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Shani Davis begann im Alter von sechs Jahren mit dem Eisschnelllauf © getty

Shani Davis schreibt über 1000 m "mit Zielscheibe auf dem Rücken" Geschichte. Vom Verband wendet sich der Afroamerikaner ab.

Richmond - Barack Obama hatte noch nicht angerufen. "Auf meinem Handy waren 41 SMS. Vielleicht ist eine von ihm", sagte Shani Davis.

Vor vier Jahren hatte Obama, damals Senator von Illinois, dem ersten afro-amerikanischen Eisschnelllauf-Olympiasieger in Turin am Telefon gratuliert.

Vier Jahre später wartete Davis zunächst vergeblich auf einen Anruf von Obama, heute Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Dennoch dankte er ihm von Herzen: "Er hat mir gezeigt, dass der Himmel die Grenze ist." (DATENCENTER: 1000-m-Rennen der Herren)

Davis schreibt Geschichte

In Richmond spielte die Farbe der Haut keine Rolle mehr, nur noch die der Medaille.

Und Davis, der in der Obama-Stadt Chicago lebt, schrieb in Richmond erneut Geschichte.

Der 27-Jährige ist der erste Eisschnellläufer, der einen Olympiasieg über 1000 m wiederholte. 203773(DIASHOW: Tag vier in Vancouver)

"Zielscheibe auf dem Rücken"

"Wenn du Weltmeister oder Olympiasieger bist, hast du eine Zielscheibe auf dem Rücken. Es macht mich unfassbar stolz, dass ich trotzdem da rausgegangen bin und diesem Druck standgehalten habe", sagte Davis, der 500-m-Olympiasieger Mo Tae-Bum aus Südkorea und seinen Landsmann Chad Hedrick hinter sich ließ.

Davis ist eine der schillerndsten Figuren im Eisschnelllauf-Zirkus.

Einen festen Coach hat er nicht. Häufig sieht man ihn alleine in den Eishallen seine Runden drehen, während Oranje-Superstar Sven Kramer eine ganze Abteilung von Betreuern, Physiotherapeuten und Zugpferden mit sich schleppt.

Dauerstreit mit US-Verband

Mit dem US-Verband will Davis nichts mehr zu tun haben. Er und vor allem seine streitbare Mutter und Managerin Cherrie legten sich unzählige Male mit den Offiziellen an.

Häufig lautete der Vorwurf auf Diskriminierung. Vor den Winterspielen in Vancouver pendelte der achtmalige Weltmeister zum Training zu den Eisbahnen in Salt Lake City und Milwaukee.

Am liebsten übt er mit den US-Shorttrackern um Apolo Ohno. Dieses Training, so sagt er, sei "der größte Faktor" auf dem Weg zum erneuten Olympiasieg gewesen.

Es machte den 1,91 m großen Davis zum elegantesten Läufer der Szene. Doch der Ästhet ist auch schnell, vor allem in den Kurven.

Boykott des Teamrennens

Über die 1500 m ist er wieder der Topfavorit. Eine weitere mögliche Medaille schenkt Davis freiwillig her, denn wegen der Differenzen mit dem Verband boykottiert er das Teamrennen. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Davis hatte es schwer in der weißen Sportart. Doch er ließ sich nicht beirren und schaffte es mit der perfekten Mischung aus Ehrgeiz, Selbstvertrauen und Fleiß bis an die Spitze.

"Ich habe gelernt, nicht auf negative Dinge zu achten", sagte er am Mittwoch: "Was ich tun will, das tue ich."

Karrierestart mit Inlinern

Als er sechs Jahre alt war - der Vater hatte die Familie längst verlassen - zog Mama Davis ihrem hyperaktiven Shani, der so gerne mit Inlinern lief, erstmals Schlittschuhe an.

Der Junge war ein Naturtalent. Nach zwei Monaten nahm er an Jugendmeisterschaften teil. Die Mutter entschied, aus South Side Chicago in den Norden der Stadt zu ziehen, um der Eisbahn im Vorort Evanston näher zu sein.

Am Mittwoch saß Cherrie Davis auf der Tribüne und hatte Freudentränen in den Augen.

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