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Katharina Witt gewann bei den Olympischen Spielen zwei Goldmedaillen im Eiskunstlauf © getty

Bei der Vergabe um Plympia 2018 läuft es auf ein Duell mit Pyeongchang hinaus. Münchens Pfand sind die Strukturen.

Lausanne - Katarina Witt ließ ihren Charme schon am frühen Morgen wieder sprühen.

Am Münchner Informationsstand im noblen Hotel Palace stand das schöne Gesicht der deutschen Bewerbung um die Winterspiele 2018 den IOC-Mitgliedern am Tag nach der glanzvollen deutschen Präsentation in Lausanne gekonnt Rede und Antwort.

Auch Thomas Bach, der die Münchner Chance mehr denn je wittert, befand sich längst wieder in seinem kaum zu übertreffenden Termin-Stress.

"Wir fühlen uns wie Athleten in der Umkleidekabine: Das Training wurde gut gemeistert, wir glauben, dass wir gewinnen können. Aber wir wissen, dass es auch einen Gegner gibt", sagt der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und IOC-Vize mit Blick auf die Wahl der Olympiastadt am 6. Juli in Durban/Südafrika. (Machen Sie es wie SPORT1 und Michael Greis: Unterstützen Sie München 2018)

Zweikampf mit Pyeongchang

München kontra Pyeongchang - das ist längst das knallharte Duell um die Spiele, hochspannend und mit starken Emotionen geführt.

Hier Südkorea, das 2003 und 2007 mit Pyeongchang jeweils am Griff nach den Winterspielen scheiterte. Dort Deutschland, das sich binnen 20 Jahren dreimal vergeblich um Sommerspiele (2) und Winter-Olympia (1) bewarb. (Machen Sie es wie SPORT1 und Magdalena Neuner: Unterstützen Sie München 2018)

Es tritt erstmals wieder mit München an, das 1972 letztmals Spiele in Deutschland präsentierte und 46 Jahre danach zur weltweit ersten Stadt mit Sommer- und Winter-Olympia werden möchte. (Bericht: Streit beigelegt - Bahn frei Olympia)

Richtungsstreit um olympische Bewegung

Das Projekt 2018 wird auch zum Richtungsstreit für die olympische Bewegung.

Thomas Bach sagt, die Wahl der Olympiastädte Sotschi 2014 (Winter) und Rio de Janeiro 2016 (Sommer) sei seinerzeit richtig gewesen. Doch letztlich betritt das IOC dort schwieriges Terrain.

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu M nchen 2018 "]

Mit München steuere die olympische Bewegung, so Bach, in gewachsenen Strukturen wieder in den sicheren Hafen.

Südkorea will "neue Horizonte" eröffnen

Die koreanische Provinzstadt sieht ihren größten Trumpf darin, dass sie in den Augen der rund 102 stimmberechtigten Mitglieder dem Wintersport in Asien "neue Horizonte" (so das Motto der Spiele) und gewaltige Märkte erschließen kann.

In Lausanne verlautbarte Pyeongchang eine 56-Millionen-Euro-Investition zur Förderung des Sportes in Asien. Sie folgt dem auf sieben Jahre verteilten 300-Millionen-Euro-Programm der Regierung für den Sport in Südkorea.

Und die bayerische Metropole kontert damit, dass deutsche Sponsoren den olympischen Wintersport zu 50 Prozent finanzieren - und dieser zu 40 Prozent den Etat des IOC ausmacht.

Sportlicher Erfolg gegen Popularität

Pyeongchang führt ins Feld, dass es nach sechsmal Gold in Südkorea längst sportlichen Stellenwert hat. Deutschland hält dem entgegen, dass sich die Erfolge nur auf ein paar Disziplinen auf dem Eis beziehen, man selbst jedoch seit langer Zeit führend oder mit führend im Wintersport sei.

Südkorea brüstet sich zurecht mit den besten Sportstätten der drei Bewerber, bezieht man das wohl aussichtlose Annecy mit ein. Doch man ahnt längst, dass die Stadien in der Provinz wie bei anderen "Retorten-Spielen" nach den Wettbewerben kaum mit Leben gefüllt sein werden. Was wohl für Veranstaltungen und Zuschauer gleichermaßen gilt.

In Südkorea zieht bislang nur Eiskunstlaufen und Shorttrack die Massen an - aber nicht Biathlon, wie die WM 2009 vor fast menschenleerer Kulisse in Pyeongchang bewies.

Südkoreanische Bevölkerung pro Austragung

Als Gegenbeispiel dient Deutschland bei allen Events - so wie der alpinen Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen. (Garmisch sagt "Ja" zu Olympia 2018)

Nicht zuletzt schmückt sich der koreanische Rivale damit, im Lande über 90 Prozent Zustimmung der Bevölkerung für Olympia zu haben.

Michael Vesper, Aufsichtsratsvorsitzender von München 2018, sagt trocken: "Solche Werte wollen wir in einer Demokratie gar nicht sehen."

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