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Christian Wulff (r.) erhält von Jacques Rogge die Bewerbungsurkunde © getty

Münchens Präsentation lässt die deutsche Delegation in Begeisterungsstürme ausbrechen. Der Konkurrenz fehlt Feuer und Leidenschaft.

München/Durban - Deutliche Worte, große Gefühle, eindrucksvolle Bilder:

München hat im Kampf um die Olympischen Winterspiele 2018 eine sehr bemerkenswerte Schlusspräsentation abgegeben und im Vergleich zu den Konkurrenten Favorit Pyeongchang und Außenseiter Annecy gepunktet

Die Mitbewerber hinterließen über weite Strecken einen leidenschaftslosen Eindruck.

Wenige Stunden vor der Wahl des Gastgebers durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) sprach vor allem Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident im IOC, vor den Damen und Herren der Ringe Klartext.

Bach kritisiert Pyeongchang

Dabei waren im Kongresszentrum im südafrikanischen Durban die Spitzen gegen den großen Favoriten Pyeongchang aus Südkorea nicht zu überhören.

"Es geht nicht darum, wie oft sich jemand beworben hat", betonte Bach vor den Mitgliedern des IOC, "alte Bewerbungen geben nur Antworten auf die Fragen von gestern."

Es gehe um das Hier und Jetzt, "es geht um den Sport von morgen in einer Gesellschaft von morgen".

Wulff ist optimistisch

Pyeongchang hatte sich für 2010 und 2014 vergeblich beworben und in den vergangene Tagen immer wieder darauf verwiesen, dass es seine Lektionen gelernt und alle Vorgaben des IOC erfüllt habe. Zudem versprachen die Südkoreaner, mit Spielen in Pyeongchang werde der Wintersport Zugang zum asiatischen Markt erhalten.

"Es war eine wundervolle Präsentation, sehr emotional und enthusiastisch. Besser kann man es nicht machen. Wir wissen, dass wir hier das Blatt wenden müssen, und ich bin sehr optimistisch, dass wir alles getan haben, damit das am Ende auch gelingt", sagte Bundespräsident Christian Wulff nach der 45-minütigen Aufführung.

Langatmig und ohne Feuer

Die koreanischen wiesen in ihren langatmigen Reden hingegen ein weiteres Mal auf die Vorzüge von Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hin und schienen beinahe darum zu betteln.

Frankreichs Premierminister Francois Fillon verwies vor den Mitgliedern, Annecy stehe für die traditionellen olympischen Werte wie Respekt und Freundschaft und werde das Olympische Feuer am Brennen halten.

Erst der seit Januar amtierende Bewerbungschef Charles Beigbeder versprühte im internationalen Kongresszentrum Leidenschaft. "Es werden authentische Spiele im Herzen der Berge werden", sagte der 46-Jährige: "Wir werden eine großartige Party veranstalten."

Pyeongchang "ist jetzt bereit"

Pyeongchangs Bewerbungschef Cho Yang-ho wiederholte vor den IOC-Mitgliedern, Pyeongchang habe seit dem Scheitern seiner ersten Bewerbung für die Spiele 2010 zugehört und gelernt und wisse nun, was für den Wintersport, die Wintersportler und die Olympische Bewegung das Beste sei.

"Wir sind jetzt wirklich bereit", sagte Cho.

Cho nannte fünf Argumente, die für Pyeongchang sprächen. Keine Bewerbung biete einen kompakteren und effizienteren Plan für die Sportler, hinzu kämen die volle Unterstützung der Regierung und die leidenschaftliche Unterstützung der Bevölkerung.

Darüber hinaus sei Pyeongchang seit mehr als zehn Jahren seinen Verpflichtungen gegenüber der olympischen Bewegung nachgekommen, Winterspiele in Südkorea wären zudem erst die dritten in Asien.

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu München 2018!"]

"Mit dem Schlitten aufgewachsen"

Bundespräsident Wulff stellte hingegen die Verbundenheit Deutschlands mit dem Wintersport heraus."Jedes Kind in Deutschland wächst mit einem Schlitten auf", Wintersport sei in Deutschland Volkssport, Deutschland ein weltoffenes, freundliches Land.

Dafür, das sagte er auf Nachfrage der Eissport-Weltverbandspräsidenten Ottavio Cinquanta (Italien), stehe er persönliche gerade.

