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Bisher konnten deutsche Eishockey-Teams zweimal Bronze bei Olympia gewinnen © getty

Vor dem Spiel gegen Kanada macht nur deren Überheblichkeit Hoffnung. DEB-Sportdirektor Reindl zieht eine Parallele zum Fußball.

Vancouver - Vor dem Spiel der Spiele gönnte sich Christian Ehrhoff eine Auszeit in den eigenen vier Wänden. Der NHL-Profi der Vancouver Canucks nutzte den freien Tag, um zu Hause bei Ehefrau Farina und Töchterchen Lina den Olympia-Frust zu vergessen.

Dabei warf er aber dennoch ein Auge auf den nächsten Gegner - den strauchelnden Goldfavoriten Kanada.

"Ich habe mir das Spiel ganz gemütlich auf der Couch angesehen", sagte der Nationalspieler nach dem 3:5 der Gastgeber gegen die USA.

Die erste Pleite der kanadischen Starauswahl um Sidney Crosby hatte der deutschen Mannschaft im Playoff-Spiel um den Viertelfinaleinzug (Mi., ab 1.30 Uhr LIVE) den denkbar schwierigsten Gegner beschert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Vorfreude überwiegt

Dennoch überwiegt bei Ehrhoff vor dem aller Voraussicht nach letzten Olympia-Auftritt im eigenen "Wohnzimmer" die Vorfreude.

"Das wird noch mal ein absolutes Highlight", sagte der 27-Jährige, der gegen Kanada anders als in den Spielen zuvor wohl nicht auf die Unterstützung der heimischen Fans hoffen darf:

"Wir spielen gegen die rote Wand aus Zuschauern und Spielern, das wird etwas ganz Besonderes." (Die Kader der Olympia-Teilnehmer)

"Das ist bitter"

Andere Nationalspieler nahmen die Nachricht vom prominenten Gegner weniger freudig auf.

"Das ist bitter", sagte der Berliner Sven Felski, wohl wissend, dass die vierte Niederlage im vierten Spiel und damit das schlechteste Olympia-Ergebnis der deutschen Eishockey-Geschichte kaum zu vermeiden sein werden.

"Das wird zwar ein schönes Erlebnis", sagte NHL-Verteidiger Dennis Seidenberg, "aber ein anderer Gegner, gegen den wir eher gewinnen können, wäre mir lieber gewesen."

Noch keine Eishockey-Feste

Die Kanadier, die bislang ihren Fans noch nicht die erwarteten Eishockey-Feste bescherten, sehen die Deutschen nur als Sparringspartner vor dem fest eingeplanten Viertelfinale am Mittwoch gegen Weltmeister Russland. (Slowakei blamiert Owetschkins Starensemble)

"Ich hasse es zu sagen, aber ein Spiel mehr ist genau das, was wir brauchen", sagte Torhüter Martin Brodeur: "Es gibt Sachen, an denen wir arbeiten müssen, und dieses Spiel gibt uns diese Möglichkeit."

Und auch Superstar Crosby nahm die nicht eingeplante Partie locker:

"Dass wir ein Extra-Spiel haben, ist nicht schlimm", sagte er und gab zu, den Gegner überhaupt nicht zu kennen: "Ich weiß nichts über sie, ich habe sie noch nie gesehen."

Großer Druck für Ahornblätter

Genau daraus beziehen Ehrhoff und Co. ihre Hoffnung.

"Alle gehen davon aus, dass sie gewinnen", sagte der Lokalmatador, "vielleicht unterschätzen sie uns ja."

Dass die hohen Erwartungen im Eishockey-Mutterland eher lähmen als beflügeln, zeigte die Niederlage der Dollar-Millionäre gegen die junge US-Mannschaft.

"Man hat gespürt, dass der Druck wohl zu groß für die Kanadier war", stellte Abwehrspieler Michael Bakos fest, der mit einigen Teamkollegen die Partie auf der Tribüne des Canada Hockey Place verfolgte.

DEB-Team sucht Abstand

Die anderen suchten nach drei Vorrundenniederlagen und dem enttäuschenden elften Platz im Gesamtklassement am trainingsfreien Sonntag Abstand vom Eishockey.

Jochen Hecht machte mit seiner Familie einen Ausflug auf Vancouvers Hausberg Grouse Mountain, Seidenberg und John Tripp schlenderten mit Freunden durch Vancouver, andere nutzten die Zeit zum Shopping.

"Wie ein Pokal-Fight"

Am Montagmittag begann wieder die Arbeit auf dem Eis - und die Einstimmung auf eine Aufgabe, die eigentlich unlösbar ist.

"Es ist wie ein Pokalfight für uns", sagte DEB-Sportdirektor Franz Reindl und ergänzte:

"Wir haben immer noch das Potenzial, einem Großen ein Bein zu stellen, wir müssen nur daran glauben."

Der Blick in die Vergangenheit macht allerdings wenig Mut: 13-mal spielte eine deutsche Mannschaft bei Olympia gegen Kanada, 13-mal verlor sie.

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