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Uwe Krupp ist seit Dezember 2005 Bundestrainer der Nationalmannschaft © getty

Der Bundestrainer begründet die Ausbootung der beiden NHL-Stars Hecht und Schubert. Für Hecht sieht er allerdings noch eine Chance.

Essen - Mit alten Problemen und neuem Mut geht Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp die Olympischen Spiele in Vancouver an.

Terminnöte in einer Vorbereitung, die ihren Namen nicht verdient, schränken die Möglichkeiten des 44-Jährigen extrem ein. Dennoch bewies er mit dem Verzicht auf die beiden NHL-Profis Jochen Hecht und Christoph Schubert Tatkraft.

"Ich erwarte von NHL-Spielern, dass sie Führungsrollen übernehmen und Akzente setzen. Wenn sie das nicht tun, helfen sie uns nicht weiter", begründete Krupp die Nichtberücksichtigung der beiden USA-Legionäre im vorläufigen 23-köpfigen Kader für Olympia in Kanada (12. bis 28. Februar).

Enger Kontakt zu Hechts Trainer

Das Duo hatte beim WM-Debakel 2009 in der Schweiz enttäuschende Leistungen gezeigt - nicht zum ersten Mal im Trikot der Nationalmannschaft.

"Bei der Analyse nach der WM haben wir alle gleich behandelt, egal, ob einer 700 NHL-Spiele hat oder keins", sagte der einzige deutsche Stanley-Cup-Sieger beim Aktionstag des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) an der Essener Kokerei Zollverein.

Zumindest im Fall Hecht ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen. Krupp steht in engem Kontakt mit dessen Klubtrainer in Buffalo, seinem ehemaligen Verteidigerkollegen Lindy Ruff: "Er hat mir berichtet, dass Jochen zuletzt sehr stark gespielt hat."

Kampf gegen Windmühlen

Ob mit oder ohne Hecht - die NHL-Profis stoßen am 14. und 15. Februar in Vancouver zum deutschen Team, kurz vor dem Auftaktspiel am 17. Februar gegen Schweden 170201(DIASHOW: Der Kader für Olympia in Vancouver).

Dann sind die anderen Spieler schon ein paar Tage in Kanada, haben auch die Eröffnungsfeier am 12. Februar erlebt - ihre Klubs in der Heimat spielen derweil einfach weiter (Die Kader der großen Nationen).

"Eine gewisse Resignation" verspürt Krupp angesichts der ständigen Terminprobleme mit der Deutschen Eishockey Liga (DEL), die lediglich vom 17. bis 26. Februar pausiert: "Wir kämpfen gegen Windmühlen."

Testspiel für "Aussortierte"

Während die Klubs in bis zu drei Spielen auf ihre Nationalspieler verzichten, hat die Nationalmannschaft praktisch keine Olympia-Vorbereitung.

Im einzigen Länderspiel vor der Abreise nach Vancouver am 10. Februar in Frankfurt gegen Lettland wird sich nicht das Olympia-Team einspielen, sondern die Aussortierten erhalten Gelegenheit, sich für die Heim-WM (7. bis 23. Mai) zu empfehlen.

"Die Nationalspieler haben seit Anfang September keine Pause gehabt, ich werde ihnen vor Olympia eine gönnen", sagte Krupp.

Krupp beklagt fehlende Vorbereitung

Dass die Vorbereitung damit zur Farce wird, weiß der Bundestrainer. Er wiederholt unermüdlich seine Appelle an die Liga, der Nationalmannschaft mehr Zeit einzuräumen.

"Für uns geht es nur über eine eingespielte Mannschaft, die gut vorbereitet und ausgeruht ist", sagte Krupp und dachte ein wenig sentimental an seine eigene Zeit als Nationalspieler zurück: "Da haben wir uns drei, vier Wochen auf eine WM vorbereitet - und wir waren damals näher dran an der Weltspitze."

Verständnis für die DEL-Klubs

Die Argumentation der DEL-Klubs, die auf die Einnahmen angewiesen sind, kann Krupp nachvollziehen.

"Ich sehe die wirtschaftlichen Zwänge, aber mir hilft das überhaupt nicht. Wenn wir nichts tun, wurschteln wir so weiter, dann wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern."

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