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Björn Ferry gab sein Profi-Debüt 2001 in Hochfilzen © getty

Olympiasieger Ferry lobt Coach Pichler in den höchsten Tönen. Der Teilzeit-Zöllner meldet Interesse am Bundestrainer-Posten an.

Whistler - Die Todesstrafe für Doper war nach dem Olympiasieg für Björn Ferry ausnahmsweise kein Thema.

Dafür baute der Mann mit der gelb-blauen Strickmütze seinem deutschen Trainer Wolfgang Pichler ganz brav ein Denkmal.

"Er hat seit Salt Lake City einen großen Einfluss auf mich", sagte Ferry: "Er ist der Motor des schwedischen Biathlons und des Erfolgs."

Der so gelobte Bayer bekam einen feuerrotem Kopf und strahlte wie ein Honigkuchenpferd: Der erste schwedische Olympiasieg im Biathlon seit 50 Jahren macht ihn in seiner zweiten Heimat endgültig zum Helden.

Pichler als Ullrich-Nachfolger

Deshalb konnte es der Trainer des Jahres 2008 in Schweden auch locker verschmerzen, dass er Ferry drei Magnum-Flaschen Sekt für den Sieg spendieren musste.

"Die zahle ich gern. Schließlich ist das die Sternstunde meiner Trainerkarriere", sagte der 55-Jährige.

Der Erfolg dürfte auch seine Chance verbessert haben, doch noch in Deutschland als Bundestrainer zu landen. Männer-Chefcoach Frank Ullrich hört nach dieser Saison auf und Pichler wäre ein geeigneter Nachfolge-Kandidat.

Das wäre eine "große Herausforderung"

Er hat zwar gerade seinen Vertrag in Schweden bis 2014 verlängert, muss aber trotzdem noch in Teilzeit als Zöllner im Zollamt Bad Reichenhall arbeiten.

"Ich fühle mich bei den Schweden sehr wohl, aber ein Angebot aus Deutschland 202273(DIASHOW: Deutschlands Gold-Hoffnungen) würde ich mir immer anhören", sagt Pichler: "Das wäre schon eine große Herausforderung."

Mindestens genauso groß ist allerdings die Herausforderung, mit einem umstrittenen Showman wie Ferry zu arbeiten.

Maiziere findet Forderung "völlig maßlos"

Der 31-Jährige hatte vor dem Start der Olympiarennen weltweit für Wirbel gesorgt, weil er in einer schwedischen Zeitung "die Todesstrafe für Doper oder zumindestens wiederholte Schläge auf die Eier" gefordert hatte.

Ferry relativierte diese Aussagen später: "Natürlich kann man keinen erschießen, das ist mir klar. Aber wir müssen viel härtere Strafen haben."

Aber der Skandal ließ sich nicht mehr stoppen.

"Eine solche Forderung ist völlig maßlos", sagte Thomas de Maiziere, der für den Sport zuständige Bundesinnenminister.

Morddrohungen und Personenschutz

Provokant war der neue Olympiasieger schon immer, deshalb hatte er nach verbalen Attacken gegen russische Doper bei der WM im Vorjahr in Pyeongchang auch Morddrohungen aus Russland erhalten.

Beim Weltcup-Finale im sibirischen Chanty Mansijsk standen Ferry und seine Schweden deshalb beim Einkaufen unter Personenschutz.

Über all diese Geschichten konnte Ferry nach seinem Olympiasieg allerdings nicht mehr ausführlich plaudern - er musste zur Dopingkontrolle.

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