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Stephanie Beckert debütierte im Jahr 2006 im Weltcup © getty

Mit ihrem phänomenalen Spurt zu Silber feiert Stephanie Beckert ein stärkeres Olympia-Debüt als Gunda Niemann-Stirnemann.

Richmond - Im Moment, in dem Stephanie Beckert zu einem gewaltigen Freudensprung ansetzte, verneigte sich auch ihr großes Idol.

Gunda Niemann-Stirnemann jubelte auf der Tribüne des Richmond Oval mit und fasste Beckerts Schlussspurt zu Silber im 3000-m-Rennen mit einem Wort zusammen: "Sensationell."

Für Beckert begann nach ihrem grandiosen Olympia-Debüt ein Medien-Marathon, den die schüchterne 21-Jährige etwas angespannt, aber mit Bravour meisterte. (Beckert im Video)

"Das alles ist der Wahnsinn", sagte die Erfurterin immer wieder, "so richtig glauben kann ich es noch nicht".

Mit Stolz in der Stimme

Nur Top-Favoritin Martina Sablikova war zu stark für Beckert gewesen.

Die Kanadierin Kristina Groves, die im direkten Duell vor der Schlussrunde eine Sekunde Vorsprung hatte, verdrängte sie mit ihrem Turbo-Finish noch auf den Bronzerang (DATENCENTER: 3000-m-Frauen).

"Ich habe gezittert, aber es hat noch gereicht", sagte Beckert mit Stolz in der Stimme.

Anschütz-Thoms fassungslos

Wenige Meter weiter stand Daniela Anschütz-Thoms und versuchte vergeblich, Wut und Fassungslosigkeit über die drei Hundertstel, die ihr zu Bronze fehlten, zu unterdrücken.

"Ich habe die Scheiße einfach an der Backe kleben", sagte die 35 Jahre alte Team-Olympiasiegerin, der ein ganz großer Einzel-Erfolg in ihrer 14-jährigen Karriere bislang verwehrt blieb.203515(DIASHOW: Tag drei in Vancouver)

Diesmal lag sie bis zur letzten Runde auf Silberkurs, erwartete "nach einem Superrennen" eine Zwei oder eine Drei auf der Anzeigetafel zu sehen - "es war die Vier, und das war unglaublich bitter".

DESG-Chef tröstet die Unterlegene

Noch am Abend bei der Pressekonferenz im Deutschen Haus, als sie mit Leichenbittermiene neben ihrer strahlenden Trainingspartnerin saß, sprach sie von einem "schwarzen Tag".

Auch DESG-Präsident Gerd Heinze verlor Anschütz-Thoms bei aller Freude über Beckert nicht aus den Augen. "Natürlich ist das grandios, was Stephanie geleistet hat. Aber mein Respekt für Daniela ist genauso groß."

Talent liegt in der Familie

Derweil begann in Erfurt bereits die große Party im Hause Beckert, der größten Talentschmiede des deutschen Eisschnelllaufs.

Vater Detlef, Mutter Angela und vier ihrer fünf Geschwister, gratulierten am Telefon.

Ihr Bruder Patrick, der bereits am Samstag über 5000 m sein Olympiadebüt gefeiert (Platz 22) hatte, konnte sie persönlich beglückwünschen. Auch die 15-jährige Jessica und der 13-jährige Pedro gehören zum Top-Nachwuchs in Deutschland.

"Stephanie ist unsere Zukunft"

"Alle sind wahnsinnig stolz und glücklich zu Hause, ich vermisse sie sehr", sagte Beckert, die ein Poster von Rekord-Weltmeisterin Niemann-Stirnemann im Zimmer hängen hat.

Auch "Wunder-Gunda" war bei ihrem Olympia-Debüt 1988 in Seoul 21 Jahre alt, holte aber nur zwei siebte Plätze.

Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein schaffte es bei ihrem Einstand 1992 in Albertville "nur" zu Bronze. "Stephanie ist unsere Zukunft", hatte DESG-Boss Heinze schon vor den Spielen gesagt.

Beeindruckte Siegerin

Nun will Beckert, die seit wenigen Wochen von Anni Friesinger-Postmas Manager Klaus Kärcher betreut wird, Olympia "nur noch genießen".

Weitere Großtaten will sie nicht prophezeien: "Ich werde die 5000 Meter jetzt locker angehen." (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Doch selbst Siegerin Sablikova sieht Beckert längst als Bedrohung Nummer eins: "Stephanie ist großartig, und ich glaube, sie wird auch über 5000 Meter meine größte Rivalin sein."

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