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Savchenko/Szolkowy belegten vor vier Jahren in Turin den sechsten Platz © getty

Aljona Savchenko und Robin Szolkowy stehen vor dem Wettkampf ihres Lebens. Trainer Ingo Steuer macht Dampf - nur Gold zählt.

Aus Vancouver berichtet Gregor Derichs

Vancouver - Ingo Steuer erspähte die Konkurrenz beim Training. Sein Weltmeisterpaar Aljona Savchenko und Robin Szolkowy hatte den Trainer im Pacific Coliseum schon voll überzeugt, bevor die Chinesen die Halle betraten.

Steuer entschloss sich, dass seine Schützlinge alle Eiskunstlauf-Register ziehen sollten. Es folgte ein kleiner Psycho-Krieg in der an Konflikten gewöhnten Branche der Kufenkünstler.

Die Trainingseinheit am Donnerstag nutzte Steuer, um den Chinesen zu demonstrieren, dass seine dreimaligen Europameister die Schwächephase überwunden haben und in Gold-Form sind. (DATENCENTER: Der Olympia-Zeitplan)

"Ich verlange von meinen Sportler, dass sie den anderen zeigen, dass sie eine unheimlich harte Konkurrenten sind. Ich verlange ein sicheres Programm, ich verlange sichere Elemente, ich verlange sicheres Auftreten", sagte der 43-Jährige.

Steuer: "Nur Gold zählt"

Steuer griff auch in die psychologische Trickkiste, um seine Lieblinge vor dem großen Tag anzustacheln. Für ihn und sein Paar geht es am Montag nur um Gold, Silber wäre eine Enttäuschung.

Die letzte Medaille für den deutschen Eiskunstlauf holte Steuer selbst 1998 in Nagano mit dem Paarlauf-Silber mit Mandy Wötzel.

Gold als Trainer, das wäre für ihn, Aljona und Robin die Krönung. Es wäre der erste Olympiasieg eines deutschen Paars seit 1952. 202273(Diashow: Deutschlands Gold-Hoffnungen)

Selbst den legendären Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler blieb der ganz große Triumph versagt. Bei Olympia in Vancouver findet für Aljona Savchenko/Robin Szolkowy der Wettkampf ihres Lebens statt.

Konkurrenz aus China

"Die großen Konkurrenten aus China haben uns beobachtet. Es war ganz wichtig, dass wir ganz stark aufgetreten sind", zeigte sich Steuer zufrieden nach der Vorführung.

Nach der frühen Ankunft vor sechs Tagen in Vancouver, in denen sehr hart trainiert wurde, hatte der 43-Jährige salopp erklärt: "Wir konzentrieren uns auf das Spiel und holen das Ding."

Eine chinesische Journalistin wollte deswegen wissen, wie das Ding denn aussehe. "Wenn ich das Ding sage, dann ist die Goldmedaille gemeint. Wir sind Weltmeister, das heißt, wir haben die Chance, Gold zu holen."

Mit Anlaufschwierigkeiten in die Olympia-Saison

Vor einem Jahr hätte wohl jeder die große Favoritenstellung der Deutschen bestätigt, doch plötzlich ? ausgerechnet in der Olympia-Saison ? litt die Dominanz.

Die absolute Überlegenheit der Chemnitzer aus den vergangenen beiden Jahren hatte Schaden genommen. Zunächst klappte die Kür des Gespanns nicht mehr, was zu einem Musikwechsel zum fortgeschrittenen Saisonzeitpunkt im Oktober führte.

Dann wurde Aljona von einer schweren Grippe beeinträchtigt. Als es langsam wieder bergauf ging, folgten die ernüchternden Niederlagen.

Den zurückgekehrten Ex-Weltmeister Shen Xue und Zhao Hongbo aus China und deren Landsleuten Pang Qing und Tong Jian unterlagen die Weltmeister beim Grand-Prix-Finale in Tokio im Dezember.

Niederlage bei der EM

In Europa konnten Savchenko/Szolkowy lange auf die Konkurrenz herabschauen, doch im Januar mussten sie sich den Russen Yuko Kawaguchi und Alexander Smirnow bei der Europameisterschaft in Tallinn geschlagen geben.

Doch von einer Flaute ist keine Rede mehr. Die zur Schau gestellte Zuversicht von Steuer haben Aljona, die gebürtige Ukrainerin, und Robin, der einen afrikanischen Vater hat, übernommen.

"Wir haben Silber bei der EM gewonnen, nicht Gold verloren", sagt der Trainer. "Wir haben eigentlich nichts als richtig krassen Rückschlag empfunden. Richtig ist, dass wir nicht alle Wettbewerbe gewonnen haben. Wir haben zweiten und dritten Platz gemacht und dann haben wir uns gesagt, wir blicken nach vorne", erklärte Robin Szolkowy.

"Können mit Druck umgehen"

Druck spüre er ebenso wenig wie seine Partnerin. "Wir sind relaxte Typen und können mit dem Druck umgehen. Wenn das nicht so wäre, müssten wir uns einschließen."

Aljona Savchenko, die sich früher oft zurückhielt, weil sie meint, ihr Deutsch sei nicht gut genug, taute regelrecht auf nach dem Training am Donnerstag. Das weiche Eis in der Halle löste den Tauprozess der kühlen Blonden aus.

"Das Eis ist wirklich komisch. Es klebt, du willst laufen, aber es läuft nicht wie zu Hause", schilderte sie die Schwierigkeiten mit der Bühne für die geplante Gala. Die Eisbedingungen sind von Halle zu Halle verschieden.

"Es liegt am Wasser und an der Temperatur", erläuterte Aljona die Grundlagen der Glaziologie. Sie sprach bei den Kanadiern vor, damit die das Eis besser aufbereiten.

Eis bereitet Probleme

Doch das 13.000 Zuschauer fassende Pacific Coliseum wird für zwei Sportarten genutzt, die nicht recht zusammenpassen. "Die haben Probleme mit den Shorttrackern. Die brauchen acht Grad, wir vier. Das kann man nicht so schnell verändern."

Aber mit dem stumpfen Eis müssten alle leben, auch die Konkurrenz aus China, meinte Aljona, die mit ihrem Partner 2006 Platz sechs belegte.

WM-Titel als krönender Abschluss

In Turin will das Paar, wieder angetrieben von Steuer, im März ihren dritten WM-Titel in Serie feiern. Danach könnte der Schlussgong erklingen, aber diese Entscheidung lassen die sechsmaligen deutschen Meister noch offen.

Ihren Spaß hatte das Paar in Vancouver wegen der Meldungen, Szolkowy habe beim Training durch eine Kufe von Savchenko eine böse Schnittwunde an der Hand erlitten.

"Meine Mama hat deshalb ganz besorgt angerufen und wollte wissen, ob er ich schon auf dem Weg zu Topärzten in Deutschland wäre. Dabei hat es nicht einmal geblutet. Es war ein Kratzer wie vom Spielen mit einer Katze."

Der Teamarzt hätte nicht einmal fünf Sekunden einen Blick auf die Hand geworfen.

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