Sport1.de-Kolumnistin Uschi Disl sieht Kati Wilhelm im Sprint vorn. Der forschen Neuner gibt sie ein mahnendes Beispiel.

Liebe Biathlon-Freunde,,

gleich im ersten Wettbewerb im Olympic Park, dem Sprint der Damen (Sa., 22 Uhr LIVE), dürfen wir von den Deutschen einiges erwarten. Angesichts ihrer Laufform müsste am Schießstand schon viel schiefgehen, damit es nicht zu einer Medaille reicht. Ich tippe sogar auf zwei Podestplätze.

Magdalena Neuner hat gesagt, dass sie unbedingt Olympiasiegerin werden will. (Video: Neuner voller Tatendrang)

Das finde ich mutig. Schließlich ist Olympia etwas ganz anderes als eine WM.

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Und wenn man etwas erzwingen will, können die Nerven leicht mit einem durchgehen. Ich erinnere mich da an Magdalena Forsberg, die auch mit aller Macht Olympia-Gold holen wollte, es aber nie schaffte.

Mir hätte so eine Ansage nicht gut getan, da ich bei Olympia nicht gern die Favoritenrolle hatte. Vielleicht ist Lena aber auch jetzt, da sie ihr Ziel offen ausgesprochen hat, vom Druck befreit. Ich wünsche es ihr und traue ihr den Sieg auch zu.

Mein Bauchgefühl sagt mir jedoch, dass Kati Wilhelm das Rennen macht. Sie hat zwar zuletzt läuferisch etwas nachgelassen. Ich glaube aber, sie hat nur Luft geholt, um in Vancouver ihre Topleistung abzurufen. Und sie kann etwas entspannter in die Wettkämpfe gehen, weil sie ja bereits Olympiasiegerin ist.

Auch die Schwedin Helena Jonsson steht natürlich auf meinem Favoritenzettel. Und Andrea Henkel ist immer für eine Überraschung gut. Simone Hauswald dagegen ist wie Lena erstmals als Mitfavoritin bei Olympia, auch bei ihr müssen die Nerven mitspielen. (Andrea Henkel im Sport1.de-Interview)

Dass Martina Beck nicht zu den vier deutschen Nominierten für den Sprint gehört, tut mir unheimlich leid, weil sie weit besser ist als viele Starterinnen anderer Nationen. Aber dennoch hat Bundestrainer Uwe Müssiggang sicher nicht falsch entschieden. Er hat die Wahl wohl letztlich zwischen Martina und Lena getroffen. Lena kam zwar erst kurz vor den Spielen wieder richtig in Fahrt - aber nur darauf kommt es ja an.

Ich glaube, dass die deutschen Damen in Vancouver das Ergebnis von Turin, als sie einmal Gold, viermal Silber und einmal Bronze holten, noch übertreffen. Die Herren müssen froh sein, wenn sie an die Erfolge von 2006 anknüpfen können, als Michael Greis drei Goldmedaillen gewann.

Michi ist bestimmt nicht so ganz zufrieden mit seiner bisherigen Saison. Aber dadurch steht er am Sonntag im Sprint nicht so sehr im Fokus. Doch er hat gehörig Konkurrenz: Allen voran Ole-Einar Björndalen, der wirklich heiß auf weitere Medaillen ist, aber auch Emil Hegle Svendsen oder Maxim Tschudow. Ich traue Michael auf jeden Fall eine Medaille zu.

Hoffentlich haben die Damen dann vorgelegt. Es macht einen Riesenunterschied, ob das Team schon eine Medaille gewonnen hat oder nicht. Denn der Erwartungsdruck ist hoch. Deshalb fiebert jeder auch für den anderen mit und freut sich für die Teamkollegen, wenn es klappt.

Ich kann allen nur raten, sich keinen Kopf zu machen und sich einfach auf die Spiele zu freuen. Entweder ist es meine Zeit oder nicht. Als ich nach Nagano geflogen bin, war ich ganz locker - und es lief einfach. Das wünsche ich dem DSV-Team natürlich jetzt auch.

Eure Uschi Disl

Uschi Disl (39), Staffel-Olympiasiegerin von 1998 und 2002, hat mit neun Olympia-Medaillen so viele wie keine andere Deutsche geholt. Zudem gewann die Bayerin zwischen 1992 und 2005 achtmal WM-Gold. Einen Monat nach Massenstart-Bronze bei den Winterspielen von Turin beendete Disl ihre aktive Karriere.

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