Olympia macht Sport1.de-Kolumnist Erich Goldmann Lust auf die WM in Deutschland. Er erklärt, was Kanada zum Sieg verhalf.

Hallo Eishockey-Freunde,

das Finale hätte durchaus auch aus der Feder eines Hollywood-Drehbuch-Autors stammen können.

Ausgerechnet Sidney Crosby, der Held, der Hoffnungsträger der Kanadier, der das gesamte Turnier nie so den Stempel aufgedrückt hat, wie es viele von ihm erwartet hatten, schießt das entscheidende Tor zum Olympia-Gold der Ahornblätter. 208497(DIASHOW: Das Traumfinale)

Aber hier erkennt man auch die richtig großen Spieler, die genau dann zur Stelle sind.

Das Finale hat das gehalten, was es versprochen hat. Eine sehr aggressive, temporeiche Begegnung mit vollem Risiko von beiden Seiten.

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Im Finale standen sich auch die Akteure gegenüber, die das Turnier geprägt haben. Auf Seiten der Amerikaner waren das Keeper Ryan Miller, der zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, Verteidiger Brian Rafalski und ihr Topscorer Zach Parise.

Bei den Kanadiern hingegen war es die Ausgeglichenheit, die Tiefe des Kaders. Die waren so gut besetzt, dass immer einer das entscheidende Tor schießen kann. Bestes Beispiel hierfür ist wie oben bereits genannt Crosby, von dem im Turnier nicht so viel zu sehen war.

Dieser Aspekt, die Erfahrung und der Heimvorteil haben den Ausschlag zu Gunsten der Kanadier gegeben.

Wer mich überrascht hat, waren die Slowaken. Die Slowaken sind sicherlich eine starke Mannschaft, haben das bei den letzten Turnieren aber selten gezeigt. Diesmal stellen sie mit Demitra und Hossa sogar die beiden besten Scorer.

Wenn wir schon bei den Statistiken sind, müssen wir festhalten, dass ausgerechnet eine so genannte kleine Nation mit den Schweizern das beste Powerplay des Turniers aufweist.

Dagegen sieht es bei uns ganz anders aus. Die deutsche Mannschaft weist hingegen das schwächste Überzahl- als auch Unterzahlspiel auf.

Allerdings möchte ich auch noch ein paar positive Aspekte der deutschen Mannschaft herausgreifen. Marcel Goc und Dennis Seidenberg haben mir sehr gut gefallen. Goc erhält meist weniger Aufmerksamkeit als die anderen NHL-Spieler wie Sturm und Hecht.

Marcel Müller hat bei seinem ersten richtig großen Turnier ebenfalls eine sehr gute Rolle gespielt. Er wurde viel in Unterzahl eingesetzt, und hat seine Aufgabe sehr gut erledigt.

Was mir nicht gefallen hat, war der Modus. Nicht jeder hat ihn verstanden und dazu war er nicht sinnvoll, wie man das bei dem erneuten Aufeinandertreffen im Playoff-Spiel zwischen Tschechien und Lettland gesehen hat.

Den Kanadiern hat der Modus hingegen geholfen. Erst dadurch wurden sie ins Turnier geführt. Sie sind die Vorrunde recht locker angegangen und haben sich erst gegen uns in einen Rausch gespielt, den sie ins Endspiel mitgenommen haben.

Für das Turnier war es eine unheimliche Bereicherung, die NHL-Spieler an Bord zu haben. Es war eine Möglichkeit, auf internationaler Ebene die Qualität des Eishockeysports zu zeigen. Das Turnier war die beste Werbung fürs Eishockey.

Daher kann mein Appell an NHL-Commissioner Gary Bettman auch nur sein, bei den nächsten Spielen in Sotschi die Spieler abzustellen, zumal Russland eine Nation ist, die sich unglaublich für Eishockey begeistert.

Man sieht auch an der Reaktion von Alexander Owetschkin, der ja gesagt hat, dass es ihm egal ist, ob die NHL-Spieler abgestellt werden oder nicht, er wird auf jeden Fall dabei sein, welchen Stellenwert Olympia bei den NHL-Stars hat.

Ich hoffe Ihr hattet ebenfalls so viel Freude an dem Olympischen Turnier wie ich und bereits jetzt freue ich mich auf die Eishockey-WM in Deutschland.

Bis dahin,

Euer Rick Goldmann

Erich Goldmann, 33, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele.

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