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Roberto Luongo wechselte 2006 von den Florida Panthers zu den Vancouver Canucks © getty

Vor dem Endspiel strotzen die US-Amerikaner vor Selbstbewusstsein. Aber auch die Kanadier wähnen sich "noch lange nicht am Ziel".

Vancouver - Als Roberto Luongo neun Sekunden vor Schluss den letzten Schuss mit einem schier unglaublichen Reflex abwehrte, brachen alle Dämme.

Die 17.799 Fans rissen die Arme hoch und schrien ihre Erleichterung hinaus, ein langgezogenes "Luuuh" erfüllte den Canada Hockey Place, die Schlusssirene ging im ohrenbetäubenden Jubel unter.

Der Lokalmatador der Vancouver Canucks hatte den 3:2 (2:0, 1:0, 0:2)-Zittersieg des Goldfavoriten Kanada gegen die Slowakei festgehalten und das Traumfinale gegen die USA perfekt gemacht.

"Das war verdammt knapp", sagte Superstar Sidney Crosby.

"Wir wollen die USA, wir wollen Gold"

Und Pavol Demitra, der den letzten Schuss auf seinen Klubkollegen Luongo abgegeben hatte, war fassungslos: "Ich kann nicht glauben, dass er den gehalten hat. Irgendwie hat er seine Fanghand noch dran gekriegt", sagte der Stürmer der Vancouver Canucks, der in seiner Wahlheimat beinahe zum Partyschreck geworden wäre.

"Wir wollen die USA, wir wollen Gold", hatten die euphorisierten Fans schon zehn Minuten vor dem Ende des Halbfinales gerufen.

Ausgerechnet Luongo patzt

Sie waren sich absolut sicher, dass ihnen nach den Toren von Patrick Marleau (14.), Brenden Morrow (16.) und des überragenden Ryan Getzlaf (37.) niemand mehr den krönenden Abschluss der Olympischen Spiele am Sonntag (ab 21.15 Uhr LIVE) nehmen könnte.

Doch dann begann das Zittern. Ausgerechnet Publikumsliebling Luongo patzte. Einen Schuss von Lubomir Visnovsky, der hinter der kanadischen Grundlinie abgezogen hatte, lenkte der Stargoalie ins eigene Tor (52.).

Als dann auch noch Michal Handzus für den Weltmeister von 2002 auf 2:3 verkürzte (55.), ging plötzlich die Angst um.

Olympia-Sieg nur "mit bester Leistung"

Minutenlang schwiegen die Fans ungläubig, dann donnerten wieder die "Go, Canada, Go"-Rufe durch die Arena.

"Wir haben es ins Finale geschafft, aber wir sind noch lange nicht am Ziel", sagte Verteidiger Chris Pronger mit Blick auf die Neuauflage des Endspiels von 2002.

"Die USA spielen mit sehr viel Selbstvertrauen. Wir müssen unsere beste Leistung abrufen, um dieses Turnier zu gewinnen."

Sechs Stunden zuvor hatten die Amerikaner mit einer berauschenden Eishockey-Gala ihre Ambitionen auf ihr erstes Olympia-Gold seit dem "Miracle on Ice" vor 30 Jahren unterstrichen.

Für Finnen Selänne "ein Alptraum"

Beim berauschenden 6:1 (6:0, 0:0, 0:1) führte das Team um Jungstar Patrick Kane den Turin-Zweiten Finnland im ersten Drittel derart vor, dass Olympia-Rekordscorer Teemu Selänne völlig am Boden zerstört war. (DATENCENTER: Die Turnier von Vancouver)

"Ich war noch nie in einem Spiel, in dem nach sieben Minuten schon alles vorbei war", sagte der 39-Jährige, der seine fünften Olympischen Spiele bestreitet, "es war niederschmetternd - ein Albtraum."

Nah am Olympia-Rekord

Ryan Malone (3.), Zach Parise (7.), Erik Johnson (9.), Kane (11. und 13.) und Peter Stastny (13.) schossen die Treffer gegen die bemitleidenswerten Finnen.

Nur zwei Tore fehlten zum Olympia-Rekord der Sowjetunion, die 1980 gegen Japan (16:0) und die Niederlande (17:4) im ersten Drittel jeweils acht Treffer erzielt hatte.

"Wir haben eine Medaille sicher, aber wir sind hergekommen, um Gold zu gewinnen", sagte Kane.

In Lake Placid 1980 hatten die Amerikaner zuletzt bei Olympia triumphiert - mit einer Mannschaft unbekannter College-Spieler, die die übermächtige Sowjetunion entzauberten und für eine der größten Sensationen der Sportgeschichte sorgten.

Schwarzer Tag für Goalie Kiprusoff

Die Finnen, mit gleich 15 Silbermedaillengewinnern von Turin angereist, hatten den Amerikanern das 1:0 nach nur 124 Sekunden praktisch auf dem Silbertablett serviert: Torhüter Miikka Kiprusoff spielte die Scheibe Malone direkt auf den Schläger, der ins leere Tor einschoss.

Auch beim dritten und vierten Gegentreffer sah der Goalie der Calgary Flames nicht gut aus, nach 10:08 Minuten war sein Arbeitstag bereits beendet - und Finnlands Hoffnung auf das erste Olympia-Gold im Eishockey zerstört.

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