IOC setzt auf neue Märkte und gibt Südkorea den Zuschlag. Bei aller Enttäuschung muss auch München die Bewerbung hinterfragen.

"Wahrscheinlich ist die Entscheidung schon vorher gefallen", vermutete Kati Witt, nachdem der Entschluss des IOC feststand. Pyeongchang wird die Winterspiele 2018 ausrichten.

Die gelungene Präsentation, das Star-Aufgebot mit "Kaiser" Franz Beckenbauer an der Spitze - alles war nichts wert gewesen.

Weil das IOC schon lange vor dem D-Day in Durban eine Grundsatzentscheidung getroffen hatte (Bericht: Witt weint: Winterspiele 2018 in Pyeongchang).

Eine Entscheidung für neue Märkte, die dem Wintersport erschlossen werden sollen.

In der asiatischen Region vermutet der Verband hier viel Potenzial - und neue Geldquellen.

Ob dort allerdings auch olympisches Flair mit großen Fan-Anlauf herrschen wird? Der deutsche Skirennläufer Felix Neureuther berichtet von einem Weltcup-Rennen in Pyeongchang, bei dem es nach seinen Worten "mehr Rennfahrer als Zuschauer" gab.

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Dem hätte München zusammen mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee traditionelle Wintersport-Orte entgegengesetzt, wo es nicht schwer ist, Begeisterung zu entfachen, wie beispielsweise die gut besuchte Alpine Ski-WM in Garmisch und die Biathlon-Weltcuprennen in der Vergangenheit zeigten.

Dazu versuchte es Pyeongchang mit dem Mitleidsfaktor und betonte immer wieder, dass es sich schon zwei Mal erfolglos um die Winterspiele beworben hatte - und diesmal ganz einfach dran wäre. "Ihr Hauptargument war die Tränendrüse", spottete Beckenbauer nach der Präsentation der Koreaner.

Und selbst dieses Argument war nicht absolut stichhaltig. Denn Deutschland hatte sich seit 1972 mit Berlin, Leipzig und dem Königssee schon dreimal umsonst um Olympische Spiele beworben.

Wenn die Entscheidung wohl sowieso schon lange feststand, stellt man sich zwei Fragen.

Erstens: Hat München überhaupt etwas falsch gemacht? Die Antwort lautet: Ja. Die Bewerbung brauchte viel zu lange, um in die Gänge zu kommen (426842DIASHOW: Olympia-Pleite haut den stärksten Bayer um).

Erst mussten interne Streitigkeiten und finanzielle Probleme überwunden werden. Und über den gesamten Bewerbungszeitraum kämpfte man gegen Widerstände der Bevölkerung.

Spät gelang es dem unermüdlichen Trio Thomas Bach, Kati Witt und Bernhard Schwank, eine breite Basis im deutschen Sport hinter die Bewerbung zu bringen.

Die Außendarstellung war in den letzten Monaten vor Durban stark - nicht nur wegen des Lächelns von Kati Witt (Verena Bentele: "Ein einzigartiges Konzept").

Doch diese positive Stimmung hätte es von Anfang an gebraucht, nur dann wären die in ihrer Meinung festgezurrten IOC-Mitglieder wohl noch umzustimmen gewesen.

Die zweite Frage, die sich stellt: Wenn die Niederlage vorhersehbar war, hätte man sich dann wirklich in das Abenteuer Olympia-Bewerbung stürzen müssen?

Der Bewerbungs-Marathon hat auch einiges an Schaden angerichtet, Personal verschlissen und 30 Millionen Euro verschlungen.

Bewerbungs-Chef Willy Bogner musste aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen wurde in Olympia-Gegner und Befürworter entzweit.

Dennoch hat die Bewerbung auch positive Entwicklungen angestoßen. In den Wintersport-Verbänden hielt perspektivisches Denken Einzug, die notwendige Modernisierung von Sportstätten wurde in Angriff genommen.

Nun ist es wichtig, dass die zuletzt propagierten "olympischen" Ideen der Nachhaltigkeit und des gemeinsamen Ziehens an einem Strang im deutschen Wintersport weitergeführt werden.

Egal, ob man sich für eine erneute Bewerbung 2022 entscheidet.

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