eine Reihe von Aktionen geplant, um auch bei IOC-Mitgliedern gehört zu werden."

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