vergrößernverkleinern
Die Berlinerin Jenny Wolf feierte seit 1999 im Weltcup stolze 45 Siege © getty

Die Topfavoritin auf Olympia-Gold schwächelt bei der Sprint-WM und vertändelt Silber. Jenny Wolf hält am hohen Ziel fest.

Obihiro - Die Topfavoritin auf Olympia-Gold wird zur Wackelkandidatin:

Nachdem Jenny Wolf zum Abschluss der Eisschnelllauf-Sprint-WM in Obihiro auch noch die schon sicher geglaubte Silbermedaille aus den Händen gegeben hatte, saß die völlig erschöpfte Berlinerin minutenlang auf einer Bank im Innenraum des Tokachi-Ovals und musste erstmal durchschnaufen.

Am Ende reichte es bei der Generalprobe vier Wochen vor Vancouver immerhin noch zu Bronze und am zweiten Tag des Vierkampfes auch noch zu einem Sieg über ihre Spezialstrecke 500 m.

Weit entfernt von jüngster Dominanz

Wolf ließ jedoch beim Triumph der erst 20-jährigen Südkoreanerin Lee Sang-Hwa in Abwesenheit von Titelverteidigerin Wang Beixing, Ex-Weltmeisterin Anni Friesinger und zahlreicher weiterer Weltklasse-Sprinterinnen die beeindruckende Dominanz der vergangenen Monate vermissen.

Dennoch rückte sie nicht einen Zentimeter von ihrem großen Ziel ab: "Ich weiß, ich kann noch schneller werden. Ich muss jetzt nur locker bleiben und technisch ein bisschen besser werden, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Ich habe die letzten drei Jahre alles gewonnen, bin Weltrekordhalterin - ganz klar, das Ziel bleibt die Goldmedaille in Vancouver." Mit Bronze in Obihiro sei sie "zufrieden".

Von der traumwandlerischen Sicherheit, mit der sie im Verlauf der Saison sechs Weltcup-Erfolge eingefahren und einen Weltrekord aufgestellt hatte, war sie aber auch bei ihrem 500-m-Sieg am Sonntag in für sie mäßigen 38,24 Sekunden weit entfernt.

Polster von 1,16 Sekunden vertändelt

"Ich habe mich auch ein bisschen gewundert. Unterwegs dachte ich, heute wirds schnell, aber dann war es hinten raus doch zu langsam", sagte Wolf nachdenklich.

Zumindest verhinderte der Streckensieg, dass sie erstmals seit drei Jahren bei 500-m-Wettkämpfen dreimal nacheinander nicht ganz oben auf dem Treppchen stand.

Dass sie im Abschlussrennen über die ungeliebten 1000 m trotz eines Polsters von 1,16 Sekunden noch die Silbermedaille an die Japanerin Sayuri Yoshii verlor, verwunderte auch Wolf. Vor dem Rennen hatte sie noch von einem Vorsprung gesprochen, "den ich gut kontrollieren kann".

Trainer Schubert nimmts gelassen

Doch ausgepowert von der über 20-stündigen Anreise und dem Jetlag, ging der 30-Jährigen auf der zweiten Runde die Puste aus.

Auch Wolfs Trainer Thomas Schubert nahms gelassen. "Ich wollte hier zwei gute 500-m-Läufe sehen, die möglichst mit einem Sieg enden sollten. Das hat nicht ganz funktioniert", sagte der Berliner mit Blick auf Jenny Wolfs Niederlage am Samstag gegen

Lee: "Aber am zweiten Tag habe ich gesehen, dass es aufwärts geht und zwar genau dahin, wo wir hinmüssen."

Die Entscheidung, die Japan-Odysee ins Programm zu nehmen, verteidigte er vehement: "Dieser Wettkampf musste einfach sein, Alternativen gab es nicht. Natürlich wäre uns allen eine WM in Europa lieber gewesen."

Ein Schritt - ein Sturz

Auch für alle anderen Deutschen in Obihiro verlief die WM nicht nach Plan. Monique Angermüller belegte den hervorragenden zweiten Platz im ersten 1000-m-Rennen, stürzte aber über 500 m.

Die Erfurterin Judith Hesse trat leicht angeschlagen am zweiten Tag gar nicht mehr an und reiste damit 8000 Kilometer weit für insgesamt zwei Rennminuten.

Den Vogel schoss Samuel Schwarz ab. Der Berliner ging nach seinem überraschenden dritten Rang im ersten 1000-m-Lauf völlig euphorisiert in den zweiten, fiel schon nach dem ersten Schritt auf die Nase und verschenkte damit eine mögliche Top-Acht-Platzierung im Gesamtklassement.

"Das ist schon bitter, aber besser hier als bei Olympia", sagte Schwarz. Souveräner Weltmeister wurde der Südkoreaner Lee Kyou-Hyuk, der zu dritten Mal nach 2007 und 2008 den Titel holte.

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel