Sport1.de-Kolumnistin Uschi Disl weiß aus leidvoller Erfahrung, wie es sich anfühlt, bei einem Schneechaos-Rennen zu starten.

Liebe Biathlon-Freunde,

Magdalena Neuner hat Silber im 10-km-Sprint geholt - und damit kann sie sehr zufrieden sein.

Lena hat sich vorher mit der Zielsetzung, ganz nach oben zu wollen, selbst unter Druck gesetzt.

Aber sie hat das ganz cool gemacht. Dass sie nach dem einen Schießfehler alles getroffen hat, zeigt wie gut sie an dieser ehemaligen Schwäche gearbeitet hat und dass sie mental gut drauf ist.

Vielleicht hat sie sich im allerersten Moment ein wenig geärgert, dass sie den Sieg nur um eineinhalb Sekunden verpasst hat. Aber das wird schnell verflogen sein.

Es sind ihre ersten Olympischen Spiele und dabei gleich Silber zu holen, ist einfach klasse. Die anderen drei deutschen Starterinnen hätten sich dieses Ergebnis sicher gewünscht.

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Vielleicht haben sich Andrea Henkel, Kati Wilhelm und Simone Hauswald einfach zu viel Druck gemacht. Lena ist bei ihrem Olympia-Debüt sicher unbekümmerter in den Wettkampf gegangen.

Mit Anastasia Kusmina als Siegerin hätte ich nicht gerechnet, ich glaube, das hätte niemand, denn so oft war sie noch nicht vorn dabei.

In der Verfolgung (Di, 19. 30 Uhr LIVE) hat Lena nun beste Voraussetzungen, die anderen deutschen Mädels haben dagegen schon einen großen Rucksack.

Da müsste viel gut gehen, wenn sie noch aufs Podium laufen wollen.

Aber sie haben glücklicherweise noch mehrere Rennen vor sich und damit die Chance auf eine Medaille.

Das Schneechaos-Rennen bei den Männern hat bei mir ungute Erinnerungen an mein letztes Olympia-Rennen in Turin wachgerufen.

Ich kann nachempfinden, wie das ist: Am Start zu stehen und zu wissen, dass man keine Chance hat, das ist nicht schön.

Da läuft man schon resigniert los und macht sich am Schießstand extrem viel Druck, weil man unbedingt Null schießen will. In so einer Situation ist es sehr schwer, locker zu bleiben.

Die Schießfehler von Ole Einar Björndalen - der noch halbwegs Glück mit dem Wetter hatte - waren überraschend. Ich hatte den Eindruck, dass er zu wenig oder falsch auf die Windverhältnisse reagiert hat.

Aber auch er ist eben nur ein Mensch und macht Fehler. Das wird für ihn in der Verfolgung (Di., 21.45 Uhr LIVE) nicht leicht.

Für die deutschen Männer schaut es da ebenfalls schwierig aus. Christoph Stephan hat als Bester 1:43 Minuten Rückstand, Michael Greis 1:48 - das ist schon extrem viel.

Aber auch sie werden in den nächsten zwei Wochen noch ihre Chance bekommen zu zeigen, was in ihnen steckt.

Mein Favorit für das Verfolgungsrennen ist Emil Hegle Svendsen: Er ist ein guter Läufer und kann auch gut schießen.

Es würde mich wundern, wenn der junge Vincent Jay schon die Nervenstärke hätte, den Gold-Coup zu wiederholen.

Eure Uschi Disl

Uschi Disl (39), Staffel-Olympiasiegerin von 1998 und 2002, hat mit neun Olympia-Medaillen so viele wie keine andere Deutsche geholt. Zudem gewann die Bayerin zwischen 1992 und 2005 achtmal WM-Gold. Einen Monat nach Massenstart-Bronze bei den Winterspielen von Turin beendete Disl ihre aktive Karriere.

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