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Alex Sulzer (l.) kämpt gegen den siebenmaligen NHL-All-Star Peter Forsberg © getty

Beim 0:2 gegen Schweden fehlt Christian Ehrhoff ein Zentimeter zum Glück. "The Great One" streift Schwarz-Rot-Gold über.

Vancouver - Beinahe hätte Christian Ehrhoff in seinem "Wohnzimmer" allen die Show gestohlen.

Ein Zentimeter weiter nach links, und sein Schlagschuss hätte die deutsche Nationalmannschaft gegen Olympiasieger Schweden in Führung gebracht.

Aber der Puck krachte gegen den Pfosten. "Das war der Knackpunkt", sagte der NHL-Profi von den Vancouver Canucks, dessen Olympia-Heimspiel so doch mit der erwarteten 0:2-Niederlage gegen den Topfavoriten begann.

Dennoch gab es Lob von höchster Stelle. "Uwes Jungs haben ein gutes Spiel gemacht, sie waren vor allem taktisch clever", sagte Eishockey-Legende Wayne Gretzky.

"Der Stolz kommt erst später"

In deutscher Trainingsjacke unterhielt sich "The Great One" dort angeregt mit Bundestrainer Uwe Krupp.

Ähnlich wie Gretzky sah es auch Ehrhoff. "Wir waren auf Augenhöhe", befand der Verteidiger, der von den 16.500 Fans im Canada Hockey Place mit tosendem Beifall begrüßt worden war.

Doch die grandiose Leistung gegen Gold-Anwärter Schweden zum Auftakt des größten Eishockey-Spektakels der Geschichte stellte ihn nicht zufrieden. "Im Moment überwiegt der Ärger", sagte der 27-Jährige, "der Stolz kommt erst später."

Umstrittenes Gegentor

Dabei gab es durchaus Grund, stolz zu sein. Mit 15 Olympia-Neulingen bereitete die deutsche Mannschaft den Schweden mit 19 NHL-Stars enorme Probleme und hätte sie mit etwas mehr Glück noch mehr ins Schwitzen gebracht. (Die Kader der Olympia-Teilnehmer)

Beim Stand von 0:0 lenkte zunächst Jochen Hecht die Scheibe an die Latte (21.). "Mir ging kurz 'Scheiße' durch den Kopf", sagte der NHL-Profi der Buffalo Sabres nachher, "aber das Spiel ging ja weiter" - mit Ehrhoffs Pfostentreffer (22.).

Drei Minuten später kassierte der überragende Torwart Thomas Greiss das 0:1 durch Mattias Öhlund - ein umstrittenes Tor, weil Daniel Sedin den Goalie der San Jose Sharks im Torraum behinderte.

Greis hält glänzend

So griff doch noch ein Lokalmatador entscheidend ins Spiel ein, einer der Sedin-Zwillinge, die von den Canucks-Fans noch euphorischer empfangen wurden als Ehrhoff. "Ich hätte ihnen schon gerne die Show gestohlen", sagte der Deutsche.

Eigentlich hatten Ehrhoff und Co. Vancouvers Publikumslieblinge Henrik und Daniel Sedin gut im Griff.

Der NHL-Block mit Hecht, Marco Sturm, Marcel Goc, Ehrhoff und Dennis Seidenberg kreierte viele Torchancen und zog den Rest der Mannschaft auf ein erstaunlich hohes Niveau, Greiss hielt glänzend.

Nun bitte auch punkten

Doch am Ende entschied nicht nur das fehlende Glück, sondern auch die individuelle Klasse. Alexander Sulzer, der siebte der deutschen NHL-Profis, ließ sich den Puck an der Bande abnehmen.

Nicklas Bäckström, bei den Washington Capitals Vorlagengeber für Superstar Alexander Owetschkin, tanzte die deutsche Abwehr aus, und Loui Eriksson drückte den Puck über die Linie (35.).

Dennoch war Bundestrainer Uwe Krupp zufrieden (Das Video). "Das war ein guter Start", sagte der ehemalige NHL-Star und ergänzte mit Blick auf die nächsten Spiele gegen Finnland (Sa., 6 Uhr LIVE) und Sonntag gegen Weißrussland (So., 6 Uhr LIVE): "Wir wollen noch besser spielen, um auch zu punkten." (DATENCENTER: Der Spielplan von Vancouver)

Anders als beim Rodeln

Einstweilen durfte sich Krupp, der nach dem WM-Debakel von Bern im vergangenen Jahr schwer in die Kritik geraten war, von Gretzky guten Gewissens loben lassen.

Seine Mannschaft hatte eine der besten Leistungen unter seiner Führung gezeigt, auch wenn es nicht zu einem Erfolg reichte.

"Bei uns gibt es immer auch noch einen Gegner", merkte Krupp an: "Du setzt dich nicht irgendwo drauf, fährst runter, und es ist keiner da, der dich vom Schlitten haut. Das ist bei uns anders."

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