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Shakehands mit dem klaren Sieger: Dimitri Pätzold und Scott Niedermayer © getty

Nach der Packung gegen Kanada und dem schlechtesten Olympia-Ergebnis beklagen die Deutschen eine falsche Erwartungshaltung.

Vancouver - Als das ungleiche Duell mit den kanadischen Superstars bei Olympia endlich vorbei war, kämpften die deutschen Eishockey-Spieler verzweifelt um ihren Ruf.

"Manche sagen, wir seien dritt- oder viertklassig, aber so schlecht sind wir nicht", sagte Stürmer Michael Wolf nach dem deprimierenden 2:8 (0:1, 1:3, 1:4) gegen Sidney Crosby und Co. trotzig.

Und Verteidiger Korbinian Holzer ergänzte: "In Deutschland gibt es falsche Vorstellungen. Manche haben die Erwartung, dass wir hier die Weltelite beherrschen und eine Medaille holen, das kann ich nicht verstehen."

Die Realität in Vancouver sah ganz anders aus: Beim Turnier der Besten blieb der deutschen Mannschaft bis zum frühen Abschied nur eine Statistenrolle.

Platz elf ohne einen einzigen Punkt in vier Spielen bedeutete trotz prominenter Besetzung mit sieben NHL-Profis das schlechteste Olympia-Ergebnis; fünf Tore waren die schwächte Ausbeute aller Teams.

"Ganz okay gespielt"

Dennoch fühlen sich die Verlierer in der Heimat falsch beurteilt.

"Wenn wir schlecht gespielt hätten, könnte man sagen, es war eine Katastrophe", sagte NHL-Profi Dennis Seidenberg, "aber wir haben ganz okay gespielt."

Die Resonanz zu Hause, vor allem aber die teilweise sehr kritischen Kommentare bei den Live-Übertragungen im Fernsehen, hatten die Spieler verärgert. "So, wie das rüberkam, waren das Tiefschläge für die Mannschaft", sagte Franz Reindl, Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), und sprach von einem "Schlag ins Gesicht".

Keine Werbung für die Heim-WM

Die erhoffte Werbung in eigener Sache für die Heim-WM (7. bis 23. Mai) betrieb die auf dem Papier so stark wie nie zuvor besetzte Mannschaft jedenfalls nicht.

Die Kanadier mit Jahresgehältern von insgesamt 123,6 Millionen US-Dollar, die nach der 3:5-Pleite gegen die USA mit viel Wut im Bauch spielten, zeigten der DEB-Auswahl noch einmal gnadenlos die Grenzen auf.

Hätte NHL-Torwart Thomas Greiss nicht vor allem im ersten Drittel so hervorragend gehalten, wäre die 14. Niederlage im 14. olympischen Duell mit dem Eishockey-Mutterland noch deutlicher ausgefallen.

Greiss entzaubert Volksheld Crosby

"Es war ein langer Abend", sagte der Goalie der San Jose Sharks sichtlich geschafft, nachdem er vor 17.723 Zuschauern im Canada Hockey Place insgesamt 39 Schüsse aufs Tor bekommen hatte.

Bis zum 0:1 durch seinen Klubkollegen Joe Thornton (11.) hielt er seinen Kasten sauber.

Nach dem glatten Durchschuss von Shea Weber durch das Tornetz, der erst nach Ansicht der Fernsehbilder als Treffer Anerkennung fand (23.), und dem Doppelschlag von Jarome Iginla (24. und 29.) entzauberte Greiss sogar Kanadas Volkshelden Crosby, der mit einem Penalty scheiterte (32.).

Schwindelig gespielt

Doch nach Marcel Gocs 1:4 per Bauerntrick (37.) brach das Unheil über Greiss herein: Crosby (42.), Mike Richards (47.), Scott Niedermayer (52.) und Rick Nash (57.) schlossen zum Teil Schwindel erregende Kombinationen erfolgreich ab.

Manuel Klinges 2:8 (59.) störte die feiernden Fans nicht mehr, die bereits lautstark den nächsten Gegner forderten: "Wir wollen Russland!"

Krupp sucht nach Positivem

Nach dem zweiten enttäuschenden Olympia-Ergebnis unter seiner Regie bemühte sich Bundestrainer Uwe Krupp, Positives mit auf den Rückflug am Donnerstag zu nehmen.

"Ich glaube schon, dass die Spieler von solchen Spielen profitieren", sagte der ehemalige NHL-Profi, der 2006 in Turin mit dem Team Platz zehn erreicht hatte, "vor allem für die Jungen ist es eine gute Sache."

Allerdings gab der längst nicht mehr unumstrittene Coach auch zu, dass er mit dem Auftritt in Vancouver nicht zufrieden war: "Mal waren wir in der Abwehr gut, mal im Angriff, mal waren unsere Torhüter gut - aber alles zusammen zum richtigen Zeitpunkt haben wir nicht hinbekommen."

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