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Jenny Wolf gewann in ihrer Karriere bislang 45 Weltcup-Rennen © getty

Jenny Wolf hat ihre Ambitionen für die 500 m ohne Scheu klar gemacht. Jemand, der sie stoppen könnte, ist nicht in Sicht.

Richmond - Jenny Wolf schlief aus.

Mit Eis wollte sie mal nichts zu tun haben. Leichtes Krafttraining machte sie, fuhr ein bisschen mit dem Rad auf der Rolle. Ruhe war angesagt.

Nichts und niemand sollte die Operation Gold der größten deutschen Favoritin in Vancouver stören.

"Sie ist sehr konzentriert, aber gleichzeitig auch unglaublich locker. Die ganze Vorbereitung war perfekt", sagte Bundestrainer Markus Eicher: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es klappt." 203122(DIASHOW: Tag zwei in Vancouver)

Gewagte Prognose

Wolf mied vor ihrem großen Auftritt im 500-m-Sprint am Dienstag (ab 22 Uhr LIVE) die Öffentlichkeit, die sie schon Monate vor den Spielen in Vancouver mit ihrer unmissverständlichen Gold-Ansage ("Ich müsste schon eine Menge falsch machen") überrascht hatte.

Die gewagte, aber nach jahrelanger Dominanz berechtigte Prognose trägt wohl dazu bei, dass am Dienstag die Athletentribüne im Richmond Oval voll mit deutschen Teammitgliedern sein wird - nicht nur vom Eisschnelllauf.

"Wenn Jenny läuft, sind wir da. Das habe ich ihr schon gesagt", berichtete Eishockey-Spieler Sven Felski von den Berliner Eisbären, die Tür an Tür mit Wolf in Hohenschönhausen trainieren.

"Nicht zu viele Gedanken machen"

Wolf hat Felskis Ankündigung wahrscheinlich nur ungerne vernommen, führt sie der Supersprinterin doch nur wieder vor Augen, dass sie bei Olympia ist. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Darüber wollte sie eigentlich gar nicht nachdenken. "Ich darf mir nicht zu viele Gedanken machen, sonst fällt mir wieder ein, dass Olympische Spiele nur alle vier Jahre stattfinden", sagte Wolf nach ihrer perfekten Generalprobe am vergangenen Mittwoch.

Ein verblüffend einfaches Rezept soll gegen Lampenfieber helfen: "Ich breche die Sache hier auf zwei 500-m-Rennen herunter, und diese Situation kenne ich dann wieder aus dem Effeff."

Beeindruckendes Testrennen

Die Gedankenkontrolle scheint zu funktionieren. Das Testrennen, das die Berlinerin ins Eis des Richmond Ovals hämmerte, dürfte die Konkurrentinnen entmutigt haben.

37,91 Sekunden benötigte sie und blieb nur 19 Hundertstel über ihrem Bahnrekord.

Die ersten 100 Meter lief sie in 10,19 Sekunden, so schnell wie keine ihrer Rivalinnen es derzeit könnte.

Wang Beixing noch nicht aufgetaucht

Auch Wang Beixing nicht. Die Chinesin, die Wolf neben der Südkoreanerin Lee Sang-Hwa wohl noch am ehesten gefährden könnte, ist allerdings noch immer nicht in Richmond aufgetaucht.

"Mal sehen, vielleicht kommt sie ja gar nicht", sagte Wolf.

Und klang dabei, als wäre es ihr völlig egal.

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