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Die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 erfolgt am 6. Juli in Durban © getty

Südkoreas Sportminister gewinnt mit strittigen Argumenten nur wenige IOC-Mitglieder. Deren Entscheidung steht wohl schon.

London - Auf der Zielgeraden zur Olympiavergabe 2018 steigt die Spannung.

Südkoreas Sportminister Chang Byoung-gug machte bei der Weltsportkonferenz in London deutlich, man habe sich schon zweimal vergeblich um die Winterspiele beworben und jetzt vor dem dritten Mal alle Forderungen erfüllt.

Nun sei das Internationale Olympische Komitees (IOC) mit Pyeongchang endgültig am Zug.

Worte, die nicht jedem der 110 IOC-Mitglieder gefallen haben. Sie stehen am 6. Juli im südafrikanischen Durban auch vor der Frage, ob ein zweimal gescheiterter Kandidat beim dritten Anlauf das grüne Licht verdient hat.

Werbung statt Zuschauer

Aber vor allem wird das Projekt 2018 immer mehr zum Richtungskampf: Hier das Kunstprodukt Pyeongchang, das mit Milliarden-Investitionen in eine bisher weitgehend wintersportfreie Zone platziert wird und die Gefahr birgt, dass die Anlagen nach dem Beispiel von Nagano 1998 oder Turin 2006 Jahre später verrotten.

Dort die gewachsenen und erprobten Strukturen einer führenden Wintersport-Nation.

In Pyeongchang dagegen fand bisher nur ein Großereignis statt: Bei der verregneten Biathlon-WM 2009 wurde nur deswegen kaum ein Zuschauer nass, weil es kaum einen gab.

Mangels jubelnder Fans waren an der Strecke vor allem die telegen postierten Werbebanner deutscher Firmen im Bild, die den Wintersport zu etwa 50 Prozent weltweit finanzieren.

Sicherheitsvariante München

Dies hat München 2018 in London den IOC-Mitgliedern noch einmal veranschaulicht.

IOC-Vize Thomas Bach machte als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) deutlich, dass rund 40 Prozent aller olympischen Einnahmen durch Winterspiele generiert werden.

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu M nchen 2018 "]

Auch in anderer Hinsicht ist Winter-Olympia 2018 eine Grundsatzentscheidung: Soll das IOC nach der Vergabe der Spiele 2014 an das mit Unsicherheiten verbundene russische Sotschi und Sommer-Olympia 2016 in die schwierige Region Rio de Janeiro noch einmal ein gewisses Wagnis eingehen?

Sind die von Pyeongchang ins Feld geführten Ressourcen für den Wintersport in den asiatischen Märkten so verlockend? Oder gehen die Olympier lieber auf Nummer sicher?

Minuspunkte durch Bürgerentscheid?

Rund 80 Prozent der Olympier haben sich nach Schätzungen einiger IOC-Kollegen bereits entschieden. Von den fehlenden 20 Prozent werden sich die meisten nach der technischen Präsentation am 18. Mai am IOC-Sitz in Lausanne festlegen.

München könnte auf dem Weg dorthin noch Minuspunkte sammeln, wenn der Bürgerentscheid am 8. Mai in Garmisch-Partenkirchen kein wirklich überzeugendes Ja für die Spiele bringt.

Zweifelhaften Stellenwert hat gut eine Woche vor der Vergabe von Durban die Präsentation der drei Kandidaten vor den nicht gerade wintersportverrückten Vertretern der Nationalen Olympischen Komitees Afrikas in Togo.

Dort wird auch Annecy/Frankreich wieder dabei sein, dessen Chancen im Schatten des Duells Pyeongchang - München immer mehr schwinden.

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