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Verena Bentele (r., mit Katarina Witt) besitzt in ihrer Heimat Tettnang die Ehrenbürgerwürde © getty

Rekord-Paralympionikin Verena Bentele spricht am Tag der Entscheidung vor dem IOC. Bei SPORT1 erklärt sie, wie sie für München kämpft.

Von Daniel Michel

München - Das große Finale steht unmittelbar bevor.

Seit rund zwei Wochen wirbt Verena Bentele gemeinsam mit der Münchner Delegation im südafrikanischen Durban um die Stimmen der IOC-Mitglieder (Bericht) für die Olympischen Winterspiele 2018 in München und Oberbayern.

Die blinde Biathletin, gebürtig aus dem baden-württembergischen Tettnang, ist mit zwölf Goldmedaillen die erfolgreichste deutsche Paralympionikin.

Am Tag der Entscheidung am Mittwoch wird die 29-jährige Wahl-Münchnerin vor dem IOC eine Rede halten.

Zuvor verrät die studierte Literatin und Motivationstrainerin im Interview der Woche mit SPORT1, wie sie im Schlussspurt die IOC-Delegierten von München 2018 überzeugen will, was sie von den Olympia-Gegnern hält und ob sie 2018 selbst noch an den Start gehen wird.

SPORT1: Frau Bentele, mit welchen Erwartungen sind Sie nach Durban gereist?

Verena Bentele: Es wird ein einmaliges Erlebnis für mich - und für alle anderen. Die Chance, Olympische Spiele in sein Heimatland zu holen, hat man wohl nur einmal im Leben. Gemeinsam mit der Münchner Delegation will ich in Durban alles geben, damit die Bewerbung glückt. Ich freue mich auf die Entscheidung des IOC. Ich will nach einigen Jahren harter Arbeit wissen, ob die IOC-Delegierten unsere großen Mühen belohnen.

SPORT1: Annecy, München und Pyeongchang: Alle Kandidaten haben sich bereits öfter den IOC-Delegierten präsentieren können - ist da die Entscheidung bei den Delegierten nicht längst gefallen?

Bentele: Ganz im Gegenteil. Ich bin sicher, wir können in Durban noch einiges tun. Dort ist das komplette IOC versammelt. Mit einer inhaltlich starken Rede und einer emotionalen Präsentation können wir noch weitere Delegierte für München 2018 überzeugen. Ich bin eine Sportlerin, die bis zum Schluss kämpft - und auf der Zielgeraden gibt es nochmal einen richtigen Endspurt.

SPORT1: Sie werden eine kurze Rede vor dem IOC halten. Was werden Sie dem IOC zu vermitteln versuchen?

Bentele: Ich werde in aller Kürze berichten, inwieweit Deutschland ein hochwertiger Gastgeber für paralympischen Sport ist. München bietet top-ausgestattete Sportstätten und eine große Fangemeinde.

Es gibt kein Land, in dem der paralympische Sport so eine große Anerkennung und Begeisterung erfährt. Das ist einzigartig. Die Stadien sind ziemlich voll, wenn meine Kollegen und ich zu einem Wettbewerb in Deutschland antreten. Viele Sportstätten sind bereits barrierefrei eingerichtet, bei den Neubauten wird es Standard sein. Das macht die Spiele für Paralympioniken und Fans, die eine Behinderung haben, deutlich angenehmer.

Zudem können alle Sportler beim kompletten Olympia-Programm dabei sein. München und Oberbayern bieten durch ihre gute Infrastruktur kurze und umweltfreundliche Wege zu den Sportstätten. Die Sportler haben die Chance, die Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie die Siegerehrungen mitzuerleben.

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu München 2018!"]

SPORT1: Gibt der paralympische Aspekt der Bewerbung überhaupt einen Ausschlag für die Entscheidung des IOC?

Bentele: Ich hoffe, er kann einen positiven Impuls setzen. Das Rennen um 2018 ist knapp und Details geben den Ausschlag. Da kann auch die beste Paralympics-Bewerbung helfen, beim IOC zu punkten. (Machen Sie es wie SPORT1 und Magdalena Neuner: Unterstützen Sie München 2018)

SPORT1: In der deutschen Bevölkerung gibt es eine kleinere Gruppe, die bis zum Schluss Störfeuer gegen die Münchner Bewerbung zündet. Auf der anderen Seite sind die politischen und juristischen Entscheidungen gefallen und 78 Prozent der Deutschen befürworten die Bewerbung. Halten Sie die Olympia-Gegner für verbohrt?

Bentele: Wir legen in Deutschland viel Wert auf die freie Meinungsäußerung. Das ist eine große Stärke unseres Landes. Jeder darf seine Meinung haben und sie artikulieren. Es können eben nicht alle einer Meinung sein.

Ich finde es allerdings schade, wenn die Olympia-Gegner nicht erkennen, welche Chancen in der Bewerbung für die Region und das Land stecken: angefangen bei den Unternehmen und Handwerksbetrieben über den Einzelhandel bis hin zu einem Schub für den ganzen Sport und einem Imagegewinn für das Land. (Garmisch sagt "Ja" zu Olympia 2018)

SPORT1: Katarina Witt ist als OK-Chefin das Aushängeschild der Münchner Bewerbung. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit ihr?

Bentele (lacht): Sie ist meine Chefin... Ich finde, Katarina Witt macht einen super Job, wodurch München eine hohe internationale Anerkennung erfährt. Ich schätze sie als Sportlerin und Repräsentantin der Bewerbung sehr. Mir bereitet es viel Freude, wenn wir gemeinsam am Erfolg für München 2018 arbeiten.

SPORT1: Sofern München den Zuschlag erhält - wäre es für Sie ein realistisches Ziel, 2018 noch an den Start zu gehen?

Bentele: Für mich wäre es unglaublich reizvoll, 2018 vor dem eigenen Publikum zu laufen. Es wäre das Highlight meiner Karriere. Meine Familie und meine Freunde konnten mich auf meinen langen Reisen oft nicht begleiten. Für 2018 ist bei mir alles offen. Es hängt von vielen Faktoren ab, die sich jetzt noch nicht absehen lassen.

SPORT1: Bundespräsident Christian Wulff, Ministerpräsident Horst Seehofer oder IOC-Vize Thomas Bach - wissen Sie schon, wer Sie aus der Delegation auf die Bühne begleitet?

Bentele: Das steht wohl noch offen. Wir gehen alle zusammen hinauf, weil wir zusammen gewinnen und verlieren.

SPORT1: Wird München den Zuschlag erhalten?

Bentele: Wir geben alles und natürlich wollen wir unbedingt gewinnen. Wir wissen: Wir haben ein wirklich einzigartiges Konzept. Das würden wir gern realisieren.

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