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Die Amtszeit von Jacques Rogge als Präsident des IOC endet 2013 © getty

Der Belgier will sich an den Spekulationen über die Neubesetzung seines Postens nicht beteiligen. Bach trifft auf starke Konkurrenz.

München - Zwei Jahre vor dem Ende seiner Amtszeit sieht Jacques Rogge ein halbes Dutzend potenzielle Kandidaten für seine Position als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

"So viele IOC-Mitglieder haben das Profil für dieses Amt. Ich werde das mit Vergnügen aus der ersten Reihe verfolgen, aber mich nicht einmischen. Wir werden sehen, wer 2013 auch den Willen hat, zu kandidieren", sagte der Belgier beim Abschluss der 123. IOC-Session im südafrikanischen Durban.

Rogge bezeichnete die Aufnahme von 12 neuen Wettbewerben in das Programm für Winter-Olympia 2014 in Sotschi (98 Entscheidungen) als wichtigsten Beschluss nach der Wahl von Pyeongchang zur Olympiastadt für die Winterspiele 2018 (EINWURF: Ja zu Geld und Tränendrüse).

"Südkorea wurde im dritten Anlauf für seine Geduld belohnt. Erst hatte es eine nicht so gute Bewerbung, dann eine etwas bessere. Zuletzt eine wirklich gute. Aber alle drei Kandidaten hätten hervorragende Spiele ausrichten können", sagte Rogge auch an die Adresse von München, das nur 25 Stimmen der 95 Stimmen erhalten hatte.

Pyeongchang siegte mit 63 Stimmen, den französischen Außenseiter Annecy wählten nur sieben Delegierte ("Kaiser": "Europäer haben München verraten") .

Signal in Richtung Doping

Als "guten Schritt" bezeichnete IOC-Vize Thomas Bach, einer der seit längerem gehandelten Kandidaten auf die Rogge-Nachfolge, die für Olympia 2012 in London gefassten Beschlüsse im Bereich Doping: "Wir senden einen Appell an Mediziner und Mannschaftsleitungen, dass Spritzen und Infusionen nur dann angewendet werden, wenn es medizinisch notwendig ist. Sie müssen im Giftschrank bleiben, auf den nur der Arzt Zugriff hat."

Es gebe Wege, möglichen Missbrauch aufzuklären. Dann drohten Ärzten und Mannschaftsleitern Sanktionen bis hin zum Ausschluss von den Spielen, sagte Bach.

Athleten würden wegen Verstoßes gegen die Anti-Doping-Bestimmungen bestraft. Diese sehen Sperren bis zu zwei Jahren vor.

Mindestens fünf potenzielle Rogge-Nachfolger

Als mögliche Rogge-Nachfolger für die Wahl bei der 125. IOC-Session im September 2013 in Buenos Aires sind mindestens fünf Namen im Spiel, aber sie werden sich kaum vor der 124. Session 2012 bei Olympia in London öffentlich outen.

Thomas Bach hatte am Donnerstag auf die Frage, ob die für ihn schmerzhafte Niederlage von München im Wettstreit um die Winterspiele 2018 Einfluss auf seine Pläne habe, gesagt:

"Da es eine solche Planung nicht gibt, kann sie auch nicht beeinträchtigt werden. Ich habe immer gesagt, dass es nicht die Zeit ist, über diese Frage zu entscheiden und nachzudenken, das hat sich nicht geändert." (Fassungslosigkeit nach Münchens Waterloo)

Kollegen setzen auf Bach

Etliche IOC-Mitglieder gehen nach Durban sogar davon aus, dass die Münchner Abstimmungs-Niederlage vorteilhaft für Bachs mögliche Ambitionen sein könnte.

Rene Fasel, Präsident des Eishockey-Weltverbandes IIHF, sagte es deutlicher als andere: "Was in Durban passiert ist, könnte Thomas Bach helfen, wenn er 2013 Nachfolger von Jacques Rogge werden will. Etliche denken dann: Wir haben dich vor zwei Jahren mit München hängen lassen. Das machen wir jetzt wieder gut."

Bach ist nicht der einzige mögliche Rogge-Nachfolger aus dem Kreis der vier IOC-Vizepräsidenten. Auch Ng Ser Miang (Singapur/62) scheint gute Karten zu haben. Hinzu kommen drei weitere Mitglieder der inklusive Präsident 16-köpfigen Exekutive:

Eine Frau im Kandidatenkreis

Der hoch gehandelte IOC-Finanzchef Richard Carrion (Puerto Rico/58), Denis Oswald (Schweiz/64), Präsident des Ruder-Weltverbandes FIGH, und als einzige Frau Nawal El Moutawakel, Marokkos 400-m-Hürden-Olympiasiegerin von Los Angeles 1984.

Genannt wird auch Sergej Bubka (Ukraine), der zusätzlich in der Präsidentschafts-Nachfolge im Leichtathletik-Weltverband IAAF ambitionierte Stabhochsprung-Weltrekordler.

Moutawakel wäre die erste Frau auf dem IOC-Chefsessel. In der 15-köpfigen Exekutive sind seit Durban erstmals zwei weibliche Mitglieder vertreten.

Die Schwedin Gunilla Lindberg, Chefin der Evaluierungskommission für Winter-Olympia 2018, kehrt zurück und folgt Gerhard Heiberg (Norwegen). Der bisherige Chef der Marketing-Kommission und Olympia-Organisator der Winterspiele 1994 in Lillehammer wird noch zwei Jahre IOC-Mitglied sein.

Weniger IOC-Mitglieder

Sechs andere scheiden Ende 2011 aus und verkleinern den Kreis der IOC-Mitglieder auf 107. In Durban wuchs er vorübergehend auf 113 an durch die Aufnahme von Jose Perurena Lopez (Spanien), Gerardo Werthein (Argentinien) und Barbara Kendall (Neuseeland).

Neben Thomas Bach bleibt auch Claudia Bokel weiter im IOC. Ehrenmitglied ohne Stimmrecht ist Walther Tröger.

Verabschiedet durch Jacques Rogge wurde in Durban der an Parkinson erkrankte IOC-Generaldirektor Urs Lacotte (Schweiz/58), der von 2003 bis März 2011 die rechte Hand des Präsidenten war. Nachfolger von Lacotte ist seit April Rogges belgischer Landsmann Christophe de Kepper.

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