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Er könnte von der eigenen Schlappe profitieren: IOC-Vizepräsident Thomas Bach. © getty

Die Vergabe der Winterspiele 2018 an Pyeongchang könnte den DOSB-Präsidenten in zwei Jahren zum Nachfolger von Jacques Rogge machen.

Durban - Thomas Bach wirkte am Morgen nach dem Münchner K.o. von Durban noch immer wie ein angeschlagener Boxer (Fassungslosigkeit nach Münchens Waterloo).

"Unser Bid Book ist zu Staub zerfallen. Die Enttäuschung ist da, man steckt sie nicht so leicht weg", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, der am Vorabend im "Deutschen Haus" von Durban mit immer wieder stockender Stimme und Tränen in den Augen eine sehr emotionale Rede gehalten hatte (Die Reaktionen auf die Olympia-Pleite).

Doch mitten im Frust gab es am nächsten Morgen Ermunterung: "Viele Kollegen sind auf mich zugekommen, haben mir Mut zugesprochen und mir die logische Erklärung für ihr Votum zu Gunsten von Pyeongchang gegeben", sagt Thomas Bach.

Bach fühlt sich im Stich gelassen

Er hatte sich irgendwie von ihnen im Stich gelassen gefühlt, nachdem so viele zugesagt hatten, sie würden ihm im ersten Wahlgang helfen.

Während der IOC-Vizepräsident noch darüber sinnierte, "welches Gute das Schlechte haben könnte", lieferten IOC-Kollegen schon die mögliche Antwort.

"Das klare Votum gegen München war getragen von der Überzeugung vieler, dass die Koreaner nach zwei gescheiterten Bewerbungen einfach dran waren", sagte Rene Fasel, Präsident des Eishockey-Weltverbandes IIHF:

"Was in Durban passiert ist, könnte Thomas Bach helfen, wenn er 2013 Nachfolger von Jacques Rogge als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees werden will. Etliche denken: wir haben dich mit München hängen lassen. Das machen wir jetzt wieder gut." (EINWURF: Ja zu Geld und Tränendrüse)

Kollegen sehen Bach 2013 vorne

Nicht nur Gian-Franco Kasper, ebenfalls aus der Schweiz kommender Präsident des Ski-Weltverbandes FIS, sieht das ganz ähnlich: "Das könnte Thomas in zwei Jahren zu Gute kommen."

Waleri Borsow (Ukraine), 100- und 200-m-Olympiasieger von München 1972: "Dieser Effekt könnte tatsächlich eintreten." Gerhard Heiberg, Marketing-Chef des IOC und Organisator der Winterspiele 1994 in Lillehammer/Norwegen:

"Einige haben sicher das Gefühl, dass da noch was auszugleichen ist." Und asisatische IOC-Mitglieder hatten schon zuvor gesagt: "München können wir nicht wählen - aber 2013 Thomas Bach."

Der IOC-Vizepräsident hält sich bedeckt

Auch in der Stunde des Fehlschlags, den Bach nicht als persönliche Niederlage sieht ("Es war eine Abstimmung über einen Olympia-Gastgeber, nicht über eine Person"), hält sich der 57 Jahre alte Wirtschaftsanwalt hinsichtlich möglicher Ambitionen auf die Rogge-Nachfolge bedeckt.

Auf die Frage, ob die Entscheidung von Durban seine persönliche Perspektive verändere, sagte Bach: "Da es eine solche Planung nicht gibt, kann sie auch nicht beeinträchtigt werden. Ich habe immer gesagt, dass es nicht die Zeit ist, über diese Frage zu entscheiden und nachzudenken, und das hat sich auch nicht geändert."

"Grundsatz- oder Richtungsentscheidung?"

Was Bach aktuell mehr tangiert, ist eine andere Frage: "Die Wahl von Pyeongchang war eine Abstimmung, die von der Entschlossenheit, in neue Märkte zu gehen, und Mitleid zugleich gepaart war. Wir müssen nun sorgfältig analysieren, ob es eine Grundsatz-Entscheidung oder eine Richtungsentscheidung war 426842(DIASHOW: Olympia-Pleite haut den stärksten Bayer um).

Wenn es sich um eine Grundsatzentscheidung für das Jahr 2018 handelt, könnte dies neue Türen öffnen. Wenn es eine Richtungsentscheidund war, die darauf schließen lässt, dass auch in Zukunft neue Märkte gefragt sind, wird es schwieriger."

Auch Thomas Bach wird sich fragen, ob er die Signale der IOC-Kollegen, dass Pyeongchang nun einfach dran sei, nicht zu sehr überhört hat. Doch es gab keine Alternative dazu, das Projekt München 2018 voll anzugehen: "Als wir uns zur Bewerbung entschieden, sah es eher so aus, dass Pyeongchang nicht mehr antreten würde."

Nun will Bach prüfen, "wie der Wettbewerb 2022 ist", und wie die sportlichen und politischen Ebenen im Lande sich zu einem erneuten Anlauf stellen: "Schon nach meiner Rückkehr nächste Woche wird es Gespräche geben, um die Analyse nach vorn zu treiben."

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