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Alex Gilady als Fackelläufer Bei Olympia in Peking 2006 © getty

Trotz des Attentats 1972 möchte das isrealische IOC-Mitglied Gilady Olympia in München sehen. Deutschland macht er keine Vorwürfe.

München - Die Story klingt unglaublich: 1972 marschierte Alex Gilady bei der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in München mit Israels Team ins Stadion ein.

Zehn Tage später wurde das Attentat gegen sein Team mit insgesamt 17 Toten auch für den damaligen Vize-Fernsehchef seines Landes zum Trauma.

Wenige Tage vor der Wahl der Olympiastadt 2018 am 6. Juli in Durban/Südafrika sagt IOC-Mitglied Alex Gilady:

"Es ist mein Traum, Israels Team auch bei den Winterspielen in sieben Jahren ins Münchener Olympiastadion zu begleiten."

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Beeindruckende Karriere

Alex Gilady, zur Zeit der Münchner Spiele von 1972 gerade 29 Jahre alt, hat eine außergewöhnliche Karriere hinter sich.

Israels wichtigster Sportfunktionär ist Senior Vize-Präsident des amerikanischen TV-Riesen NBC, der Anfang Juni für die Rechte an den vier kommenden Olympischen Spielen 4,38 Milliarden Dollar an das IOC zahlte.

Er ist Präsident des größten israelischen Fernsehsenders, den er 1993 selbst gründete. Das Knowhow des TV-Experten sicherten sich die Weltverbände Leichtathletik (IAAF) und Basketball (FIBA).

Und exakt 22 Jahre nach dem Olympia-Attentat wurde Alex Gilady am 5. September 1994 ins IOC gewählt - auch für ihn eine wundersame Duplizität.

"Frustrierende Situation"

Diesen Tag vor fast 39 Jahren wird der Israeli nie vergessen. "Ich wohnte bei meinem ersten Olympia im Mediendorf, schräg gegenüber dem Olympischen Dorf. Dann das Unglaubliche, das für mein ganzes Leben ein Trauma bleiben wird."

Als Fernseh-Journalist sah er sich in einer grenzwertigen Situation: "Vom eigentlichen Geschehen hatte ich sehr wenig mitbekommen. Und dann musste ich live nach Hause berichten, hinzu kam, dass viele andere TV-Anstalten uns interviewen wollten. Wir mussten ständig reden über Dinge, ohne wirklich etwas zu wissen - eine aus journalistischer Sicht frustrierende Situation."

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu M nchen 2018 "]

"Es gab keine Alternative"

Am nächsten Tag dann die große Trauerfeier - und die Frage: Soll Olympia abgebrochen werden?

"Ich war ein sehr junger Mann mit sehr wenig Erfahrung. Aber mein Gefühl sagte mir, dass die Worte des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage richtig waren: "The Games must go on."

Olympia ging weiter, auch aus Sicht von Gilady gab es dazu keine Alternative:"Wenn man die Spiele einmal stoppt - wann und wie soll man sie fortsetzen? Es wäre sehr schwer geworden, sie irgendwann weiterzuführen."

Kein Vorwurf an Deutschland

Den deutschen Organisatoren machte Gilady nie den Vorwurf, sie hätten durch zu wenig Sicherheitsvorkehrungen dieses Attentat ermöglicht.

"Sie trugen keine Schuld, in einer friedlichen und fröhlichen Feierstimmung kam ein Unglück über sie, das aller Denken für immer veränderte", sagt Alex Gilady.

Israel mit Sonder-Erlaubnis

Das langjährige IOC-Mitglied berichtet über eine weithin unbekannte Konsequenz aus diesem Attentat:

"Zwei Jahre später erhielt Israels Fernseh-Team bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland die Sondererlaubnis, Pistolen zu tragen."

Keine Zweifel

2018 wäre dies nicht der Weg, um in München, Garmisch-Partenkirchen oder Berchtesgaden die Sicherheit für Israels Sportler zu erhöhen.

Alex Gilady zweifelt nicht, dass die Security der Spiele dann alles Mögliche tun würde, um Sportler, Offizielle und Zuschauer zu schützen.

"Die Sicherheit ist ein Problem unserer modernen Welt. Egal ob in München, Tel Aviv, Jerusalem oder Korea. Überall gibt es Opfer des Terrorismus. Man kann sich nicht ultimativ dagegen schützen."

München wäre fantastisch

München hat trotz des Traumas von 1972 die Sympathien von Alex Giladi (Garmisch sagt "Ja" zu Olympia 2018)

"Es wäre fantastisch, wenn diese schöne Stadt als erste in der Welt nach Sommerspielen auch Winterspiele ausrichten könnte."

Doch er macht deutlich: "Ich werde nicht öffentlich erklären, welchen Kandidaten ich wähle, die Abstimmung ist geheim. München hat eine wundervolle Bewerbung. Aber es gibt drei gute Kandidaten. Pyeongchang, das zum dritten Mal antritt, und Annecy haben auch hart gearbeitet. Wenn der Präsident dann das Ergebnis bekannt gibt, werden wir alle hinter der Olympiastadt stehen."

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