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Dr. Thomas Bach (M.) gewann 1976 in Montreal Olympisches Gold mit der Fecht-Mannschaft © getty

Mit seiner Präsentation setzt der DOSB auf Sportbegeisterung und Wirtschaftskraft. Ein Konkurrent bekommt viel Gegenwind.

London - Katarina Witt brillierte einmal mehr mit ihrem Charme und viel Kompetenz.

Und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ließ keinen Zweifel am starken Rückhalt "aller politischen Ebenen" für die deutsche Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018.

Auf die frische und kurzweilige Präsentation bei der Weltsport-Konferenz in London folgen für München nun aber im Mai die "Wochen der Wahrheit", bevor am 6. Juli in Durban/Südafrika gewählt wird.

Dasselbe gilt für Südkoreas Favorit Pyeongchang und Frankreichs Außenseiter Annecy, die in London eher blasse Präsentationen boten.

"Es sei denn, andere machen Fehler"

Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und "Vize" im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), machte in der britischen Metropole deutlich, dass die technische Präsentation am 18. Mai in Lausanne entscheidende Bedeutung haben werde.

"Es kribbelt schon hier in London. Aber in Lausanne können wir in 45 Minuten viel besser als hier die ganze Substanz unserer Bewerbung zeigen. In Durban kann man dann direkt vor der Entscheidung nichts mehr gewinnen, es sei denn, andere machen Fehler."

In London durften sich München und seine Konkurrenten jeweils 20 Minuten vorstellen.

Friedrich ist "sehr optimistisch"

Der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Friedrich zeigte sich außerdem überzeugt davon, dass München 2018 auch eine zweite wichtige Hürde im Mai sicher nehmen wird.

Mit Blick auf den vor allem durch die Olympiagegner initiierten Bürgerentscheid am 8. Mai in Garmisch-Partenkirchen meinte er: "Ich bin sehr optimistisch, weil eine große schweigende Mehrheit für die Spiele ist. Ich erwarte ein klares Signal, das wird der Kandidatur noch einen zusätzlichen Impuls geben."

Bei einem positivem Votum am 6. Juli werde München 2018 für Deutschland "eine hervorragende Werbeveranstaltung".

"50 Prozent kommen von deutschen Firmen"

Drei Monate vor der Entscheidung in Durban brachte das sechsköpfige Team um die Kuratoriumsvorsitzende Katarina Witt vor rund 300 Gästen in London vor allem die Kraft der deutschen Wirtschaft im Sport zur Geltung.

Die frühere Eisprinzessin hatte bereits zwei Tage zuvor einen Teil der Strategie gegenüber dem finanzstarken Hauptrivalen Pyeongchang deutlich gemacht, als sie sagte: "50 Prozent der weltweiten Sponsorengelder in den sieben Wintersportarten kommen von deutschen Firmen."

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu M nchen 2018 "]

Zwei Botschaften überbracht

Thomas Bach hob ebenfalls noch einmal die wichtigen Argumente der Münchner Bewerbung hervor.

"Wir wollten zwei Botschaften senden", sagte er: "Den langjährigen Beitrag Deutschlands zur Finanzierung des internationalen Wintersports und den Wunsch, dass diese wichtige Wintersport-Nation über 80 Jahre keine Winterspiele hatte."

Auch die Taktik für Lausanne stehe, ergänzte Bach: "Wir müssen nur noch sehen, was angepasst werden muss nach dem Bericht der Evaluierungskommission, den wir zehn Tage zuvor erhalten."

Frühe Glückwünsche für Bach

Bevor die Mitbewerber Pyeongchang/Südkorea und Annecy/Frankreich ihren Auftritt hatten, erhielt Bach schon Glückwünsche von IOC-Kollegen für den guten Job seines Teams.

"Viele der 35 oder 40 IOC-Mitglieder waren schon abgereist, wir wandten uns deshalb vor allem an Mitglieder der internationalen Verbände."

Oberbürgermeister Christian Ude pries München als "Stadt der Festivals", der Sportbegeisterung sowie den Olympiapark von 1972 mit 10.000 Veranstaltungen in den vergangenen 39 Jahren als weltweites Musterbeispiel für Nachhaltigkeit.

Bernhard Schwank präsentierte als Vorsitzender der Geschäftsführung die Vorzüge der Olympiastätten per Film. Und Ian Robertson vom Olympia-Sponsor BMW (London 2012) betonte neben der Kraft der deutschen Wirtschaft auch die Begeisterung der Bevölkerung im Wintersport.

Widerstand gegen Annecy

Bei Annecys Präsentation fiel auf, dass der ehemalige Skistar Jean-Claude Killy nach seiner heftigen Kritik an den Eckpunkten der Bewerbung zwar im Hochglanzprospekt des Kandidaten an erster Stelle präsentiert wurde, aber in London nur per Film eingespielt wurde.

In den Hochsavoyen formiert sich zudem stärker als in Garmisch-Partenkirchen Widerstand. Über 13.000 der 60.000 Einwohner gaben Unterschriften gegen die Spiele. Vor Durban sollen Störaktionen folgen.

Arsene Wenger springt ein

Pyeongchangs eher sterile Präsentation hob auf die Chance mit den neuen Wintersportmärkten in Asien und das Olympia der kurzen Wege ab und ließ auch den Hinweis nicht vermissen, dass (im Gegensatz zur Konkurrenz) 91 Prozent der Bevölkerung dahinter sehen.

Dafür sprang Arsene Wenger, Manager des FC Arsenal, seinen Landsleuten bei. Er hatte schon versucht, mit London den Zuschlag für die Fußball-WM 2018 oder 2022 zu erhalten.

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