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"Speed-Junkie" Andre Lange wechselte 1993 vom Rodeln zum Bobsport © getty

Nach Andre Langes viertem Olympiasieg gerät die Bob-Welt ins Schwärmen. Auch Silber-Mann Florschütz erkennt den Unterschied.

Whistler - Als Andre Lange zu seinem historischen vierten Olympia-Gold gerast war, verneigte sich die Bob-Welt ehrfurchtsvoll vor dem besten Piloten aller Zeiten.

"Er ist der Größte und wird immer ein Bob-Hero bleiben", sagte der ehemalige Weltklassepilot Christoph Langen, selbst zweimaliger Olympiasieger und achtmaliger Weltmeister.

Der umjubelte Lange stand nach seinem vierten Olympiasieg mit der schwarz-rot-goldenen Fahne um den Hals und Anschieber Kevin Kuske im Arm in der Eisrinne. (DATENCENTER: Bob-Entscheidung)

Immer wieder brüllte er seine Freude über den großen Triumph im Zweier vor seinem Teamkollegen Thomas Florschütz heraus: "Viermal Gold ist einfach nur geil!"

"Eines der Gesichter dieser Spiele"

Vier Olympiasiege hat noch kein Bob-Pilot vor Lange geschafft, zudem schloss er in der Wertung der erfolgreichsten deutschen Wintersportler bei Olympia zu den Biathleten Ricco Groß und Sven Fischer auf.

So fiel auch Biathlon-Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner dem "Michael Schumacher des Bobsports" (BSD-Vizepräsident Rainer Jacobus) liebevoll um den Hals und gratulierte herzlich zu seinem großen Coup.

"Ich bin überwältigt. Andre Lange ist ein echtes Vorbild. Er hat zu Recht unsere Fahne getragen und ist eines der Gesichter dieser Spiele", sagte DOSB-Generalsekretär Michael Vesper.

Eiserne Nerven und perfektes Material

Gleichzeitig blickte er schon einmal auf Langes letzte Dienstfahrt nach 17 Jahren im großen Schlitten: "Andre wird auch im Vierer keine Ruhe geben. Schon jetzt hat er sich ein wenig unsterblich gemacht."

Fünfmal Gold für Deutschland hat bei Winterspielen nur Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gewonnen.

Bei seinem vierten Gold (alle mit Kuske) nach seinen Olympiasiegen im Vierer (2002 und 2006) und im kleinen Schlitten (2006) spielte der achtmalige Weltmeister auf dem umstrittenen Hochgeschwindigkeitskurs in Whistler seine großen Qualitäten aus: Unglaubliches Fahrgefühl, eiserne Nerven und perfektes Material.

Einige Punkte in Flensburg

"Jeder Olympiasieg hat seine eigene Geschichte. 2002 waren wir jung und wollten die Welt erobern. In Turin hatten wir schon sehr viele Vorschusslorbeeren. Dieser Sieg war jetzt umso schwerer, weil die Erwartungshaltung so hoch war", meinte Hobby-Motorradfahrer.

Lange outete sich selber als "Speed-Junkie" und räumte ein, "einige Punkte in Flensburg" zu haben. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Vier saubere Fahrten zauberte der verheiratete Familienvater in den Eiskanal. Das musste auch Florschütz bei einem Rückstand von 0,22 Sekunden seinen Hut ziehen. (VIDEO: Die deutsche Medaillenschmiede)

"Zur Stunde null ist er da"

"Wir können uns nichts vorwerfen. Wir hatten keine Chance. Die anderen Teams werden sich aber wohl noch mehr an den Kopf greifen. Für sie war es völlig aussichtslos", sagte Florschütz nach seiner tollen Leistung mit Anschieber Richard Adjei.

Bei der anschließenden Feier im Deutschen Haus aus Anlass des ersten deutschen Bob-Doppelsieges bei Olympia seit 26 Jahren streichelte Florschütz liebevoll über den Babybauch seiner Freundin Diane.

Die Bewunderung galt aber Lange. Männerbob-Trainer Carsten Embach lobte dessen Nerven aus Stahl: "Andre ist ein Typ, der die wesentlichen von den unwesentlichen Dingen trennen kann. Am Tag X, zur Stunde null ist er da. Das ist bei allen großen Athleten so."

Ein wenig Wehmut

Aufgrund des nahenden Abschieds kam sogar bei der zumeist chancenlosen Konkurrenz ein wenig Wehmut auf.

"Es war eine Ehre, mit ihm zusammen gefahren zu sein", meinte der Schweizer Olympia-Vierte Ivo Rüegg.

Der deutsche Verbandspräsident Andreas Trautvetter hatte ebenfalls ein lachendes und ein weinendes Auge: "Dieser Erfolg ist einfach sensationell. Die Ära Lange wird leider beendet."

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