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Jesse Owens war 1936 der erste Athlet, der bei den olympischen Spielen vier Mal Gold holte © getty

Bei der "Nazi-Olympiade" vor 75 Jahren in Berlin stellte der dunkeläutige Amerikaner eine einmalige Bestmarke auf.

Berlin - Vor 75 Jahren wurde Jesse Owens zur Legende der 11. Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin.

Ein dunkelhäutiger Amerikaner, ausgerechnet dort, wo Adolf Hitler und seine Propagandamaschinerie der Welt die angebliche Überlegenheit der arischen Rasse demonstrieren wollten.

Dabei trug auch noch ein deutscher Gegner zum Mythos Owens bei: Luz Long lag im Weitsprung mit olympischem Rekord vor dem Amerikaner und gab diesem dann Tipps, die laut Zeitzeugen zur eigenen Niederlage führten.

Ohne den Rat des Leipzigers wäre der damals 23-Jährige aus Alabama vielleicht nicht als dieser Athlet in die Geschiche eingegangen, vor dem sich Generationen bis heute verneigen.

Leichtathletik-Rekord mit Carl Lewis

Als erster Leichtathlet gewann Owens 1936 über 100 m (10,3), 200 m (20, 7), 4x100 m (39,8/Weltrekord) und im Weitsprung (8,06 m) vier Goldmedaillen bei den gleichen Spielen.

Ein Kunststück, das seitdem nur einer schaffte: Owens' Landsmann Carl Lewis 1984 in Los Angeles.

Owens und Long wurden damals - ganz im Sinne der Nazi-Propaganda - nach dem Wettkampf wie gute Kumpels positioniert und abgelichtet. Aber die angedichtete Freundschaft gab es nie

"Das Traurige an der Geschichte ist, dass ich Luz nach Olympia nie mehr gesehen habe. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs getötet", sagte Owens später.

73 Jahre danach gab es 2009 bei der Leichtathletik-WM in Berlin ein Treffen der Töchter von Owens mit den Nachfahren von Long und auch eine Jesse-Owens-Fotoausstellung.

Bundesverdienstkreuz und Straße als Ehrung

Owens, der 1973 das Bundesverdienstkreuz erhielt und nach dem 1986 in der Nähe des Olympiastadions eine Straße benannt wurde, traf entgegen einigen Berichte wohl nie mit Hitler zusammen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte dem Diktator nach drei persönlichen Gratulationen an Olympiasieger an den ersten Tagen der Spiele solche Aktionen verboten. Darum musste Hitler eine Begegnung mit Owens meiden.

Eher fühlte sich Owens durch den damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt verletzt, der im Wahlkampf steckte und offenbar Reaktionen aus den Südstaaten fürchtete, falls er Owens ehren würde.

Von Roosevelt brüskiert

"Hitler hat mich nicht brüskiert, sondern Roosevelt. Der Präsident hat mir nicht einmal ein Telegramm geschickt", sagte Owens.

James Cleveland Owens, der den Namen "Jesse" von seiner Lehrerin erhielt, als er ihr sagte, man nenne ihn "J.C.", hatte am 5. Mai 1935 schon Unglaubliches geleistet.

Am "day of days" in Ann Arbor/Michigan erzielte er fünf Weltrekorde am gleichen Tag: Erst über 100 Yards (91,44 m) in 9,4 Sekunden, dann im Weitsprung bei 8, 13 m (erst 1960 durch Landsmann Ralph Boston mit 8,21 m gebrochen).

Dann schaffte er in 20,3 die Rekorde Nummer drei und vier über 220 Yards (201,17 m) und 200 m. Schlusspunkt waren 22,6 über 220 Yards Hürden. Kurz vor Olympia lief Owens dann als Erster die 100 m in 10, 2. Dieser Rekord hatte 20 Jahre Bestand.

Schaurennen gegen Rennpferde

Owens, als zehntes von elf Kindern eines Baumwollpflückers in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, hatte nach Olympia Probleme, den Lebensunterhalt für seine Frau Ruth und den Nachwuchs zu verdienen.

In 100-Meter-Schaurennen gab er Läufern aus der Region 10 oder 20 Meter Vorsprung und gewann dennoch.

Er besiegte auch Rennpferde. Später fand man jedoch den Trick heraus: Owens startete jeweils gegen höchst reizbare Vollblüter, die beim Startschuss derart erschraken, dass sie erst verzögert starteten.

Owens, der 35 Jahre lang Kettenraucher gewesen war, starb im März 1980 im Alter von 66 Jahren im Krankenhaus von Tucson/Arizona an Lungenkrebs. Er wurde auf dem Oak-Woods-Friedhof in Chicago beigesetzt. Seinen Grabstein zieren die Olympischen Ringe und die Inschrift "Olympiasieger".

Kurz vor seinem Tod hatte er sich vehement gegen den vom US-Präsidenten Jimmy Carter ausgerufenen US-Boykott gegen die Spiele im gleichen Jahr in Moskau ausgesprochen.

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