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Schluss, Aus, vorbei - es geht nicht mehr: Anni Friesinger-Postma beendet ihre Karriere. Die dreimalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin und 16-fache Weltmeisterin erklärt: "Ich muss jetzt aber anerkennen, dass es  mein Kniegelenk nicht zulässt, weiter Hochleistungssport zu betreiben."
Anni Friesinger heiratete im August 2009 in Salzburg den Niederländer Ids Postma © getty

Bei der angeschlagenen Olympionikin ist Aufregung vor dem 1000-m-Lauf verboten. Anni Friesinger revidiert ihre Goldprognose.

Richmond - Mit Jenny Wolf wollte Anni Friesinger-Postma nichts zu tun haben.

Nicht, dass sie mit der Supersprinterin aus Berlin über Kreuz läge. Aber Wolfs Griff nach Gold im 500-m-Rennen am Dienstag zu verfolgen, wäre zu viel des Guten für sie gewesen: 203773(DIASHOW: Der vierte Tag in Vancouver)

"Ich schau mir die Wettkämpfe bewusst nicht in der Halle an. Selbst vor dem Fernseher werfe ich nur mal kurz einen Blick drauf und schalte dann schnell wieder um. Es kostet mich einfach zu viel Energie."

Von Energie kann ihr angeschlagener Körper derzeit gar nicht genug bekommen. Am Donnerstag (ab 22.00 Uhr LIVE) will sie schon die erste Chance nutzen, bei ihren vierten und letzten Olympischen Spielen die insgesamt fünfte Medaille zu holen.

Aufregung verboten

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Friesinger-Postma auf ein ganz ähnliches Rezept wie Wolf: Routine ist gut, Aufregung schlecht.

Die Tasche für den nächsten Tag packt sie immer schon am Abend vorher. Die akkurate Pflege der Schlittschuhe kann bei ihr schon mal mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

In Vancouver musste sie gemeinsam mit Techniker Michael Künzel eine minimal lockere Kufe nachjustieren - Millimeterarbeit für den Erfolg. "Ich bin sehr pingelig, obwohl ich manchmal auch chaotisch bin. Ich bin so eine Mischung aus beidem", sagt sie.

Eine Selbstaufmunterung

Am Dienstag legte sie eine Eispause ein. Am Mittwoch steht noch einmal Starttraining auf dem Programm - die letzte Belastungsprobe für ihr Knie.

"Manchmal zwickt es noch ein wenig, aber die Tendenz bleibt steigend. Wenn das Gelenk warm ist, läufts ganz gut. Und das Timing wird immer besser", sagt Friesinger-Postma. Es klingt ein bisschen wie Selbstaufmunterung.

Die Seuchensaison mit Schweinegrippe-Erkrankung und nicht enden wollenden Knie- und Knöchelproblemen haben die 33-Jährige zurückhaltend gemacht.

Nur eine von vielen

Ihre unmissverständliche Goldprognose für das 1000-m-Rennen hat sie wohl nicht von ungefähr direkt nach ihrer Ankunft in Vancouver relativiert.

Beim Testlauf am vergangenen Mittwoch, den sie in zufriedenstellenden 1:16,86 Minuten absolvierte, war sie nur eine unter vielen, nicht mehr wie über Jahre hinweg die Powerfrau, die alles in Grund und Boden lief.

Die Silbermedaille der Olympia-Debütantin Stephanie Beckert im 5000-m-Lauf hat auch Friesinger-Postma wieder ein bisschen Energie verliehen: "Steffi ist ein Vorbild für uns alle, so wie sie bis zur Ziellinie gekämpft hat."

Vielleicht kommt Postma

Vielleicht erhält sie auch noch die wichtigste Unterstützung, die sie auf dem Weg zur ersehnten Medaille überhaupt bekommen kann.

Mit einem Lächeln im Gesicht erzählt sie, dass ihr Mann Ids Postma entgegen der ursprünglichen Planung ihr vielleicht doch noch hinterherreist.

"Das würde mir jede Menge Rückenwind geben", sagt sie.

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