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Andrea Henkel (r.) gewann 2002 in Salt Lake City Olympisches Gold im Einzel © imago

Der wegen Epo-Dopings gesperrte Biathlet Dimitri Jaroschenko berichtet von einem Doping-Ring russischer Mediziner.

München - Hinweise auf systematisches Doping im russischen Sport sorgen kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver weiter für Aufsehen.

"Ich weiß, dass die Teamärzte sich untereinander kennen und austauschen. Und offensichtlich bekommen die Ärzte die Mittel von derselben Quelle zur selben Zeit", sagte der wegen Epo-Dopings gesperrte ehemalige Biathlon-Weltmeister Dimitri Jaroschenko der "ARD".

Er selbst habe etwas verabreicht bekommen, das der Arzt "Cardio Protector" genannt habe, sagte Jaroschenko.

Kritik an Sportministerium

Alexander Tichonow, russische Biathlon-Legende und Vize-Präsident des Internationalen Verbandes, sagte, dass er schon vor zwei Jahren auf "dieses Problem in unserem Sport" hingewiesen habe.

Damals habe er aber "keine Unterstützung in unserem Sportministerium" bekommen.

Der russische Sport war erst am Freitag in die Schlagzeilen geraten, weil einem Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zufolge russische Behörden internationale Dopingkontrolleure massiv in ihrer Arbeit behindert hätten.

Doping-Drahtzieher glänzend ausgerüstet

Gregori Rodschenkow, Direktor des einzigen von der WADA akkreditierten Labors in Russland, sieht die Doping-Drahtzieher glänzend ausgerüstet.

"Die Drahtzieher dahinter haben Wissen, das nur akkreditierte Labore wie wir haben können. Sie besitzen alle Informationen oder haben sogar ein eigenes Labor", sagte Rodschenkow.

Biathlon-Bundestrainer Uwe Müßiggang sagte in der ARD-Sendung "Sport Inside":

"Wenn man die letzten Fälle betrachtet, und es immer wieder die gleiche Nation betrifft, dann muss man einfach vermuten, dass dort ein systematisches Doping betrieben wird. Aber das bleiben Vermutungen, mehr ist es nicht."

Rogge wiegelt ab

Die schweren Vorwürfe der WADA gegen die russischen Behörden wollte Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), nicht überbewerten.

Rogge spricht in einem ZDF-Interview von "Nachlässigkeiten" der russischen Behörden gegenüber illegalen Doping-Aktivitäten.

"Nachlässigkeiten ja, aber das ist ein großer Unterschied zu der Behauptung, dass es ein staatlich organisiertes System gab", sagte der IOC-Präsident.

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