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Jochen Hecht wechselte 2005 aus Mannheim zurück in die NHL nach Buffalo © imago

In der NHL eine feste Größe, scheitert Jochen Hecht im DEB-Team häufig als Führungsfigur. Diesmal stehen die Vorzeichen besser.

Vancouver - Jochen Hecht ist in seinem Element. Hohes Tempo, schnelle Pässe, harte Schüsse - im Zusammenspiel mit den anderen deutschen NHL-Profis blüht der Nationalspieler in Vancouver auf.

"Die Jungs sind alle auf dem gleichen Level, das Spiel ist automatisiert, man weiß, was der andere macht", sagt der 32-Jährige, der seine dritten Olympischen Spiele bestreitet.

Die Umstellung aus dem NHL-Rhythmus ist dem bestbezahlten deutschen Profi diesmal leichter gefallen.

Stadion, Eisfläche, Gegner, Mitspieler - alles ist so wie im Liga-Alltag, auch wenn es beim größten Eishockey-Spektakel der Geschichte um olympische Medaillen und nicht um den Stanley Cup geht.

Sturm-Ausfall droht

In dieser Umgebung fühlt sich der Mannheimer, der seit 1998 in der NHL eine feste Größe ist, wohl.

Bei der 0:2-Niederlage gegen Olympiasieger Schweden zum Auftakt spielte Hechts Formation mit Kapitän Marco Sturm, Center Marcel Goc und den Verteidigern Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg auf höchstem Niveau, kreierte viele Torchancen und hatte mit zwei Schüssen an das Torgestänge Pech.

Gegen Finnland (Sa., 6 Uhr LIVE) droht allerdings der Ausfall des verletzten Sturm.

Ein oder zwei können es nicht richten

Vor neun Monaten war Hecht, der in Buffalo in dieser Saison 3,8 Millionen US-Dollar verdient, noch der Sündenbock. (DATENCENTER: Der Spielplan von Vancouver)

Beim WM-Debakel in Bern ließ der Außenstürmer die geforderten Führungsqualitäten vermissen und konnte als bloßer Mitläufer den Absturz auf den 15. Platz nicht verhindern.

Es fehlten die NHL-Kollegen, alle schauten nur auf ihn. "Da haben alle durch die Bank ihre Leistung nicht abgerufen", sagt Hecht, "im Endeffekt können es nicht ein oder zwei Spieler alleine machen."

"In der Form brauchen wir ihn"

Die Quittung bekam er kurz nach Weihnachten. Als Bundestrainer Uwe Krupp den Olympia-Kader benannte, fehlte Hecht im engeren Kreis. (Die Kader der Olympia-Teilnehmer)

"Ich erwarte von NHL-Spielern, dass sie Führungsrollen übernehmen und Akzente setzen. Wenn sie das nicht tun, helfen sie uns nicht weiter", begründete Krupp seine Entscheidung.

Hecht antwortete mit starken Auftritten in der NHL, vier Tore in den ersten fünf Spielen im neuen Jahr dokumentierten eindrucksvoll seinen Aufwärtstrend.

Krupp nominierte ihn am Ende doch noch für Olympia: "In der Form der letzten anderthalb Monate brauchen wir ihn."

Öfter Teil des Desasters

In der Vergangenheit konnte Hecht der deutschen Mannschaft allerdings oft nicht helfen. Nicht nur 2009 endete seine WM-Teilnahme im Desaster.

Vier Jahre zuvor, als er unter Krupps Vorgänger Greg Poss ebenfalls Hoffnungsträger war, stürzte die Auswahl des DEB in die Zweitklassigkeit. 2004 verpasste die deutsche Mannschaft mit Hecht erstmals unter Hans Zach das Viertelfinale und beendete damit die erfolgreiche Amtszeit des "Alpenvulkans".

Und schon 1998, als der Mannheimer gerade mit den Adlern deutscher Meister geworden war, hatte die DEB-Auswahl den Klassenerhalt verpasst.

Diesmal wie 2002

Sein erfolgreichstes Turnier spielte Hecht bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City. Damals musste er nicht alleine die Verantwortung tragen, sein NHL-Kollege Marco Sturm übernahm die Führungsrolle.

Auch in Vancouver, wo die deutsche Mannschaft erstmals sieben NHL-Profis aufbieten kann, blickt nicht jeder nur auf ihn.

"Es verteilt sich auf mehrere Schultern", sagt Hecht. Ein gutes Omen: Vor acht Jahren erreichte die DEB-Auswahl das Viertelfinale.

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