"Die olympische Marke vergolden"

In weiteren Bemerkungen konterte der gut aufgelegte Bach die Visionen von Pyeongchangs "Neuen Horizonten" geschickt aus.

So verwies der IOC-Vize darauf, dass München mit seiner "magischen Atmosphäre" auch den Sponsoren und Fernsehanstalten eine Plattform biete, die der olympischen Bewegung weltweit und "nicht nur in einer Region" weiterhelfen würden.

"München 2018" werde die "olympische Marke vergolden", versicherte Bach, und immer wieder flocht er ein, dass die deutsche Bewerbung weltweit ausstrahlen werde, dass sie gut sei für die gesamte olympische Bewegung, nicht nur für die Winter-, sondern auch für die Sommersportarten.

Witt versprüht Leidenschaft

Während Bach die Eröffnungs- und die Schlussansprache hielt und den Mitgliedern des IOC erläuterte, auf alle ihre Fragen könne München mit "dem schlichten und starken Wort Ja" antworten, führte Katarina Witt durch die 45 Minuten dauernde Abschlusspräsentation.

Die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von 1984 und 1988 stand in einem schwarzen Kleid und mit hochgesteckten Haaren auf der Bühne, sie war gewohnt charmant, lächelte gewinnbringend und versprühte Leidenschaft.

Unterbrochen wurde ihre Präsentation durch einen Jodler des 77 Jahre alten Willy Rehm.

"Sie werden sich verlieben"

Ansonsten sagte die deutsche Delegation, was die Mitglieder des IOC hören wollten. Aber sie taten es mit großer Überzeugung und Leidenschaft. Christian Ude, Oberbürgermeister von München, prophezeite: "Sie werden sich in diese Stadt verlieben."

Bernhard Schwank, Geschäftsführer von "München 2018", wies noch einmal darauf hin, dass immerhin 40 Prozent der Einnahmen des IOC aus dem Wintersport stammten - und 50 Prozent der Sponsorengelder im Wintersport von deutschen Unternehmen kämen.

Der Wintersport werde deshalb auch dauerhaft von Olympia in München profitieren.

"Wir sehen uns in München"

Einen sehr beeindruckenden Auftritt hatte die zwölfmalige Paralympics-Siegerin Verena Bentele.

Die blinde Langläuferin und Biathletin sagte: "Ich kann nicht sehen, was sie gesehen haben, aber ich kann ihre Begeisterung spüren", später schloss sie mit den Worten: "Wir sehen uns in München."

Lacher durch Koreas NOK-Präsident

Einen der wenigen starken emotionalen Auftritte hatte alleine der gebürtige südkoreanische Ski-Freestyler Toby Dawson, Bronzemedaillengewinner auf der Buckelpiste 2006 in Turin.

Er war im Alter von drei Jahren von einem Ehepaar aus den USA adoptiert und danach zum Wintersport gebracht worden. Über seine wachsende Popularität war später sein verschollen geglaubter leiblicher Vater auf ihn aufmerksam geworden.

Für ein wenig Erheiterung sorgte der südkoreanische NOK-Präsident Park Young-sun. An IOC-Mitglied Fürst Albert von Monaco gerichtet sagte er: "Es tut mir leid, dass sie sich in ihren Flitterwochen zum dritten Mal die Präsentation von Pyeongchang anschauen müssen." Er ergänzte, er werde dies 2018 in Pyeongchang wiedergutmachen.

Sommertraum als Auftakt

Die Münchner Delegation war nach eigenen Präsentation guten Mutes.

Franz Beckenbauer, der auf den Tag genau elf Jahre zuvor die Fußball-WM 2006 nach Deutschland geholt hatte, merkte an, "der sogenannte Sommertraum" sei "eine nette kleine Party gewesen", nun wolle er das IOC zu einem "Wintertraum 2018" einladen, bei dem die "Begeisterung der Menschen die gleiche sein wird".

"Unsere Präsentation ist gut angekommen", betonte auch Bach, "die Aufmerksamkeit im Saal hat nie nachgelassen. Zeichen aus dem Saal haben uns während der Präsentation immer wieder ermutigt, ich glaube, die Emotionen sind perfekt rübergekommen."

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