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Enttäuschung bei Bach (l.) und Witt (r.): Die Winterspiele 2018 finden nicht in Bayern statt. © getty

Selbst der "Kaiser" konnte nicht mehr helfen. Die Entscheidung ist gefallen: Gleich im ersten Wahlgang setzen sich die Koreaner durch.

Durban- - Nur Blech statt Gold: München ist mit seiner Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 klar gescheitert.

Die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entschieden sich bei ihrer Wahl des Gastgebers eindeutig und bereits im ersten Wahlgang für das südkoreanische Pyeongchang.

"Klar, dass man jetzt sehr enttäuscht ist", sagte die völlig aufgelöste Katarina Witt mit Tränen in den Augen. Sie hatte sich als Gesicht von "München 2018" in den vergangenen Monaten gewaltig ins Zeug gelegt. (Die Reaktionen auf die Olympia-Pleite)

"Aber wahrscheinlich ist die Entscheidung ja wirklich schon vorher gefallen, und wir haben es einfach nicht mehr rumreißen können. Im Moment fehlen mir einfach ein bisschen die Worte", fügte sie hinzu.

"Da waren mehr Rennfahrer als Zuschauer"

Im Milliardenpoker um Olympische Spiele fiel Deutschland schon zum vierten Mal seit den Sommerspielen 1972 durch. Der damalige Gastgeber München wurde um die historische Chance gebracht, als erste Stadt nach den Sommerspielen auch Winterspiele auszurichten.

Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Stadt einen erneuten Anlauf unternimmt. "Das Wichtigste ist jetzt, wieder aufzustehen und den nächsten Schritt Richtung 2022 machen", sagte Ski-Rennläufer Felix Neureuther, der ansonsten aus seiner Enttäuschung keinen Hehl machte:

"Es ist schade, dass der Eindruck entstanden ist, dass Pyeongchang die Spiele bekommen hat, weil es sich zum dritten Mal beworben hat. Ich bin da ein Weltcup-Rennen gefahren, da waren mehr Rennfahrer als Zuschauer."

63 von 95 Stimmen für die Südkoreaner

Es war 17.18 Uhr im Kongresszentrum von Durban, als IOC-Präsident Jacques Rogge das kaum noch überraschende Votum von 95 wahlberechtigten Mitgliedern bekannt gab. Als kurz vor 16.00 Uhr bekannt wurde, dass ein Sieger schon nach dem ersten Wahlgang feststand, war klar: Es konnte nur Pyeongchang sein.

Die Südkoreaner betraten den großen Saal zur Verkündung bereits mit Schals und Fähnchen, die Delegation von München blickte ernst. Das Resultat war eindeutig und am Ende dann doch eine deutliche Niederlage für München: 25 Stimmen erhielt die bayerische Landshauptstadt, 63 Pyeongchang, 7 das chancenlose Annecy. (EINWURF: Ja zu Geld und Tränendrüse)

"Wir gratulieren Pyeongchang", sagte Bundespräsident Christian Wulff, der bei der Abschlusspräsentation am Mittwochmorgen in Durban selbst für München geworben hatte: "Wir wussten, dass es sehr schwer werden würde. Ich danke allen, die sich mit so viel Enthusiasmus für die Bewerbung eingesetzt haben." Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ergänzte: "Natürlich bin ich traurig, dass die Entscheidung nicht zu unseren Gunsten ausgefallen ist."

Deutsche Bewerbung scheitert erneut

Die XXIII. Olympischen Winterspiele sollen vom 9. bis 25. Februar 2018 stattfinden, gefolgt von den XII. Paralympics (9. bis 18. März). Deutschland ist wieder nur Zuschauer.

Vor und nach den Spielen 1972 in München hatten sich auch Garmisch-Partenkirchen (Winter 1960), Berchtesgaden (Winter 1992), Berlin (Sommer 2000) und Leipzig (2012) bemüht - sie waren von den Mitgliedern des IOC zum Teil schon fast ignoriert worden. Neben München 1972 hatten bislang nur Garmisch-Partenkirchen (Winter 1936) und Berlin (Sommer 1936) Olympische Spiele in Deutschland ausgerichtet.

Um das vor Monaten noch schier Unmögliche möglich zu machen, hatte "München 2018" wenige Stunden vor der Wahl noch einmal alle Register gezogen. Bei der Schlusspräsentation gab es deutliche Worte, große Gefühle, bewegende Bilder sowie eine charmante und leidenschaftlich argumentierende Witt.

"Es geht nicht darum, wie oft man sich beworben hat"

Aber das Blatt war nicht mehr zu wenden. Auch die deutlichen Worte von DOSB-Präsident und IOC-Vize Thomas Bach halfen nicht. "Es geht nicht darum, wie oft sich jemand beworben hat", betonte er mit einem Seitenhieb auf die zwei gescheiterten Bewerbungen von Pyeongchang. Einen faden Beigeschmack rief und ruft der Umstand hervor, dass Pyeongchangs Unterstützer Samsung auch ein Hauptsponsor des IOC ist.

Unerschlossener Wintersport-Markt

Die Spiele in Pyeongchang werden die dritten Winterspiele in Asien sein. Zuvor waren zwei Mal die Japaner Gastgeber gewesen, 1972 in Sapporo und 1998 in Nagano. Südkorea empfängt die Jugend der Welt zum zweiten Mal nach 1988, damals war die Hauptstadt Seoul Schauplatz der Sommerspiele.

Inklusive der Sommerspiele 1964 in Tokio, das für 2016 scheiterte und sich für 2020 erneut bewerben will, und 2008 in Peking geht die Flagge mit den fünf Ringen zum sechsten Mal nach Asien - ein weitgehend unerschlossener Wintersport-Markt, mit dem Pyeongchang in der Bewerbungsphase mehr oder weniger offen geworben hatte.

Gegen die Vision von Spielen der "Neuen Horizonte" hatte München mit Emotionen angekämpft. Bach versprach Romantik und Gefühle, nicht nur Reibach und Geld, er wollte seine Kollegen im IOC überzeugen, dass Olympia nach den riskant erscheinenden Vergaben an das russische Sotschi (Winter 2014) und die brasilianische Metropole Rio de Janeiro (Sommer 2016) eine kurze Pause brauche, einen "sicheren Hafen". Er ist gescheitert, unklar ist, welche Auswirkungen dies auf seine mögliche Kandidatur um die Rogge-Nachfolge 2013 hat.

Bewerbung hinterlässt finanzielle Lücke

Und München? Oberbürgermeister Ude hat die Frage nach eine erneuten Kandidatur im Falle einer Niederlage bisher von sich geschoben, eine Wiederholung der Bemühungen aber auch nicht ausgeschlossen. Er selbst könnte als OB nicht mehr darum kämpfen, 2014 kann der 65-Jährige aus Altersgründen nicht mehr wiedergewählt werden.

Zunächst aber wird die bayerische Landeshauptstadt ihre Wunden lecken müssen. 33 Millionen Euro kostete die Bewerbung, am Ende fehlten aber immer noch etwa 6,5 Millionen Euro aus der Privatwirtschaft. Die Lücke wird wohl die öffentliche Hand schließen müssen.

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