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Anni Friesinger gewann 2002 Gold über 1500 m in Salt Lake City © getty

Anni Friesinger versucht das Debakel über 1000 m zu vergessen - und sich in der 1500-m-Konkurrenz nun Edelmetall umzuhängen.

Richmond - Am Morgen nach dem Debakel brauchte Anni Friesinger-Postma erstmal Ablenkung.

Bundestrainer Markus Eichler ging mit ihr spazieren. "Wir haben mal über andere Dinge geredet", erklärte er.

Der 14. Platz und der verhängnisvolle Stolperer der 33-Jährigen im 1000-m-Rennen mussten raus aus dem Kopf, denn in ihrem letzten olympischen Einzel-Wettkampf (So., 24 Uhr LIVE) will sie über 1500 m trotz allem eine Medaille gewinnen.

"Sonst würde ich erst gar nicht an den Start gehen", versicherte sie.

"Bronze - das geht!"

Auch Trainer Gianni Romme schenkt ihr weiter vollstes Vertrauen. "Kristina Groves und Ireen Wüst sind für mich die großen Favoritinnen, aber Bronze - das geht! Sie kann das!", sagte der Doppel-Olympiasieger von Nagano.(Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Er hatte noch am selben Abend mit seinem Schützling das frustrierende Rennen abgehakt: "Wir haben den Lauf in aller Deutlichkeit besprochen und einen Schlussstrich gezogen. Ohne den Fehler wäre sie in der Spitzengruppe dabei gewesen. Und was noch positiv ist: Das Knie hat gehalten."

Friesinger-Postma hatte bereits im Interview-Marathon nach dem 1000-m-Lauf versucht, den Schalter umzulegen. Sie gebe die Hoffnung auf eine Medaille nicht auf, hatte sie deutlich gemacht.

Der Ehemann macht Mut

Vor allem aus einem Telefonat mit ihrem Mann Ids Postma habe sie Kraft geschöpft.

Der ehemalige Weltklasseläufer war 1998 in Nagano im 500-m-Rennen gestürzt und hatte danach 1000-m-Gold geholt. "Das hat er mir nochmal erzählt. Das mache ich jetzt auch so", sagte Friesinger-Postma.

Ihre Hoffnung, dass Ehemann Postma doch noch nach Vancouver kommt, zerschlug sich allerdings. Postma muss sich um seinen Bauernhof in Deersum, vor allem aber um seinen kranken Vater kümmern.

Optimismus kann Friesinger-Postma aus den Erinnerungen an die WM im Richmond Oval vor einem Jahr ziehen. Damals wurde sie Weltmeisterin über die Mittelstrecke - nachdem sie allerdings von der Disqualifikation der Kanadierin Groves profitiert hatte.

Anschütz-Thoms hat ihren Humor wieder

Auch Daniela Anschütz-Thoms hat eine Medaille nicht aus den Augen verloren, obwohl sie ähnlich wie Friesinger-Postma viel zu verdrängen hat.

Die 35-Jährige war im 3000-m-Rennen um drei Hundertstel an Bronze vorbeigeschrammt, genau wie der WM vor einem Jahr im 1500-m-Rennen. "Vielleicht schaffe ich ja am Sonntag eine Hundertstel", sagte Anschütz-Thoms, die ihren Humor längst wiedergefunden hat: "Ich habe meine vierten Plätze schon immer knapp gewonnen."

Sollte die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft am Sonntag erneut medaillenlos bleiben, ist die Zielsetzung ihres Präsidenten Gerd Heinze kaum noch zu erreichen: Sechs Medaillen, davon zwei goldene, sollten es werden bei Olympia.

Bislang holten Jenny Wolf und Stephanie Beckert Silber.

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