vergrößernverkleinern
Thomas Bach wurde 1976 als Florettfechter Olympiasieger mit der Mannschaft © getty

Nach der Mehrheit pro Olympia 2018 in München fühlen sich die Befürworter bestärkt. Doch Garmisch-Partenkirchen ist gespalten.

München - Die Befürworter sprachen mit hörbarer Erleichterung von Rückenwind für die Bewerbung, die unterlegenen Gegner behaupteten, München 2018 sei mit einem blauen Auge davongekommen.

Tatsache ist: Die Bürger von Garmisch-Partenkirchen haben am Sonntag mehrheitlich dafür gestimmt, weiter am Rennen um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 teilzunehmen.

Damit haben die Kritiker keine juristische Handhabe mehr, die Bewerbung zu stoppen (Bericht).

Er sei überzeugt, betonte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dass diese "deutliche Stärkung der Bewerbung" auch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) "positiv aufgenommen wird".

Prekärer Zeitpunkt

Eine Niederlage der Olympia-Befürworter wäre zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gekommen - und vermutlich wäre die Bewerbung von München 2018 am Sonntagabend dann auch schon am Ende gewesen.

Am Dienstag stellt zunächst die Evaluierungskommission des IOC den Bericht ihrer Inspektionsreise zu den drei Kandidaten vor.

Eine Woche später werden München, Favorit Pyeongchang/Südkorea und Außenseiter Annecy/Frankreich ihre Bewerbung ausführlich dem IOC vorstellen können.

"Bei der technischen Präsentation am 18. Mai in Lausanne können wir jetzt beruhigt sein", sagte der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Gewählt wird der Olympia-Gastgeber 2018 am 6. Juli in Durban/Südafrika.

Blaues Auge bleibt

Dass München in der Lage ist, Olympische Winterspiele auszurichten, daran wird der "Eva"-Bericht wohl keinen Zweifel lassen. Ein negatives Votum am Sonntag in Garmisch-Partenkirchen wäre für die wichtige Präsentation am 18. Mai allerdings ein verheerendes Signal gewesen.

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu M nchen 2018 "]

Doch die Befürworter kamen bei der Abstimmung über insgesamt drei Bürgerentscheide mit einem blauen Auge davon, mit einem "blauen Auge zuviel", wie Ludwig Hartmann, Landesvorsitzender der bayerischen Grünen und lautstärkster Olympia-Kritiker, betonte.

58,07 Prozent Ja-Stimmen erhielt am Ende der Antrag der Olympia-Befürworter, die Olympia-Gegner scheiterten mit 49,61 Prozent Ja-Stimmen.

Bach erleichtert

Das Votum kam für Bach zur richtigen Zeit: "Es ist wichtig, weil es ein Punkt mehr ist, von dem wir sagen können, wir reden nicht nur von Plänen und Hoffnungen, sondern wir können Fakten präsentieren."

Eine Ablehnung der Bürger hätte die abstimmenden Mitglieder des IOC nachhaltig verschreckt - wo sie nicht willkommen sind, dorthin werde sie auch keine Olympischen Spiele vergeben.

Nun aber, betonte Bach, "haben wir die Chancen, die ganze Substanz der Bewerbung noch deutlicher herauszuarbeiten".

Das ist auch geboten - mit Zustimmungsraten der Bevölkerung von bis zu 90 Prozent wie beim Topfavoriten Pyeongchang kann München derzeit nicht aufwarten.

Raum für Interpretationen

Das Abstimmungsergebnis von Garmisch-Partenkirchen, dem "kritischsten Standort der Bewerbung", wie Bach sagte, lässt einstweilen noch viel Raum für Interpretationen. Bei der Stichfrage, die wegen des Scheitern des Antrags der Olympia-Gegner nicht zur Entscheidungsfindung beitragen musste, votierten nur noch 54,91 Prozent für Olympia.

Fast zehn Prozent Unterschied seien zwar "ein klares Bild", sagte der Münchner OB Ude, er mahnte angesichts der Zahlen aber auch: "Dass das Vertragswerk (mit dem IOC, Anm. d. Red.) kritisch gesehen wird, sollte zu denken geben."

Jenes Vertragswerk hatten die Olympia-Gegner mit ihrem Antrag einer Überprüfung unterziehen lassen wollen.

Garmisch vs. Partenkirchen

Auch in Garmisch-Partenkirchen bleibt einiges zu tun. Der Ort, das zeigte die Abstimmung, ist gespalten.

Im Ortsteil Garmisch war die Zustimmung weitaus größer als im Ortsteil Partenkirchen.

Dort sitzen viele Grundstückseigentümer, deren Flächen für Olympia benötigt würden. Diese Problematik bleibt - und wird zumindest bis zum 6. Juli weiter für Gesprächsstoff sorgen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel