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An den Schlittschuhen liegt es nicht: Bart Schouten kennt die Probleme, lösen kann er sie nicht © getty

Das historische Versagen der Herren lässt den Bundestrainer rat- und mutlos zurück. Dennoch glaubt er, sein Job sei sicher.

Richmond - Katastrophale Ergebnisse, ein hilfloser Bundestrainer und keine Aussicht auf Besserung:

Die Männer-Riege der deutschen Eisschnellläufer gibt bei den olympischen Wettbewerben erneut ein Bild des Jammers ab. Im Richmond Oval droht das schlechteste Abschneiden bei Winterspielen seit 1952. 205703(DIASHOW: Der neunte Tag)

"Vor dreieinhalb Jahren, als ich anfing, habe ich die Lage ganz klar zu positiv eingeschätzt", sagte Bart Schouten.

"Schwierig" sehe es momentan um seine Motivation aus, den Karren als verantwortlicher Coach noch aus dem Dreck zu ziehen, "das gebe ich zu."

Fördergelder in Gefahr

Doch der Bundestrainer will nicht aufgeben, obwohl sein Vertrag ausläuft und alle seine Zielsetzung um Längen verfehlt wurden.

Das Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit sei auf beiden Seiten da, sagte der gefallene Hoffnungsträger, der einst Goldschmied der Olympiasieger Chad Hedrick und Derek Parra war.

DESG-Teamchef Helge Jasch bestätigte dies, verwies aber auch auf mögliche finanzielle Engpässe infolge eventuell ausbleibender Fördergelder. "Wir werden nach Olympia weitersehen", sagte Jasch.

Team scheitert in der Quali

Vor dem letzten Rennen mit deutscher Männer-Beteiligung über 10.000 m steht ein 16. Platz von Samuel Schwarz über 1000 m als beste Platzierung zu Buche.

Eine Einzelmedaille hatte Schouten zu Dienstbeginn im Frühjahr 2006 prophezeit. Nur noch Marco Weber, der sich von Schouten abgewendet hat und unter Jan Coopmans trainiert, kann im 10.000-m-Rennen die peinliche Bilanz noch verbessern. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Die Mannschaft für die Teamwettbewerbe war sang- und klanglos in der Qualifikation gescheitert.

"Ich mit der großen Klappe"

Immerhin suchte Schouten nach dem 1500-m-Rennen, in dem Schwarz auf Platz 32 viereinhalb Sekunden hinter Olympiasieger Mark Tuitert aus den Niederlanden ins Ziel gekommen war, keine Ausflüchte.

"Ich habe es vorgemacht mit der großen Klappe. Den Jungs, die nachgezogen haben, darf man keinen Vorwurf machen. In Deutschland ist man es aber auch nicht gewohnt, so positiv zu denken. Das war wohl eine Art Kulturschock. Ich habe es nicht geschafft, diese Denkweise durchzusetzen." (DATENCENTER: Das 1500-m-Rennen)

Nun will der Niederländer konsequenter werden, auch gegen sich selbst. Er habe sich zu sehr von Trainerkollegen beeinflussen lassen. "Es gab Zeiten, in denen ich zu gutmütig war. Das wird mir nie wieder passieren."

Mehr in der Höhe

Knallhart werde er seine Linie künftig durchziehen. Die Zentralisierung der Spitzenläufer in Berlin soll es künftig in dieser Form nicht mehr geben.

Vor allem im Sommer soll wieder mehr in der Höhe und mehr auf der Kurzbahn trainiert werden.

"Wir waren zu häufig in Berlin, das hat zu einem Lagerkoller geführt", sagte Schouten: "Technik, Taktik, Kondition und die mentale Komponente - da müssen wir überall rangehen."

Keine Toptalente in Sicht

Auf die Frage, was passiere, wenn seine neuen Planungen im DESG-Präsidium auf Ablehnung stießen, sagte Schouten: "Das ist eine hypothetische Frage. Ich gehe davon aus, dass niemand auf meine Trainingsplanung Einfluss nehmen wird."

Doch selbst wenn alle seine Forderungen erfüllt würden, steht Schouten vor einer fast unlösbaren Aufgabe.

Mit Ausnahme von Patrick Beckert, der unter Stephan Gneupel in Erfurt trainiert und mit dem "System Schouten" nichts am Hut hat, sind weit und breit keine Top-Talente in Sicht.

Das sieht auch der Bundestrainer ein: "Das Nachwuchsproblem ist riesig. Wir müssen sichten ohne Ende. Wir haben zu wenig Kinder auf dem Eis, darin sind wir uns alle einig. Wie man das Problem löst - das ist das Problem."

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