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In Garmisch-Partenkirchen hält sich hartnäckiger Protest gegen Olympia 2018 © getty

Die Freude über die gute IOC-Bewertung ist von kurzer Dauer. 63 Grundstücks- besitzer boykottieren die Olympia-Bewerbung.

München/Garmisch-Partenkirchen - Die Freude über die guten Noten vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) währte nur einen Tag:

63 Grundstücksbesitzer aus Garmisch-Partenkirchen sowie ihr Anwalt Ludwig Seitz torpedieren weiter die Bewerbung von München um die Olympischen Spiele 2018.

In einem Schreiben an das IOC wies Seitz abermals daraufhin, dass der für Olympia benötigte "umfangreiche Grundbesitz" seiner 63 Mandanten "definitiv nicht zur Verfügung" stünde.

Für den Fall einer möglichen Enteignung drohte der Anwalt mit dem Gang vor das Bundesverfassungsgericht.

"Grundstücke stehen nicht zur Verfügung"

Seitz warf der Bewerbungsgesellschaft "München 2018" vor, sie habe in den Unterlagen (Bid Book) an das IOC "wahrheitswidrig" von der Funktionsfähigkeit der drei relevanten Garmisch-Partenkirchener Sportstätten Kandahar, Hausberg und Skistadion berichtet.

Betroffen seien in der Tat "12 Grundeigentümer mit 16 Grundstücken im Ausmaß von insgesamt ca. 55.000 Quadratmetern", schreibt Seitz an das IOC:

"Diese Grundstücke stehen definitiv nicht zur Verfügung; die Funktionsfähigkeit der Sportstätten ist damit nicht gegeben." (Machen Sie es wie SPORT1 und Michael Greis: Unterstützen Sie München 2018)

Schwank widerspricht Seitz

Die Behauptungen von Seitz lösten bei der Bewerbungsgesellschaft drei Tage nach dem positiven Bürgerentscheid in Garmisch-Partenkirchen Unverständnis aus.

"Wir brauchen keine Grundstücke von den Mandanten des Herrn Seitz, um damit die Funktionsfähigkeit der Sportstätten abzusichern", sagte Bewerbungschef Bernhard Schwank.

Die sei auch der IOC-Evaluierungskomission, die ihren Bericht am Dienstag vorgelegt hatte, so dargestellt worden, versicherte Schwank.

Er habe keine Bedenken hinsichtlich dieses Themas.

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu München 2018!"]

Eigentümer wehren sich

Seitz betont, der erwähnte Grundbesitz liege "im Kernbereich der drei Sportstätten, innerhalb des durch das IOC geforderten Sicherheitszaunes".

Die übrigen Grundstückseigentümer seien zudem "nicht bereit", ihre Grundstücke für den geplanten Bau oder Ausbau von Straßen, Wegen, Parkplätzen und dergleichen zur Verfügung zu stellen:

"Dies gilt insbesondere für die Anbindung des geplanten Olympischen Dorfes an die drei Sportstätten, unter Zerstörung des Grüngürtels zwischen der Wohnbebauung und dem Gebirgsmassiv."

IOC hat "keine Bedenken"

Schwank versicherte, ungesichert sei derzeit in der Tat nur noch ein Grundstück im Zielbereich der Abfahrtsstrecke Kandahar, um das es bereits vor der alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen im Februar Streit gegeben habe.

"Das ist bekannt", sagte Schwank, "aber da befinden wir uns in Gesprächen." Wasserstandsmeldungen zu den Verhandlungen werde er allerdings nicht abgeben.

DOSB-Präsident Thomas Bach hatte am Dienstag bei der Bekanntgabe des Berichts der Evaluierungskommission versichert, das IOC habe "keine Bedenken auf Grund unserer Alternativplanungen".

"Alternativen scheiden aus"

Am Dienstag hatte die Evaluierungskommission des IOC in ihrem Bericht über die drei Olympiabewerber im Fall der Münchner Grundstücksproblematik erwähnt:

"München 2018 drückte Zuversicht aus, dass eine adäquate Lösung gefunden werden würde." (Garmisch sagt "Ja" zu Olympia 2018)

Diesem Optimismus widerspricht Seitz in seinem Schreiben an das IOC mit Nachdruck:

"Alternative Lösungen scheiden - schon aufgrund der Topografie und der mangelnden Mitwirkungsbereitschaft der benachbarten Grundstückseigentümer - denknotwendig aus."

Seitz droht mit Klage

Seine Mandantschaft sehe sich außerstande, den erforderlichen Grundbesitz zur Verfügung zu stellen, betonte Seitz.

In letzter Konsequenz müssten die für Olympia benötigten Flächen durch den Bundestag oder den Bayerischen Landtag durch ein Olympiagesetz enteignet werden.

"Gegen ein solches Gesetz", kündigt Seitz an, "werden wir Verfassungsbeschwerde zum Bundesverfassungsgericht erheben."

Er sei sich freilich sicher, schrieb Seitz, dass das IOC nicht über "die verfassungsmäßigen Rechte unserer Mandanten" hinwegsehen werde.

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