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Olympia findet zum zweiten Mal nach Seoul 1988 in Südkorea statt © getty

Südkorea freut sich auf die Winterspiele 2018. Die Welt steht der Vergabe kritisch gegenüber. Die Pressestimmen im Überblick.

München - München ist mit seiner Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 gescheitert. Stattdessen werden die Wettkämpfe in sechseinhalb Jahren im südkoreanischen Pyeongchang ausgetragen. (Bericht)

Während die deutschen Zeitungen die Niederlage Münchens eingestehen und sie zugleich als Anstoß für notwendige Veränderungen in künftigen Bewerbungsverfahren betrachten, reagieren die koreanischen Zeitungen euphorisch.

"Pyeongchang hat endlich die Göttin des Sieges geküsst" titelte "Dong-A Ilbo". "Hankook Ilbo" schreibt in Anlehnung an das Motto der Bewerbung von der "Öffnung eines neuen Horizonts in der Sportgeschichte Asiens".

Eine Auswahl der nationalen und internationalen Pressestimmen:

Deutschland

FAZ: "Das IOC sagt nein zu Deutschland. Gegen die koreanische Großoffensive gab es kein Mittel. Pyeongchang hat die Olympischen Spiele nicht den Konkurrenten aus München und Annecy weggekauft. Die koreanische Stadt hat eine glänzende Bewerbung auf die Beine gestellt, die in drei Anläufen gereift ist und perfektioniert wurde."

Frankfurter Rundschau: "Im Scheitern von München liegt die Chance zur Erkenntnis, dass ein Wandel nötig ist. Es braucht eine breite Bewegung von unten, um die Idee Pierre de Coubertins jenen zu entreißen, für die Olympische Spiele nichts weiter sind als die perfekte Projektionsfläche zur Verfolgung politischer und ökonomischer Interessen."

Süddeutsche Zeitung: "Es war eine Entscheidung zwischen der großen Tradition, die sich mit Olympia verbindet - und dem großen Geschäft, das Olympia inzwischen ist. Es war eine Entscheidung zwischen der alten und der neuen Welt des Sports, zwischen zwei Städten, die gegensätzlicher kaum sein können. (...) Das IOC hat sich für das Geschäft entschieden, für die vielen Milliarden, die in Asien, diesem noch nicht ganz so reifen Wintersport-Markt, zu verdienen sind. Und das ist enttäuschend: für München, aber auch für die Idee der olympischen Bewegung."

Münchner Merkur: "Ein Wintertraum hätte es werden sollen, wie es der als olympischer Glücksbringer flugs aus dem Hut gezauberte Franz Beckenbauer vermerkte. Doch am Ende trug das Votum der Olympier mehr die Züge eines oberbayerischen Albtraums."

tz (München): "Im Sport ist der zweite Sieger auch der erste Verlierer. Deshalb treten die Mitglieder der deutschen Delegation die Heimreise mit Tränen im Gepäck an. (...) Umsonst war die Erfahrung allerdings nicht. München hat viel investieren müssen, aber auch einiges zurückbekommen. So könnte die Niederlage zum Meilenstein eines Comebacks werden. Nämlich bei der Vergabe der Winterspiele von 2022. "

Südkorea

Chosun Ilbo: "Weltweit werden die Menschen ein neues Bild von Südkorea gewinnen als eines der dynamischsten Länder der Welt und nicht nur als ein seltsames, durch den Koreakrieg erschüttertes Land. Durch die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele in sieben Jahren wird das Land der Welt zeigen können, dass es mehr kann als Handys, Schiffe und Autos zu bauen."

Dong-A Ilbo: "Pyeongchang hat endlich die Göttin des Sieges geküsst. In den kommenden sieben Jahren muss die Kraft und Energie der gesamten Nation in das Projekt gesteckt werden."

Maeil Business Newspaper: "Ein Traum ist wahr geworden. Es ist eine solch große Ehre für ein so kleines asiatisches Land. Jetzt sollten wir beginnen, Hochgeschwindigkeitszüge, Autobahnen und andere Transportnetze aufzubauen."

Hankook Ilbo: "Die Entscheidung hat einen neuen Horizont in der Sportgeschichte Asiens geöffnet, einem Kontinent, der im Wintersport immer ein Außenseiter war. 2018 sollten wir bei den Olympischen Spielen unsere gesamte Stärke zeigen."

Frankreich

L'Equipe: "Es ist keine Überraschung, dass das IOC Annecy nicht gewählt hat. Neben den Vorteilen der Präsentation hat Pyeonchang von der Tradition der Vergabe der Olympischen Spiele profitiert, nach der die Kontinente alternierend als Ausrichter fungieren. Nach dieser vernichtenden Niederlage müssen wir uns trösten, so gut wir können."

Le Monde: "Sehr, sehr kalte Dusche für Annecy. Sieben Stimmen sind ja fast zweimal weniger als die schlechtesten Prognosen. Es ist ein persönliches Scheitern der Verantwortlichen des Projekts."

Le Figaro: "Es gab kein Wunder in Annecy, aber es ist alles andere als eine Überraschung. Für Pyeongchang ist es eine Belohnung für die dritte Bewerbung in Folge. Annecy zahlt wohl den Preis für die Verzögerungen zu Beginn der Bewerbung und die weit verstreuten Wettkampfstätten."

Italien

Gazzetta dello Sport: "Asien siegt. Der Wind des Sports weht nach Osten. Pyeongchang vernichtet den Stolz der Münchner und der Franzosen. Pyeongchang war von Anfang an Favorit, doch die Münchner hatten alles daran gesetzt, Pyeongchang ein weiteres Mal zu besiegen. Die Deutschen und die Franzosen verteidigen sich und behaupten, dass die 100 Millionen Euro, die Pyeongchang für die Olympia-Kampagne ausgegeben hat, nur zu diesem Resultat führen konnte."

USA

Washington Post: "Pyeongchang hat München und Annecy lautstark besiegt. Die Stadt hat von der Unterstützung von Samsung und der Regierung sowie von ihrer Hartnäckigkeit profitiert."

England

The Times: "Aller guten Dinge für Pyeongchang sind drei. Das Land sicherte sich den 'Grand Slam' der wichtigsten Sport-Events. Dazu gehören die Sommerspiele 1988 in Seoul, die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 und die Leichtathletik-WM im kommenden Monat in Daegu."

Schweiz

Blick: "Das IOC stürzt sich nach Sotschi 2014 mit Pyeongchang in ein weiteres exotisches Abenteuer. Es ist jetzt mit einer weiteren Münchner Kandidatur zu rechnen, womit die Schweiz starke Konkurrenz erhält."

Österreich

Salzburger Nachrichten: "Das höchste Budget hat den Ausschlag gegen München und gegen Annecy gegeben. Für das IOC war es in Durban eine richtungweisende Wahl. Entscheidet man sich für Gigantismus oder für die Rückkehr zu einfacheren Spielen? Die Antwort gab es im ersten Wahlgang klar und deutlich: Die Moderne (Milliarden) besiegte die Tradition. Lange Gesichter in München und Annecy."

Österreich: "Wieder Skandal: Korea kauft sich Winter-Olympiade 2018. München und Annecy ausgebremst. Geld spielt keine Rolle in Südkorea. Auch wenn Bewerbungschef Cho Yang-ho jubiliert, ein Beigeschmack bleibt."

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