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Mit ihrer Bewerbung für die Spiele 2018 sind München und OB Ude gescheitert © getty

Die Chancen der bayerischen Landeshauptstadt auf die Winterspiele 2022 sind gestiegen. Doch die Macher bleiben vorsichtig.

München - Der Hauptkonkurrent ist eingeknickt, die Drecksarbeit zu einem Großteil erledigt: Nach dem Aus der Graubündner Bewerbung sind Münchens Chancen auf Olympische Winterspiele 2022 stark gestiegen.

Für die großen Verlierer der 2018er-Kandidatur zeichnet sich deutlich ein Weg zu einem Happy End ab, Olympia scheint auf dem Silbertablett zu liegen.

"Unserer Bewerbung hat dies abermals Rückenwind verschafft", sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude mit Blick auf den Graubündner Entscheid, "genauso wie das 'Nein' aus den USA und das 'Non' aus Frankreich. Ich sehe im Moment keinen europäischen Konkurrenten von Gewicht. Es gibt uns einen starken Auftrieb, ist aber auch eine Warnung. Wir dürfen keinen Fehler machen."

Schallende Ohrfeige für Kantonsparlament

In der Tat ist seit Sonntag auf den ersten Blick vieles einfacher geworden.

Die Bürger von Graubünden haben Olympia 2022 in der Schweiz mittels Volksentscheid eine klare Absage erteilt und dem Kantonsparlament, das sich mit 100:16 Stimmen für Olympia ausgesprochen hatte, eine schallende Ohrfeige verpasst.

Zuvor hatte sich die Bewerbung Reno/Denver/Salt Lake City (USA) zurückgezogen, die Ambitionen von Frankreich mit Nizza sind wohl nur noch theoretischer Natur.

So ist man auf deutscher Entscheider-Ebene überaus zuversichtlich, aber auch vorsichtig.

Am Sonntag unmittelbar nach der frohen Kunde aus der Schweiz hatte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper von einer "erheblich entspannten Konkurrenzsituation" gesprochen.

Dies werde bei der Entscheidung des DOSB "positiv Berücksichtigung finden".

Vesper wies aber darauf hin, "wie wichtig die Bürgerbeteiligung" sei, darum habe der DOSB "diese auch zur Voraussetzung für jede mögliche neue Bewerbung gemacht".

Ein Bürgerentscheid in allen von Olympia 2022 potenziell betroffenen Gemeinden soll am 10. November 2013 stattfinden - vier Tage vor Meldeschluss beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Das sei "früh genug", sagt Ude.

Wahlen haben entscheidenden Einfluss

Tatsächlich ist die Zeitplanung auf Kante genäht, beim Blick auf den Kalender offenbaren sich die Gründe dafür - und die ernsthaftesten Münchner Hindernisse.

Am 22. September ist Bundestagswahl, eine Woche zuvor Landtagswahl in Bayern.

"Bund und Bayern müssen mit Garantien hinter der Bewerbung stehen. Es gibt Konstellationen mit Beteiligung der Grünen - da wäre eine Umsetzung schwierig", sagte Klaus Riegert, CDU-Obmann im Sportausschuss des Deutschen Bundestages.

Keine zwei Geschenke vom IOC?

Allein die Kosten für die gescheiterte Bewerbung für 2018 beliefen sich auf etwa 30 Millionen Euro.

Die Pläne für die Spiele sahen Ausgaben in Höhe von 2,85 Milliarden Euro vor.

Wahl Nummer drei, die in den Köpfen der Macher eine Rolle spielt, ist die des IOC-Präsidenten am 10. September in Buenos Aires.

DOSB-Boss Thomas Bach hat zwar noch nicht offiziell seinen Hut in den Ring geworfen, gilt aber schon jetzt als ein Favorit auf die Nachfolge von Amtsinhaber Jacques Rogge.

Skeptiker argumentieren, Deutschland würde vom IOC höchstens ein Geschenk erhalten (die IOC-Präsidentschaft), keinesfalls aber ein zweites (Winterspiele 2022).

Kaum Konkurrenten in Sicht

"Alle drei Wahlen spielen eine Rolle, am wenigsten die des IOC-Präsidenten", meint Riegert, "ich würde einen IOC-Präsidenten Thomas Bach nicht als Bremsklotz für eine Bewerbung München 2022 sehen."

Fast alle in den München-Prozess involvierten Kräfte sehen dies so.

Es heißt, mit einer starken, finanziell abgesicherten Bewerbung liefe man beim IOC offene Türen ein - zumal ähnlich starke Bewerber wie München, das mit dem Bidbook von 2018 eine Menge Sisyphus-Arbeit bereits erledigt hat, nicht in Sicht sind.

Spanien will Sommerspiele 2020

Barcelona würde gerne, doch die Konzentration in Spanien liegt derzeit auf der Madrider Bewerbung um die Sommerspiele 2020 - und der dramatischen Wirtschaftslage im Land.

Das autoritäre ukrainische Staatsoberhaupt Wiktor Janukowitsch will mit Lwiw den Hut in den Ring werfen, auch über eine gemeinsame Bewerbung mit Zakopane (Polen) und Poprad (Slowakei) wird nachgedacht.

Fehlender Rückhalt für Oslo

Die Rolle der Ukraine während der Fußball-EM 2012, die ihr wegen mangelhafter Organisation und Finanzierung beinahe entzogen worden wäre, dürfte auch den IOC-Granden warnendes Beispiel sein.

In Oslo schließlich bröckelt die Zustimmung aus der Bevölkerung, ein Referendum soll im September Klarheit bringen - strategisch günstig für München, das dann schon vor der eigenen Bürgerbefragung über einen weiteren Mitbewerber Bescheid weiß.

Ude lobt Kooperation mit DOSB

Nun wird in München und beim DOSB in Frankfurt hinter den Kulissen mit Hochdruck daran gearbeitet, den Bürgern im November ein gut verdauliches Häppchen zu präsentieren.

Münchens OB Ude hat sich vor kurzem erst mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), dem er das Amt bei der Landtagswahl streitig machen will, getroffen.

"Zwischen der Staatskanzlei und dem Rathaus gibt es eine optimale Zusammenarbeit, das werden wir fortsetzen", sagt Ude.

Auch mit dem DOSB sei man "in Gesprächen, und bei der Stadt gibt es ja bereits einen Arbeitskreis".

Selbst ein mögliches Wahl-Problem sieht der SPD-Spitzenkandidat nicht: "Zu glauben, dass Olympia mit Bundestagswahlen oder Landtagswahlen konkurrieren kann, halte ich für äußerst naiv."

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