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Michael Greis strauchelt: Der Dreifach-Sieger von Turin droht 2010 leer auszugehen © imago

Nach der vierten Nullnummer bekommen die deutschen Fehlschützen einen Schießtrainer. Ein Olympiasieger könnte Ullrich beerben.

Whistler - Kein Zielwasser, keine Medaillen: Die deutschen Biathleten bekommen nach dem Debakel bei den Winterspielen künftig einen eigenen Schießtrainer an die Seite gestellt. (DATENCENTER: 15-km-Massenstart)

"Dass wir in den Einzelläufen überhaupt keine Chance hatten, ist enttäuschend. Wir haben beim Schießen den Anschluss verloren. Da besteht dringender Korrekturbedarf", sagte Thomas Pfüller, verantwortlicher Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV).

Pfüller denkt bereits an die Spiele in Sotschi 2014 und macht sich deshalb Sorgen: "Wir haben einen klaren Rückstand und ein ganz hartes Stück Arbeit vor uns. Wir müssen jetzt Gas geben, damit wir in Sotschi wieder dabei sind."

Mut zur Veränderung fehlt

Und deshalb müsse ein Spezialcoach für den Schießbereich eingestellt werden. Pfüller: "Die anderen Nationen machen uns das vor. Wir haben es hier beim Schießen verloren."

Im Massenstartrennen mussten die deutschen Fehlschützen im Schnitt drei Strafrunden laufen, während Olympiasieger Jewgeni Ustjugow (Russland) und der Überraschungs-Dritte Pavol Hurajt (Slowakei) fehlerfrei blieben 205988(DIASHOW: Die Massenstart-Rennen) .

Die Schieß-Schwäche hatte sich schon im Winter offenbart, der DSV-Spitze fehlte allerdings der Mut zur Veränderung.

Ullrich-Erbe hört auf Müssiggang

"Wir wollten im Olympia-Winter nicht risikovoll experimentieren, sondern haben auf den bewährten Weg gesetzt", sagte Pfüller und verteidigte die Strategie: "Aber jetzt kommt alles auf den Prüfstand."

Dass Bundestrainer Frank Ullrich geht, steht schon länger fest - unabhängig von der Olympia-Pleite.

Als Nachfolger steht Ullrichs einstiger Musterschüler, der dreimalige Olympiasieger Mark Kirchner, hoch im Kurs. Der bisherige Assistent Ullrichs aber wird dem künftig einzig verantwortlichen Cheftrainer Uwe Müssiggang unterstellt.

Nur Silber für Björndalen

Wer dem dreifachen Turin-Olympiasieger Michael Greis und Co. das sichere Schießen in der Schnelligkeit der Weltklasse beibringen soll, wird im Frühjahr entschieden.

Denkbar ist sogar die Verpflichtung eines ausländischen Experten.

Superstar Ole Einar Björndalen hat beispielsweise seit Jahren einen privaten Schießcoach. Dennoch reichte es für den Norweger in Vancouver nur zu einer Silbermedaille.

"Talente sind da"

Der Schieß-Olympiasieger von 1996 im Dreistellungskampf, Jean Pierre Amat, hat Frankreichs Team bereits zu fünf Medaillen in Whistler geführt und gilt als derzeit bester Schießtrainer der Biathlon-Welt.

"Talente sind in unserer Mannschaft da. Jetzt müssen wir neue Ideen dazu bringen", sagt Pfüller. Zunächst aber sollen die bisherigen Fehlschützen in Kanada mit einer Medaille in der Staffek (Fr., 20.30 Uhr LIVE) wenigstens für einen versöhnlichen Ausklang sorgen.

Doch Greis klingt nicht gerade euphorisch: "Wir sind in der Nationenwertung nur Fünfter. Mal schauen, was wir noch schaffen können."

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