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Andy Kapp (M.) belegte mit seinem Team bei der WM 2007 den zweiten Platz © getty

Nach dem Aus zeigt sich Andy Kapp enttäuscht. Derweil haben die Frauen um Skip Andrea Schöpp noch Chancen auf das Halbfinale.

Vancouver - Lieber früh vom Eis gefegt als nur undankbarer Vierter - Deutschlands bester Curler Andy Kapp konnte dem erneuten Olympia-Aus bei aller Enttäuschung noch etwas Positives abgewinnen. (DATENCENTER: Alle Olympia-Ergebnisse)

"Vierter werden wollte ich auf keinen Fall. Man kämpft eine Woche wie ein Vergifteter, erreicht das Halbfinale und bekommt am Ende einen Blumenstrauß", sagte der Skip des CC Füssen.

Dieses Szenario blieb Kapp erspart, der K.o. aber nicht. Einen Sieg hätte der zweimalige Europameister aus Füssen im letzten Spiel gegen Weltmeister Großbritannien benötigt, um in den Medaillenkampf einzugreifen. Stattdessen setzte es eine 2:8-Pleite. Kapps nüchternes Fazit: "Wir hatten einfach nicht unsere beste Curling-Woche."

Kapp: "Bin enttäuscht"

Dass es für den 42-Jährigen mit einer Bilanz von 4:5-Siegen bei seinem dritten Start zur besten Olympiaplatzierung reichte, war nach achten Plätzen 1998 und 2006 ein schwacher Trost.

"Ich wollte ins Halbfinale und dann eine Medaille, natürlich bin ich enttäuscht", sagte Kapp. Doch er spielte schlicht und einfach zu unbeständig.

Der Grund für die mangelnde Konstanz liegt auf der Hand.

Amateure im Feld von Profis

"Wir sind nur Amateure in einem Feld von Profiteams. In Deutschland haben wir 700 bis 800 Spieler, in Kanada mehr als eine Million", erklärte Andy Kapp, der sich selbst flapsig als "Pommesverkäufer" bezeichnet.

Ihm gehören zwei Tiefkühlkostbetriebe mit 30 Mitarbeitern. Und das nächste Projekt steht an.

"Im April baue ich einen neuen Betrieb. Eine Woche vor Olympia habe ich die Finanzierung perfekt gamacht", sagt Kapp: "Das sind die Dinge, die wirklich wichtig sind. Olympia ist schön, aber davon kann ich keine Familie ernähren. "

"Curling für das Kind im Manne"

Angesichts dieser Prioritäten ist die Leistung von Kapp und Co. im Vancouver Centre durchaus hoch einzuschätzen, bezwang er doch beispielsweise die Chinesen.

"Die trainieren vor Olympia monatelang mit einem kanadischen Trainer. Die Frauen sind schon Weltmeister geworden. Das sind Profis", sagt Kapp, fügt aber hinzu: "So kann und will ich Curling aber auch gar nicht betreiben." (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Sein alleiniger Motor ist der Spieltrieb. Ein strahlendes Lächeln zieht über sein Gesicht, als er erklärt:

"Curling ist ein Spielsport. Deshalb komme ich auch nicht davon los. Das ist doch schon lustig, wenn erwachsene Männer mit Steinen spielen. Das ist was für das Kind im Manne. Das ist die Faszination."

Karriereende noch offen

Wie lange er sich seinem Spieltrieb noch hingeben und in Sachen Curling um die Welt reisen möchte, weiß Andy Kapp noch nicht.

"Das entscheide ich erst nach der WM im April in Cortina. Dann setzen wir uns zusammen und schauen, was wir machen", sagt Kapp.

Schwierig sei, alles unter einen Hut zu bringen.

"So etwas wie Olympia ist ein Projekt über mehrere Jahre. Da hängen die Frau, die Kinder und der Beruf dran. Alles muss passen", so Kapp.

25 Jahre für Deutschland

Und genau deshalb will er jetzt noch keinen Gedanken an Sotschi 2014 verschwenden. Dass das Turnier von Vancouver sein letztes olympisches war, hält er für durchaus denkbar:

"25 Jahre habe ich nun schon den Bundesadler auf der Brust. Der kennt mich schon sehr gut. Es kann durchaus sein, dass es langt."

Curlerinnen hoffen noch

Derweil haben sich die deutschen Curlerinnen die Chance auf den Einzug in die Playoff-Runde erhalten.

Mit dem 7:6 gegen Japan feierte das Team um Skip Andrea Schöpp im siebten Spiel den dritten Sieg.

Mit zwei weiteren Erfolgen gegen den Olympiazweiten Schweiz (Di., 18 Uhr LIVE) und Olympiasieger Schweden (Mi., 4 Uhr LIVE) könnten die deutschen Damen zumindest nun noch den Tiebreaker um Platz vier erreichen, der zum Einzug in die Medaillenrunde berechtigt.

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