Nach den Einzelrennen analysiert Uschi Disl in ihrer Kolumne die Laufleistungen der Deutschen. Sie gibt den Trainern einen Rat.

Liebe Biathlon-Freunde,

leider hat es im Einzelrennen für die deutschen Damen nicht zu einer Medaille gereicht. Aber der vierte Platz von Kati Wilhelm ist ein tolles Ergebnis.

Sie hat leider ein bisschen Pech gehabt mit dem letzten Schuss. Zudem läuft sie momentan nicht ganz so gut wie im Weltcup. Ich hatte gehofft, dass sie sich bei Olympia noch steigern kann, aber das kann ja noch werden.

Auch wenn sie das beteuert (Das Video): Zufrieden dürfte Kati nicht sein. Alle vier hatten auf Medaillen gehofft, daher wird keine zufrieden sein.

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Die Laufleistungen waren zwar schlechter als im Sprint, aber das Material spielt auch eine große Rolle - vielleicht hatten andere Nationen da einen Vorteil. Trotzdem: bei einem 15-km-Rennen hängt nicht alles vom Laufen ab. Da kommt es mehr aufs Schießen an.

Martina Beck war als einzige Deutsche vom Podest ganz weit weg. Das tut mir wahnsinnig leid, da sie im bisherigen Saisonverlauf schon gute Leistungen gezeigt hat.

Ich hoffe aber, dass die Trainer so clever sind und sie in der Staffel einsetzen. Sie ist einfach eine der besten Staffelläuferinnen, die es gibt. Sie ist sehr sicher, schießt kaum daneben und musste in der Staffel bisher noch nie in die Strafrunde.

Magdalena Neuner hat beim zweiten Schießen extrem schnell abgedrückt. Obwohl sie da zwei Scheiben stehen ließ: das war die richtige Taktik. Wenn sie langsam schießt, verliert sie ihren Rhythmus, und dann kommt es leichter zu Fehlern.

Die deutschen Herren haben in der ganzen Saison noch nicht die Topleistungen gebracht wie die Damen. Trotz allem haben die Vier, besonders Michael Greis, sich teuer verkauft. Aber es kommt wie gesagt nicht nur aufs Laufen an. Und gestern war der eine Fehlschuss einfach zu viel.

Die Vier werden nun versuchen, die mäßigen Ergebnisse auszublenden. Dann haben sie auch das Potential, eine Medaille zu holen. Es muss nur alles passen.

Michi wird jetzt versuchen, sich den Druck von außen zu nehmen und sich auch selbst herunterzufahren. Nur mit der nötigen Lockerheit kann er die nächsten Rennen erfolgreich bewältigen. Es bringt ihm nichts, jetzt zu überziehen.

Eure Uschi Disl

Uschi Disl (39), Staffel-Olympiasiegerin von 1998 und 2002, hat mit neun Olympia-Medaillen so viele wie keine andere Deutsche geholt. Zudem gewann die Bayerin zwischen 1992 und 2005 achtmal WM-Gold. Einen Monat nach Massenstart-Bronze bei den Winterspielen von Turin beendete Disl ihre aktive Karriere.

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