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Andrea Henkel holte bei der WM 2008 Sprint-, Verfolgungs- und Staffelgold © getty

Andrea Henkel kennt die Olympia-Pläne des Bundestrainers. Im Interview der Woche spricht sie über ihre Ziele und ihre Krankheit.

Von Rainer Nachtwey

München - Die deutschen Biathlon-Asse zählen zu den olympischen Medaillen-Garanten. 2006 gingen in Turin fünfmal Gold, viermal Silber und zweimal Bronze aufs Konto der Skijäger.

Auch 2010 sind zumindest die Biathletinnen des DSV glänzend in der Spur. Die Generalprobe in Antholz weckte mit dem Dreifachsieg im Einzel, dem Doppelsieg von Magdalena Neuner und Andrea Henkel im Sprint und Henkels Triumph in der Verfolgung große Hoffnungen.

Eine Woche vor der Eröffnungsfeier in Vancouver äußert sich Andrea Henkel (32) im Interview der Woche von Sport1.de über die Konkurrenz im deutschen Team, die Aussagekraft von Antholz und ihre Ziele.

Die Doppel-Olympiasiegerin von Salt Lake City 2002 verrät, warum die Deutschen in der Vorbereitung einen anderen Weg als die Schwedinnen gingen.

Sport1.de: Frau Henkel, in einer Woche beginnen die Olympischen Spiele. Kribbelt es schon, wenn Sie an Vancouver denken?

Andrea Henkel: Im Moment geht es. Jetzt gibt es noch ein wenig Training, um fit zu werden, und dann geht's richtig los.

Sport1.de: Sie lagen einige Tage wegen Magen-Darm-Geschichte flach. Wie geht es Ihnen jetzt?

Henkel: Ich bin auf dem Weg der Besserung. Deswegen habe ich auch noch nicht so viel an Olympia denken können. (Operation Gold startet mit Verspätung)

Sport1.de: Ausgerechnet kurz vor Beginn der Winterspiele. Wie sehr beeinträchtigt das Ihre Form?

Henkel: Ich denke, dass das bei den Wettbewerben kein Problem mehr ist. Ich konnte zwar nicht das trainieren, was ich wollte, aber ich glaub nicht, dass das ausschlaggebend ist.

Zur jetzigen Zeit ist das Training eh eine Art Auffrischung. Die Grundlagen werden im Sommer gelegt. Und zuletzt war ich in Antholz ganz gut in Form. Daher ist es auch nicht so schlimm, wenn man mal zwei Tage nichts macht.

Sport1.de: Sie haben zuletzt in Antholz einen Sieg, einen zweiten und einen dritten Platz geholt. Wie viel Steigerungspotenzial ist noch vorhanden?

Henkel: Naja, mehr als einen Sieg kann man nicht landen. Ich hatte aber das Gefühl, dass ich noch ein wenig fitter sein könnte, aber ob mich das schneller macht, weiß ich nicht.

Sport1.de: Die Schwedinnen Helena Jonsson und Anna Carin Olofsson-Zidek haben die Weltcups in Antholz ausgelassen. Sind die Ergebnisse noch so aussagekräftig, obwohl zwei sehr starke Konkurrentinnen gefehlt haben?

Henkel: Es haben ja nur die beiden gefehlt, alle anderen waren da. Im Einzel waren wir zu viert unter den besten Acht. Auch wenn die beiden mitgelaufen wären, hätten wir immer noch vier Athletinnen in den Top Ten gelandet. (DATENCENTER: Der Weltcup 2009/10)

Im Sprint war es ein Doppelsieg. Wer weiß ob die beiden so gut gewesen wären, um uns zu schlagen. Also man kann schon davon ausgehen dass die Antholz-Ergebnisse aussagekräftig sind.

Sport1.de: Was sprach für die Rennen in der Höhenlage Südtirols?

Henkel: In Antholz sind immer viele deutsche Zuschauer. 2002 haben wir damals auf die Wettkämpfe verzichtet, das kam nicht gut an. Aber damals war es notwendig. Dieses Jahr haben wir drei Wochen Wettkampfpause bis zu den Olympischen Spielen. Das reicht aus, um sich zu erholen.

Sport1.de: Vier Olympia-Startplätze für fünf Läuferinnen. Wie sehen Sie die Situation im deutschen Team?

Henkel: Wir haben wie immer diese Situation, die für die Trainer gut ist und für uns Sportler weniger gut. Das kennen wir nicht anders und es wird auch immer so sein.

Sport1.de: Magdalena Neuner hat bei der Generalprobe in Antholz zwei Rennen gewonnen und einen zweiten Platz geholt. Sie haben eines gewonnen, einen zweiten und einen dritten Platz erreicht. Haben Sie dadurch einen Vorteil gegenüber den anderen?

Henkel: Es kann zwar noch was dazwischen kommen, aber wer den Sprint läuft, steht mehr oder weniger fest. Offiziell ist es noch nicht, und ich will Uwe Müssiggang nicht vorgreifen. Das Ergebnis vom Sprint wird auf jeden Fall wieder Einfluss auf den Einzel haben.

Zudem gibt es ja Läuferinnen, denen der Sprint besser liegt und welche, die im Einzel besser sind. Das spielt sicher auch eine Rolle.

Sport1.de: Wie würden Sie reagieren, wenn Sie auf ein Rennen verzichten müssten?

Henkel: Wenn es gerechtfertigt ist, muss ich das akzeptieren. Das habe ich in Turin schon erlebt (Im Sprint und der Verfolgung nicht eingesetzt, im Massenstart und Einzel 13., bzw. 4., Anm. d. Red.). Da hab ich auch nicht um mich geschlagen.

Sport1.de: Sie haben bereits zwei goldene und eine Silbermedaille bei Olympischen Spielen gewonnen. Die bronzene fehlt noch in Ihrer Sammlung. Was sind Ihre Ziele für die Olympischen Spiele?

Henkel: Ich möchte eine Medaille, egal ob Gold, Silber oder Bronze. Es muss nicht immer Gold sein. Es muss so viel zusammen kommen, um zu gewinnen. In Antholz wurde ich im Einzel Dritte, da war ich mit der Platzierung super zufrieden, aber mit dem Wettkampf an sich nicht.

Dann wurde ich im Sprint Zweite und war mit meiner Leistung sehr zufrieden. Es hängt nicht immer von der Platzierung ab. Aber wie gesagt, eine Einzel- und eine Staffelmedaille ist das Ziel.

Sport1.de: Wie sieht Ihr Zeitplan bis Vancouver aus?

Henkel: In Vancouver geht es bereits in dieser Woche richtig mit dem Training los. Und am 9. Februar ziehen wir ins olympische Dorf ein.

Sport1.de: Werden Sie sich dort wieder das Zimmer wieder mit Martina Beck teilen?

Henkel: Ja, da bleibt alles beim Alten.

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