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Russlands Präsident Wladmir Putin schaut sich die Skisprung-Anlage in RusSki Gorki an © getty

Ein Jahr vor Sotschi 2014 entlässt der russische Präsident den NOK-Vize. FIS-Präsident Kasper verweist auf ein größeres Problem.

Sotschi/München - Am Tag der großen Feierlichkeiten ein Jahr vor dem Auftakt der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi hat Präsident Wladimir Putin im Organisationskomitee personell aufgeräumt.

Zum Sündenbock für Versäumnisse bei den Bauarbeiten machte Russlands allmächtiger Herrscher den Vizepräsidenten des Nationalen Olympischen Komitees und entließ diesen am Donnerstagmorgen kurzerhand.

Putin machte Achmed Bilalow für die Verzögerungen bei der Fertigstellung der Skisprunganlagen verantwortlich.

Harte Kritik von Kosak

"Leute, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, können die olympische Bewegung in unserem Land nicht anführen", sagte der stellvertretende Ministerpräsident Dmitri Kosak, der für die Koordination und Vorbereitung der Winterspiele zuständig ist.

Bilalow wurde zudem seines Amtes als Entwicklungschef für die touristischen Anlagen im nördlichen Kaukasus enthoben.

Wladimir Putin hatte am Mittwoch die Skisprunganlagen in RusSki Gorki besucht. Dort soll nach den Spielen ein russisches Trainingszentrum für die Skispringer entstehen.

Sarkasmus bei Putin

Was er dort aber sah, erzürnte den 60-Jährigen. "Wie kann es sein, dass der Vizepräsident des Nationalen Olympischen Komitees die Entwicklungen behindert?", fragte Putin erbost und fügte sarkastisch hinzu: "Das haben sie gut gemacht. Sie haben wirklich eine gute Arbeit geleistet."

Die Skisprunganlagen, die zum 70 Kilometer von Sotschi entfernten Komplex im Gebirgsdorf Krasnaja Poljana gehören, hätten bereits 2011 fertiggestellt sein sollen.

Dazu gehören eine große, eine kleine und drei Trainingsschanzen. Nun wird mit dem Ende der Arbeiten für Juli dieses Jahres gerechnet.

Ein-Jahres-Countdown startet

Ungeachtet der Personalentscheidung startete Russland am Donnerstag mit Feiern im ganzen Land den Ein-Jahres-Countdown für die am 7. Februar 2014 beginnenden Spiele, die als die teuersten der Olympia-Geschichte eingehen werden.

Der Gesamtetat soll rund 51 Milliarden Dollar betragen, rund 37,7 Milliarden Euro. Als Höhepunkt war am Abend eine Eisshow an den Ufern des Schwarzen Meers im Beisein von Putin und IOC-Präsident Jacques Rogge geplant.

Kasper zufrieden

Zufrieden mit dem Stand der Bauarbeiten ist Gian Franco Kasper. Der Präsident des Internationalen Skiverbandes und IOC-Mitglied sagte am Rande der alpinen Ski-WM in Schladming: "Die Fortschritte sind enorm. Man darf nicht vergessen: Was wir in Mitteleuropa in unseren Alpen in 200 Jahren gemacht haben, musste Sotschi in fünf Jahren machen.".

Deshalb sehe es dort auch entsprechend aus, das sei eine riesige Baustelle.

"Aber ich muss ganz ehrlich sagen, bei allen Kritiken und Problemen, die wir im Moment mit Sotschi haben: im Endeffekt bin ich fest davon überzeugt, dass es mit der Macht und mit dem Know-how, vor allem aber mit den Finanzen von Herrn Putin und seinen Leuten gute Olympische Spiele werden", ergänzte Kasper.

Anreise als Problem

Lediglich einen großen Schwachpunkt neben den geringen Zuschauerkapazitäten hat Kasper ausgemacht.

"Die Anreise nach Sotschi über Moskau ist wirklich sehr kompliziert, für jedermann. Der Flughafen Sotschi wird von seiner Größe her gewisse Probleme haben. Mit dem Zug kann man schlecht anreisen, von Moskau nach Sotschi ist eine relativ lange Reise. Das sind Probleme, die auf uns zukommen. Aber größtenteils sind diese Probleme lösbar"", erklärte der Schweizer.

Human Rights Watch prangert an

Diese Probleme sind für Human Rights Watch zweitrangig. Die Organisation prangert wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen vielmehr die Arbeitsbedingungen auf den Olympiabaustellen an.

Wanderarbeiter würden betrogen und ausgenutzt. "Die Welt sollte nicht jubeln über Winterspiele in Russland, die auf einem Fundament von Ausbeutung und Missbrauch gebaut werden", heißt es in einem 67-seitigen Bericht.

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