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Erfolgreichste deutsche Olympionikin 2010: Magdalena Neuner bei der Zieldurchfahrt © getty

Magdalena Neuner kürt sich mit Gold im Massenstart zur Königin von Vancouver. Nur ihre Staffel-Absage trübt die Stimmung.

Aus Vancouver berichtet Gregor Derichs

Whistler - Sie streckte die gelben, schmalen Rennskier in die Höhe, die Sonnenbrille hatte sie auf die Mütze geschoben.

Ihr schönstes Lachen zeigte Magdalena Neuner, als sie ins Publikum winkte.

Die strahlende Sonne und der blaue Himmel spielten mit, es herrschte Kaiserwetter in den Coast Mountains von British Columbia.

Lena Neuner hat sich zur Königin der Olympischen Spiele gekürt.

Als Nachfolgerin von Kati Wilhelm, die den Winterspielen in Turin vor vier Jahren ihren Stempel aufdrückte, holte die 23-Jährige am Sonntag im Massenstart-Rennen der Biathletinnen ihre zweite Goldmedaille.

Bach erster Gratulant

Sie freute sich wie eine Schneekönigin, denn erst in der Schlussphase wurde ihr klar, dass sie nochmals Olympiasiegerin würde.

"Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich habe gedacht, ich mache einfach mein Rennen und schwupps hatte ich Gold", sagte das Gold-Mädchen, das von Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) sofort zur Gratulation in Empfang genommen wurde.

Hauswald macht Erfolg perfekt

Die Doppel-Olympiasiegerin, die schon in der Verfolgung triumphiert und im Sprint Silber geholt hatte, gewann im Olympia Park in Whistler nach 12,5 km mit zwei Fehlschüssen erneut dank ihrer hervorragenden Laufleistung in 35:19,6 Minuten vor der Russin Olga Zaitsewa (5,5 Sekunden zurück).

Den großartigen Tag des deutschen Frauen-Biathlons rundete Simone Hauswald ab, die Bronze holte. Die 30-Jährige aus dem Schwarzwald wies bei zwei Schießfehlern einen Rückstand von 7,3 Sekunden auf Goldmädchen Neuner auf (DATENCENTER: 12,5-km-Massenstart).

Nach der Vize-Weltmeisterschaft im Sprint im vorigen Jahr war es der größte Erfolg in der Karriere von Simone Hauswald, die eine koreanische Mutter hat.

Überraschende Staffel-Absage

Für die sechsfache Weltmeisterin Neuner aus Wallgau wird es allerdings die letzte Medaille dieser Spiele bleiben. Ihren Start mit der Staffel (Di., ab 20.30 Uhr LIVE) sagte Neuner ab.

Dennoch ist die deutsche Frauenstaffel über 4 x 6 km nach den Einzelergebnissen neben den ebenfalls starken Französinnen und Russinnen favorisiert.

Andrea Henkel wurde Neunte im Massenstart (1 Fehler/53,9 zurück), Kati Wilhelm kam nach einer für sie schwachen Schießleistung mit fünf Fehlern auf Rang 25.

Männer enttäuschen

Die DSV-Männer hatten im zuvor im Massenstart für eine weitere Enttäuschung gesorgt. Im vierten Einzelrennen blieben sie ohne Medaille.

Michael Greis, der dreimalige Olympiasieger von 2006, war als Zehnter der beste Deutsche. Die Männerstaffel findet zum Abschluss der Biathlon-Wettbewerbe am Freitag statt.

Drei Olympiasiegerinnen in Reihe eins

Mit Neuner, Andrea Henkel, die 2002 in Salt Lake City Gold geholt hatte, und Kati Wilhelm standen drei deutsche Olympiasiegerinnen bei dem Massenstart in der ersten Reihe.

Die Reihenfolge aus dem Weltcup gibt den Ausschlag, wie die Läuferinnen aufgestellt werden. Neuner stand günstig neben der Sprint-Olympiasiegerin Anastazia Kuzmina (Slowakei).

Sie bestimmte das Rennen von vorne weg mit, aber musste nach dem ersten Schießen wegen eines Fehlers den 150 m langen "Strafkringel" drehen.

Highlight für Hauswald

Simone Hauswald war danach mit in der Spitzengruppe, sie musste von der zweiten Reihe starten, aber am besten Tag ihrer Karriere schlug sich das nicht negativ nieder.

Die Badenerin, die früher zusammen mit Skispringer Martin Schmitt das Skiinternat in Furtwangen besucht hat, blieb im Liegend-Anschlag zweimal fehlerfrei, patzte dann aber beim ersten Stehend-Schießen doppelt. Dadurch riss der Kontakt zu den Führenden ab.

Schatten der Vergangenheit

Vor dem letzten Schießen lag Olga Medvedtseva in Führung, jene Russin, die unter ihrem Mädchennamen Pyleva 2006 in Turin des Dopings überführt worden war.

Die Silbermedaille wurde ihr abgenommen, zwei Jahre wurde die Biathletin aus Sibirien gesperrt. Nach der Heirat mit ihrem Trainer kam sie wieder.

Neuner unwiderstehlich

Die 34-Jährige blieb in allen vier Schießdurchgängen fehlerfrei, aber sie schoss die letzte Serie so langsam, dass sie von den drei Medaillengewinnerinnen vor der letzten Laufrunde von 2,5 km überholt wurde.

Zaitsewa war nach dem Schießen als erste fertig, aber die wenigen Sekunden reichten nicht, um sich vom "Laufwunder" Neuner abzusetzen. Nur Simone Hauswald, die zwischenzeitlich sogar auf dem Silberrang lag, konnte sie im Sprint noch einmal überholen.

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