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Jenny Wolf war schon viermal Weltmeisterin, hat aber noch keinen Olympiasieg erreicht © getty

Jenny Wolf ist die Favoritin über 500 Meter. Beim letzten Test liegt sie vorne. Gegen Nervenflattern hat sie ein simples Rezept.

Richmond - Plötzlich war das Kribbeln wieder da, doch Jenny Wolf schüttelte es einfach ab.

"Ich darf mir nicht zu viele Gedanken machen, sonst fällt mir wieder ein, dass Olympische Spiele nur alle vier Jahre stattfinden", sagte die haushohe Favoritin nach ihrer perfekten Generalprobe sechs Tage vor dem Angriff auf Gold.

Bis dahin will Jenny Wolf ein verblüffend einfaches Rezept gegen Lampenfieber und die Angst vor dem Außergewöhnlichen befolgen:

"Ich breche die Sache hier auf zwei 500-m-Rennen herunter, und diese Situation kenne ich dann wieder aus dem Effeff." (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Bestzeit im Testrennen

Das Testrennen, das die Berlinerin am Mittwoch ins Eis des Richmond Ovals hämmerte, war wie ein Schlag in die Magengrube für alle Konkurrentinnen.

37,91 Sekunden benötigte Wolf und blieb nur 19 Hundertstel über ihrem Bahnrekord. Die ersten 100 Meter lief sie in 10,19 Sekunden, so schnell wie keine ihrer Konkurrentinnen es derzeit könnte. (DATENCENTER: Alle Wettbewerbe)

Dabei lief noch lange nicht alles nach Plan. "Das Eis war nicht perfekt. Ich habe Energie und Vortrieb verloren, weil ich zu hart reintreten musste", sagte Wolf.

Sprint ist ihre Welt

Der pure Sprint ist ihre Welt, damit kennt sich auch ihr Körper aus. Entspannt lachend erzählt die 31-Jährige, dass es nur in den Muskeln zwickt, wenn sie langsam und entspannt läuft.

"Ich bin perfekt adaptiert. Im Rennen habe ich keine Probleme." (Service: Der deutsche Kader)

Bis zum kommenden Dienstag, wenn zwei Läufe und weniger als 76 Rennsekunden Triumph oder Tragik bringen werden, verbannt sie alles aus ihrem Leben, was den Gang der Dinge stören könnte. "Jeder Tag ist Routine", sagt Wolf.

Bloß keine Aufregung

Etwas Techniktraining, leichte Sprinteinheiten, den Sonntag nennt sie den "unspezifischen Tag", an dem sie lange schlafen will und nur etwas Kraft- und Radrollentraining den Körper auf das Rennen einstimmen sollen.

Ob sie am Freitag zur Eröffnungsfeier gehen wird, weiß sie noch nicht. Aufregung kann sie nicht gebrauchen.

Klare Olympia-Favoritin

Der Druck, den sie zu beherrschen versucht, ist hausgemacht. Mit zwei einfachen Sätzen hatte sie sich schon Mitte November sportartenübergreifend zur größten deutschen Olympia-Favoritin ernannt.

"Wenn man es rational betrachtet, kann nichts anderes herauskommen als Gold. Ich müsste schon eine Menge falsch machen", sagte sie nach ihrem souveränen Doppelsieg beim Weltcup in Heerenveen.

Niemand legte ihr das als Überheblichkeit aus, denn zu eindeutig hat die Weltrekordlerin und Weltmeisterin die Konkurrenz über Jahre hinweg beherrscht: "Es würde mir niemand abnehmen, wenn ich über etwas anderes reden würde als über Gold."

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