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Die Bob-Piloten müssen bei Olympia 16 Kurven innerhalb von 1450 Metern bewältigen © getty

Im Training für die Zweierbob-Entscheidung kommt es wieder zu Stürzen. Der erste Pilot zieht nach seinem Unfall zurück.

Whistler - Die olympischen Wettkämpfe im Eiskanal von Whistler entwickeln sich immer mehr zu einem Trauerspiel. Seit dem Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili geht es in und an der gefährlichsten Bahn der Welt drunter und drüber, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Umstürzende Bobs, scheinbar hilflose Funktionäre und hektische Korrekturen an der Strecke gehören zum Tagesgeschäft. Zu allem Überfluss darf ab Samstag im Frauen-Rennen auch noch eine Mannschaft mitfahren, die in einer Fernseh-Show gecastet wurde. Doch selbst routinierte Bob-Piloten sind von der Sturzserie betroffen.

Der Schweizer Europameister Beat Hefti wird nach einem Trainingssturz nicht am Zweierbob-Rennen am Sonntag (ab 2 Uhr LIVE) teilnehmen. Er hatte bei dem Sturz Prellungen und eine Gehirnerschütterung erlitten, verpasste das Training am Freitag und konnte daher nicht für das Rennen melden.

Gesundheit geht vor

Noch schlimmer traf es Daniel Schmid und seinen Anschieber Jürg Egger. Der Schweizer Pilot kapitulierte als erster Pilot vor der schnellsten Eisbahn der Welt und verzichtete nach einer Fortsetzung der dramatischen Unfallserie auf seine Teilnahme bei den Olympischen Spielen.

"Die Gesundheit ist mir wichtiger, als lebensmüde die Bahn runterzudonnern", sagte Schmid.

Anschieber bewusstlos

Im fünften Training zum Zweierbob-Wettbewerb war er gestürzt. Anschieber Egger wurde dabei verletzt und musste neben der Strecke unter anderem mit einem Beatmungsgerät zehn Minuten behandelt werden, war aber bei Bewusstsein.

Zur Sicherheit wurde Egger ins Krankenhaus gebracht.

Schmid gibt Fahrfehler zu

"Das war ein Fahrfehler von mir", räumte Schmid ein, "aber die Bahn verzeiht keine Fehler. Das ist das Problem. Einer musste mal hingehen und sagen: halt, stopp."

Der deutsche Pilot Karl Angerer (Königssee) äußerte umgehend Verständnis für den geschockten Kollegen. "Die Bahn ist irrsinnig schnell. Man darf wirklich keinen Fahrfehler machen", meinte der 30-Jährige: "Respekt für die Piloten, die sagen, mir ist die Sicherheit meiner Leute wichtiger als ein Olympiastart."

Zudem befürchtet Angerer, für den wie für die beiden anderen deutschen Piloten Andre Lange (Oberhof) und Thomas Florschütz (Riesa) ein Startverzicht nicht in Frage kommt, eine weitere Zuspitzung der Situation: "Im Vierer wird es noch einmal deutlich schneller."

"Die FIBT ist schuld"

"Wenn man so eine schwierige Bahn hat, dann muss gewährleistet sein, dass man Vorkehrungen trifft, dass alle Athleten die Bahn auch beherrschen", sagte der deutsche Verbandspräsident Andreas Trautvetter - ungeachtet des Maulkorbs, den der Weltverband FIBT verhängt hat, um öffentliche Kritik am Eiskanal und den Geschehnissen im Tal hinter Whistler zu verhindern.

Der zweimalige Olympiasieger und ehemalige Weltklassepilot Christoph Langen sagt unverblümt: "Die FIBT ist schuld."

Verband verteidigt sich

Bereits nach den ersten Tests hatten Bob-Piloten und Rodler gewarnt. Die Verbände hätten nicht auf Hinweise reagiert und einfach die Bahn abgenommen, meinte der deutsche Bob-Cheftrainer Raimund Bethge.

Christoph Langen bestätigt: "Die Piloten haben schon damals ihre Probleme geäußert, aber deren Veto wurde nicht richtig gehört." Es könne nicht sein, dass jeder kleine Fehler zu einer großen Gefahr führe, so Langen.

Der Rodel-Weltverband FIL wies unterdessen die Vorwürfe zurück. "Wir haben unter anderem die Banden erhöht und insgesamt für mehr Sicherheit gesorgt", sagte Präsident Josef Fendt.

Gefahr bei Frauenrennen

Eine große Gefahr könnten auch die am Samstag beginnenden Trainingsläufe im Frauen-Zweierbob werden. Zu viele unerfahrene Athletinnen rasen den gefährlichen Hochgeschwindigkeitskurs runter.

Darunter Ex-Speerwerferin Elfje Willemsen mit Anschieberin Eva Willemack: Die Belgierinnen bewarben sich bei einer TV-Show, in der es um die Gründung eines Bobteams ging. Sie gewannen - und erfüllten sich nach einigen Starts im Europa- und Weltcup ihren olympischen Traum, der vom TV-Sender auf Schritt und Tritt begleitet wird.

Australierinnen klagen sich ein

Astrid Loch-Wilkinson und Cecilia McIntosh aus Australien klagten sich kurzfristig über den Internationalen Sportgerichtshof CAS als 21. Team ins Starterfeld ein. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Aufgrund einer FIBT-Quotenregel darf jeder Kontinent bei Olympia mit einem Männer- und Frauen-Team vertreten sein. "Es ist schwerer, sich für einen Weltcup zu qualifizieren, als für Olympische Spiele", sagt Trautvetter.

FIBT verhängt Maulkorb

Die FIBT wollte hingegen Trainer und Athleten mit einem Maulkorb zum Schweigen bringen, setzte für die Frauenbobs und den Männer-Wettbewerb zusätzliche Trainingsläufe an und spielt die Gefahr herunter.

Die Stürze seien nicht ungewöhnlich, in Park City 2002 hätte es im ersten Trainingslauf 17 Stürze gegeben, meinte FITB-Sprecher Don Krone.

Für den Maulkord-Erlass erntete der Weltverband Hohn und Spott. "Das ist lächerlich, dass man gestandenen Trainern das Mundwerk verbieten lassen will", sagte der deutsche Sportdirektor Thomas Schwab.

Übrigens: In Whistler soll 2013 die Rodel-WM stattfinden. Doch die Zukunft der für umgerechnet 75 Millionen Euro erbauten Bahn steht nach den Vorfällen bei Olympia in den Sternen.

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